"Nicht nur Liebeslieder!" Katy Perry will nicht als eindimensional gelten

Popstar Katy Perry über Undercover-Ausflüge, ihre Kindheit in Santa Barbara und ihren ganz persönlichen "Teenage Dream".
27.08.2010, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Weber

Popstar Katy Perry über Undercover-Ausflüge, ihre Kindheit in Santa Barbara und ihren ganz persönlichen "Teenage Dream".

Bessere Schlagzeilen liefert höchstens noch Lady Gaga: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Klatsch- und Boulevardmedien Neuigkeiten über Katy Perry zu berichten haben. Ja, sie lästert über Tokio Hotel, Miley Cyrus und Lily Allen. Nein, sie plane keine Latex-Hochzeit mit ihrem Freund, dem britischen Schauspieler Russell Brand ("Männertrip"). Ja, sie schenkt ihrem Verlobten aber tatsächlich wohl einen Weltraumflug ins All. Zwischen all dem Gossip veröffentlicht die 25-jährige Pastorentochter nun ihr drittes Album "Teenage Dream" - und hofft im Interview dennoch, dass sie vor allem als "Künstlerin" wahrgenommen wird. Und kann im Zweifelsfall aber über all die Schlagzeilen und sich selbst lachen.

teleschau: Kannst Du eigentlich auch mal ohne Schminke einfach so das Haus verlassen?

Katy Perry: Manchmal schon. Klar, ich muss sowas natürlich ein wenig im Voraus planen. Und meine Spione rausschicken (lacht). Aber ich bin ja sowieso immer auf dem Sprung und sag manchmal auch nicht genau, wo ich gerade bin. Ich hab auf jeden Fall gelernt, meinen Standort nicht zu twittern (lacht). Aber um "undercover" zu bleiben und nicht aufzufallen, muss ich vorher schon immer ein Plan machen. Und meine Show-Outfits zu Hause lassen.

teleschau: Wie war das in Santa Barbara, wo Dein neues Album entstanden ist?

Perry: Das war einfach nur entspannt. Dort konnte ich einfach ich selbst sein, auf der Straße herumlaufen, einfach alles ziemlich ungestört tun. Und selbst wenn Leute auf mich zu kamen und sagten: "Hey! Du bist doch Katy Perry!", dann sagte ich einfach nur nett "Hallo!". Klar: Manchmal gab es auch dort Situationen, in denen so etwas dann in einem spontanen Foto-Shooting endete. Aber es fällt mir wirklich schwer, nein zu sagen, denn ich fühle mich meinen Fans verpflichtet. Und auf gewisse Weise bin ich das auch.

teleschau: Wie war es in Deiner Heimatstadt aufzunehmen?

Perry: Das war einfach nur fantastisch. Es war so ein bisschen so, als ob ich wieder den Kontakt zu mir selbst herstelle. Und in Santa Barbara sind die Leute auch anders: Es ist eben nicht L.A., wo es immer Chaos herrscht und es leider viele Menschen mit schlechten Absichten gibt. Und in Santa Barbara haben die Menschen eben Familien, sie haben Jobs und sind kreativ.

teleschau: Wie war es für Dich dort aufzuwachsen?

Perry: Naja, es fühlte sich schon ein wenig an, wie auf einer einsamen Insel zu sein. Ich konnte nicht weg, konnte nicht Auto fahren, rundherum gab's nur den Strand. Und ich hatte schon so eine Art Inselfieber, denn jeder, den ich kannte, dem ich dort näher kam, hatte irgendwie mit der Kirche zu tun. Ich konnte nie einfach mal spontan Leute kennenlernen. Ja, ich fühlte mich schon ein wenig abgeschirmt. Fast wie in "Shutter Island" (lacht). Aber das war in Ordnung. Ich beschwere mich nicht über meine Kindheit. Eigentlich war diese Abschirmung ganz gut. Denn so mit 16, 17 überrollte mich diese Pop-Kultur-Welle mit einem Schlag. Und ich war bereit dafür.

teleschau: Wer war Dein persönlicher "Teenage Dream"?

Perry: Gwen Stefani. Ganz klar. Sie war ganz weit vorne, es war einfach so cool wie sie "I'm Just A Girl" sang. Und sie war Punk, aber trotzdem sehr sexy. Und süß. Wenn man mich fragt, hat sie alles richtig gemacht. Ich glaube auch, dass die Leute sich mit ihr identifizieren können, weil man merkt, dass sie bei allem, was sie macht, tatsächlich sie selbst ist. Da ist keine große Verwertungsmaschine dahinter. Das mag ich an ihr und ich wollte schon damals wie sie sein.

teleschau: Hast Du als Teenager auch Gedichte geschrieben?

Perry: Nein, ich hab immer schon Songs geschrieben. Den ersten mit 13.

teleschau: War das ein Liebeslied? Bist Du überhaupt romantisch veranlagt?

Perry: (windet sich) Ich hatte Beziehungen und die waren immer ein großer Teil meines Lebens. Seit ich 16 bin. Natürlich hat die Liebe mein Leben beeinflusst. Darüber schreibe ich, über meine persönlichen Erfahrungen. Egal, ob das nun über Beziehungen oder das Um-die-Häuser-Ziehen mit Freunden oder meine Weltanschauungen oder mein Glaube ist. Oder auch Dinge, die in mir drin heilen müssen. Auf der neuen Platte gibt es eine ganze Reihe von Themen. Und nicht nur Liebeslieder!

teleschau: Fühlst Du Dich eigentlich als Musikerin angegriffen, wenn die ganze Welt hauptsächlich von Deiner Beziehung zu Russell Brand berichtet?

Perry: Nein, gar nicht. Ich glaube, dass jeder Musiker sich über die Jahre einfach bewähren muss. Du musst dich den Leuten immer wieder beweisen. Klar wusste ich, dass ich mit "I Kissed A Girl" nicht der Liebling der Kritiker sein würde. Aber das hatte ich auch nicht vor. Denn als Kritikerliebling dringst du nicht bis in alle Ecken der Welt vor. Ich wollte aber so populär sein, dass man meine Musik überall kennt, dass Leute mitsingen.

teleschau: Meinst Du, dass sich das jetzt mit "Teenage Dream" ändert?

Perry: Ich hoffe es. Denn ich wusste schon immer, dass das alles in mir drin steckte. Aber erst jetzt kann ich die verschiedenen Dimensionen zeigen, die mich als Künstlerin ausmachen. Und ich hoffe, dass vielleicht einige Kritiker, die nicht von Anfang begeistert waren, das jetzt sind. Dass sie sehen, dass ich viele Seiten besitze und nicht einfach nur Glück hatte. Sondern dass bei mir Talent auf eine Gelegenheit, nein, besser: Talent auf Vorbereitung und die günstige Gelegenheit traf.

teleschau: Du nimmst alles, gerne auch Dich selbst, auf den Arm. Gibt's irgendwas, das Dir heilig ist?

Perry: Nun ja, ich glaube einfach daran, dass man über alles im Leben lachen können muss. Denn wir wissen doch alle, wie anstrengend das Leben ist! (lacht) Und wenn man nicht darüber lacht, dann wird man von den Problemen der Welt erdrückt. Und ich bin schon auch ernsthaft, wenn ich ernsthaft sein muss. Aber generell ist mein Blick aufs Leben eher positiv, ich versuche mir immer meinen Sinn für Humor zu behalten. Ich hoffe, das ist auch etwas, dass die Leute von mir mitnehmen können.

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