Die Konsensmetaller geben nicht auf Iron Maiden veröffentlichen ihr Album "The Final Frontier"

Erst kam Wacken, jetzt folgt das neue Album: Iron Maiden zählen noch lange nicht zum alten Eisen.
13.08.2010, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Diehl

Erst kam Wacken, jetzt folgt das neue Album: Iron Maiden zählen noch lange nicht zum alten Eisen.

"Oh well, wherever, wherever you are, Iron Maiden's gonna get you, now matter how far." Eine Refrainzeile aus dem Song "Iron Maiden", erschienen 1980 auf dem Debütalbum der Band. Damals hätten sich die Briten wohl nicht träumen lassen, dass sie tatsächlich so ziemlich alle Metaller der Erde kriegen würden. Auch ohne Androhung des Folterinstruments, nachdem sie sich benannten. 30 Jahre später gehören sie immer noch zu den größten Vertretern des Genres und veröffentlichen mit "The Final Frontier" ihr 15. Studioalbum.

"Ich bin 51. Mist. Wäre mein Publikum so alt wie ich, wahrscheinlich würde ich mich umbringen", witzelte Bruce Dickinson kürzlich in einem Interview. Ein Hinweis auf die Faszination, welche die mittlerweile zum Großunternehmen herangewachsene Truppe nach wie vor ausstrahlt. Ausverkaufte Shows überall, jedes Kind weiß, wer Iron Maiden sind. Jeder Vater ebenfalls. Anlässlich ihres neuen Werkes kooperiert ihre Plattenfirma EMI mit dem "Männersender" Dmax. Fernsehen ohne Generationengrenze. Papa holt die alte Kutte aus dem Schrank und schaut wehmütig auf den Rückenaufnäher, der Sohnemann zockt das "Final-Frontier-Game" auf der Homepage. Iron Maiden sind für alle da.

"Woe to you, oh earth and sea..." Wenn diese Worte würdevoll aus den Lautsprechern dringen, stellen sich dem Metaller sämtliche Haare. Das 1982 erschienene "The Number Of The Beast" markierte den endgültigen Durchbruch, seitdem repräsentieren die eisernen Jungfrauen die Macht der harten Rockmusik. Gigantische Tourneen und Alben für die stählerne Ewigkeit folgten, mit ihrem Maskottchen Eddie sponsorten sie zudem die Identifikationsfigur einer Jugendszene. In dem Achtziger-Gedenkbuch "Skandal im Sperrbezirk" werden sie als "personifizierte Coolness" bezeichnet. Das erste Mal "Live After Death" in der Hand zu halten, stellte für unzählige junge Kerle mit Hang zu weißen Turnschuhen und Spandexhosen ein Erlebnis sondergleichen dar. Das Cover sowie das großformatige Begleitheft inklusive Tourdaten wurden bestaunt. Dann senkte sich die Nadel. Vier Schallplattenseiten voll purer Energie, die Maßstäbe setzten.

In den 90er-Jahren jedoch kommt das Flaggschiff ins Schlingern: Dickinson verlässt die Band, mit seinem Nachfolger Blaze Bayley werden zwei beachtliche, aber kommerziell wenig erfolgreiche Platten veröffentlicht. Es kommt, was kommen muss: Der verlorene Frontmann kehrt zurück. "Wir sind keine betrübten alten Arschlöcher, die sich noch einmal zusammentun, um etwas Kohle zu scheffeln. Das wäre schlimm und geschmacklos", stellt Dickinson damals klar.

Und tatsächlich: Das Comeback "Brave New World" gilt bei vielen als das beste Album seit den Achtzigern. Ausgestattet mit frischem Wind und einem gesunden Wissen um die Popularität der eigenen Klassiker, setzen Maiden zum nächsten Sprung an. Während andere Vertreter der NWOBHM ("New Wave Of British Heavy Metal") ebenfalls noch aktiv sind, aber mittlerweile kleinere Brötchen backen, geben das Multitalent Bruce Dickinson, Bass-Chef Steve Harris, ihre drei Gitarristen sowie Schlagzeug-Urgestein Nicko McBrain Vollgas. Das fällt ihnen im Gegensatz zu vielen Kollegen sogar leicht: "Wir waren keine Vikare. Aber wir waren auch nicht dumm", resümiert Dickinson gegenüber dem "Mirror" die Vergangenheit. Heutzutage fliegt der Sänger in seiner Tätigkeit als aktiver Pilot auch mal gestrandete Urlauber aus und entspricht mit seiner Kurzhaarfrisur und seiner seriösen Haltung so gar nicht mehr dem Klischee des Rockstars. Drogen, Skandale, Entgleisungen? Bei dieser Band sind sie Mangelware.

Seit sie ihr Monster Ende der 70er-Jahre unter den Wehen der Punk-Zeit zum Leben erweckt haben, gehen Iron Maiden ihren Weg. Über 80 Millionen verkaufte Alben sprechen für sich. Ob sich "The Final Frontier" nun als neuer Anwärter für den Klassikerstatus präsentieren wird, bleibt abzuwarten. Bereits vor der Veröffentlichung wird kräftig diskutiert und das vorab zugänglich gemachte "El Dorado" lässt offen, ob die Platte ein selbiges für die Fans werden wird. Die Herren werden trotz ihrer exponierten Stellung nicht wie unfehlbare Götter behandelt. Produktion und Songwriting sorgten in den letzten Jahren immer wieder für kontroverse Meinungen. Unverkennbar Maiden dagegen sind sie auch dieses Mal.

"Die Zeit von Vokuhila und Iron Maiden ist definitiv vorbei", konnte anlässlich einer Diskussion über den Opel Manta (!) in der Online-Ausgabe einer großen Zeitung gelesen werden. Die "Altersvorsitzenden der Heavy Metal-Szene" (FAZ) sind jedoch noch nicht am Ende. In Wacken waren sie dieses Jahr Headliner. Der letztes Jahr erschienene Film "Flight 666" sorgte für Begeisterung. Sonderhefte an den Kiosken, die Aufregung über das neue Album und eine der weiterhin heißesten Live-Bands des Planeten ist spürbar. Und auch wenn "The Final Frontier" als Titel unheilvoll klingt, geben die Musiker zu Protokoll: Solange es Spaß macht, soll es weitergehen. Und solange es Spaß macht, wird es heißen: "Up The Irons".

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