Musikalisches Elend Ein Ausblick auf die Festivalsaison

Auch in diesem Festival-Sommer haben Musikfans die Qual der Wahl.
15.01.2010, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Annekatrin Liebisch

Auch in diesem Festival-Sommer haben Musikfans die Qual der Wahl.

Ein zertrampelter Acker, ein unbequemer Schlafplatz und hygienisch indiskutable Waschmöglichkeiten - was Grundwehrdienstleistende im Biwak als Zumutung empfinden, lassen sich tausende Deutsche Jahr für Jahr gern mal dreistellige Geldbeträge kosten. Denn mit der richtigen Musik und entsprechender Menge Alkohol sieht die Sache vollkommen anders aus. Dann nämlich befindet man sich auf einem der zahlreichen Festivals, die auch 2010 scharenweise Menschen anlocken werden.

Obwohl bereits im Frühjahr über 100 vorwiegend kleinere Festivals die musikalische Landkarte bereichern, ist die Hochsaison für Campingfreunde klar einzugrenzen: Schon aus klimatischen Gründen bieten sich Juni, Juli und August als Austragungszeitraum an, begünstigt noch durch Sommerferien an Schulen und Universitäten. Denn vor allem die jüngeren Semester sind bereit, für das Kollektiverlebnis zwei bis drei schlaflose Nächte und oftmals eine nicht unerhebliche Geldsumme zu investieren - selbst, wenn das Line-Up noch gar nicht feststeht. So gingen beispielsweise für das elektronisch angehauchte "Melt!" (16. bis 18. Juli) und den HipHop-Klassiker "Splash!" (23. bis 25. Juli ) in Ferropolis bereits der erste Schwung Tickets weg, ohne das bisher eine teilnehmende Band angekündigt wurde.

Etwas weiter ist man da bereits beim "Highfield" (20. bis 22. August), das dieses Jahr nicht im namensgebenden thüringischen Hohenfelden stattfindet, sondern ins Leipziger Umland zieht. Placebo, NOFX und die jüngst wiedervereinigten Blink-182 haben bereits zugesagt, vor der Kulisse des Störmthaler Sees zu spielen. Die Beatsteaks, Deichkind, Mando Diao und White Lies machen sich hingegen nach Scheeßel und Neuhausen ob Eck auf, um zwischen dem 18. und 20. Juni die Besucher der Schwesterfestivals "Hurricane" und "Southside" mit ihrer Anwesenheit zu erfreuen.

Die Streber in Sachen Line-Up sitzen jedoch in Schleswig-Holstein: Über 50 Bands stehen bereits als Teilnehmer für das diesjährige "Wacken Open Air" fest, obwohl das angeblich größte Metal-Festival der Welt erst vom 5. bis 7. August stattfindet. Doch mit Namen wie Alice Cooper, Iron Maiden oder Slayer darf man gern schon weit im Voraus etwas angeben. Die gleiche Taktik verfolgt man ebenfalls bei "Rock am Ring" und "Rock im Park", die von 4. bis 6. Juni am Nürburgring beziehungsweise in Nürnberg stattfinden. Immerhin bietet sich hier für alle Rammstein-Fans, die keine Tickets für die reguläre Tour bekommen konnten, die Gelegenheit, ihre Idole doch noch auf der Bühne zu sehen. Weiterhin haben sich unter anderem Kiss, Muse, Gossip, Jan Delay, Motörhead und die Sportfreunde Stiller auf dem Doppelfestival angekündigt, um den großen "Rock am Ring"-Geburtstag gebührend zu feiern.

Seit 25 Jahren lockt das deutsche Massenkonzert-Urgestein nicht nur regelmäßig bis zu 80.000 camping-freudige Musikfans an, sondern dient auch als Namensvorbild für zahlreiche kleinere Festivals, die überall in der Republik zu finden sind: Rock am Teich, Rock am Weiher, Rock am Bach, Rock am Berg, Rock am Feld und Rock am Hebewerk, beispielsweise. Und nicht zu vergessen "Rocken am Brocken", das am 30. und 31. Juli in der Gemeinde Elend bei Sorge stattfinden wird. Kein Witz.

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