"Drama ist Rooneys zweiter Vorname" Rooney veröffentlichen nach langen Querelen ihr drittes Album

Robert Schwartzman im Gespräch über Streit mit den Kollegen, das eigene Label und das Bedürfnis, geliebt zu werden.
13.08.2010, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Sabine Metzger

Robert Schwartzman im Gespräch über Streit mit den Kollegen, das eigene Label und das Bedürfnis, geliebt zu werden.

Es hat lange genug gedauert: Die US-Band Rooney bringt am 20. August das dritte Album heraus - mit vier Jahren Verspätung. Damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert, haben die einstigen Indie-Lieblinge jetzt ein eigenes Label gegründet. Rooney-Frontmann Robert Schwartzman spricht im Interview über Frust mit der Plattenfirma, Versagensängste und tierliebe Bandkollegen.

teleschau: Ihr erstes Album machte Rooney 2003 zu Indie-Lieblingen. Aber dann kam die Produktion gewaltig ins Stocken: Ursprünglich war das dritte Album für 2006 geplant, doch es erscheint erst jetzt. Sind Sie enttäuscht?

Schwartzman: Naja, wir haben ja zwischendurch zwei Alben komplett fertiggestellt, sie sind nur nie veröffentlicht worden. Es war frustrierend. 2004 gingen wir ins Studio und waren Ende des Jahres fertig. Aber dann fand das Label die Platte nicht kommerziell oder "Rooney" genug, und wir mussten die Veröffentlichung absagen. Also sind wir zurück ins Studio, und zum Ende des Jahres 2005 passierte wieder das Gleiche. Erst 2006, mit "Calling The World", hat es dann geklappt. Aber wir haben einiges darüber gelernt, wie wir unsere Alben in Zukunft veröffentlichen wollen.

teleschau: Der Ärger mit den bisherigen Labels war also der Grund dafür, ein eigenes zu gründen?

Schwartzman: Ja. Wir waren nicht glücklich damit, ständig unseren Fans zu erzählen: "Die Platte kommt bald, macht euch keine Sorgen!" Es war, als hätten wir Handschellen an. Wir wussten, was wir wollten, es wurde uns nur nicht erlaubt. Das wollte ich nicht noch einmal erleben.

teleschau: Es gibt das Gerücht, dass Sie die beiden verlorenen Alben jetzt über Ihr eigenes Label veröffentlichen wollen ...

Schwartzman: Das Gerücht habe ich selbst in die Welt gesetzt. Wir haben darüber gesprochen, und jetzt können wir veröffentlichen, was wir wollen, wann immer wir wollen. Vielleicht nehmen wir sie noch einmal auf und veröffentlichen sie nächsten Sommer. Das ist mein Ziel.

teleschau: Das eigene Label war nicht die einzige Neuerung auf "Eureka": Zum ersten Mal haben alle Bandmitglieder eigene Songs beigesteuert, bis jetzt war das Schreiben Ihre Sache. War es schwer, ein wenig Kontrolle aus der Hand zu geben?

Schwartzman: Ein bisschen. Aber der schwerste Teil war diesmal die Songauswahl. Wir kennen uns so gut, dass wir wissen, wie wir miteinander auskommen können. Aber manchmal geriet die Situation dann doch emotional ein wenig außer Kontrolle.

teleschau: Wie das?

Schwartzman: Weil wir die Platte selbst produzierten, war keine unabhängige Instanz im Raum, der man auch mal die Schuld zuschieben konnte. Wenn ich jemandes Song nicht mochte, dann musste ich das auch selbst sagen. Aber das kann sehr verletzend werden. Wenn man einen Song schreibt, dann liegt er einem eben auch am Herzen. Für Ned, Taylor und Louie war es das erste Mal, dass sie eigene Songs vorstellten. Deshalb war es ein wenig heikel.

teleschau: Wie kamen die Entscheidungen zustande?

Schwartzman: Es war ein demokratischer Vorgang. Wir haben alle Demos aufgenommen und untereinander ausgetauscht, danach stimmten wir ab. Manchmal musste ich die anderen auch überzeugen. Es funktionierte ein wenig wie die US-Regierung: Die Vorlage wird eingereicht, geprüft, geht zurück an den Kongress ...

teleschau: Also alles hübsch geregelt, keine Eifersüchteleien?

Schwartzman: Oh doch, und wie! Drama ist Rooneys zweiter Vorname (lacht). Ich könnte tagelang über den Ärger reden, den wir hatten. Ein Song auf dem Album, "All Or Nothing", befasst sich genau damit. Wir waren in einer Lage, in der wir uns entscheiden mussten: Entweder ziehen wir's jetzt durch oder wir lassen es ganz. Aber das macht es nur noch interessanter, dass wir als Band immer zusammengeblieben sind. Trotz des ganzen Dramas mögen wir uns eben. Wir kennen uns seit der Schule. Es ist also eine Art Sandkastenliebe zwischen uns. Und wir lieben die Musik, unsere Fans ...

teleschau: Sie sind also zuerst Freunde und dann Kollegen?

Schwartzman: Ich würde sagen, wir sind zuerst Kollegen und dann - nein, das kann man so nicht sagen. Es ist ja nicht so, als ob Rooney Arbeit wäre. Wir haben Spaß zusammen. Aber wir sind seit zehn Jahren eine Band, gelegentlich brauchen wir auch etwas Abstand. Wenn wir nicht auf Tour sind, sehen wir uns kaum.

teleschau: Gitarrist Matt Star hat die Band gleich nach den Aufnahmen zu "Eureka" verlassen, um Tierarzt zu werden. Der Sound des Albums ist aber sehr entspannt. Wussten Sie überhaupt, dass er vorhatte zu gehen?

Schwartzman: Nein. Er erzählte es uns erst, als wir schon beim Mastering waren. Es war keine große Überraschung, weil Matt immer ein bisschen unsicher war, was er mit seinem Leben anstellen will. Er kam zu Rooney, als er 17 war, eine impulsive Entscheidung. Und dann sind wir da alle irgendwie drin stecken geblieben. Wir hatten nie die Gelegenheit, erwachsen zu werden und darüber nachzudenken, was wir tun wollten. Wir haben es einfach getan. Und damit hatte er immer Schwierigkeiten.

teleschau: Hatte das auch Auswirkungen auf die Band?

Schwartzman: Über die letzten fünf Jahre sahen wir, wie seine Motivation nachließ. Manchmal war er nicht einmal richtig daran interessiert, was wir taten. Das ist frustrierend, vor allem für mich, weil ich so viel von meiner Zeit und meiner Energie in Rooney hineinstecke. Und das Gleiche fordere ich eben auch von den anderen. Aber jetzt bin ich froh, dass er seine Entscheidung getroffen hat. Und ich bin froh, dass er noch auf der Platte zu hören ist.

teleschau: Also keine verletzten Gefühle? Sie würden Ihren Hund noch zu Matt bringen, wenn er krank würde?

Schwartzman: Ja. Oder halt, nein. Eigentlich kann Matt nicht besonders gut mit Tieren umgehen. Ich denke nicht, dass er Tierarzt werden sollte. Ich mag gar nicht sagen, wie viele Tiere schon bei ihm gestorben sind - wie viele Unfälle mit Tieren er schon hatte (lacht). Wir lieben ihn, aber wir denken, er sollte seine Berufswahl noch einmal überdenken.

teleschau: Ein deutscher Kritiker hat mal geschrieben, es sei ziemlich unfair, dass Sie als Teil des Coppola-Clans - Francis Ford Coppola ist Ihr Onkel, Sie sind mit Nicolas Cage verwandt, Ihr Bruder Jason ist erfolgreicher Schauspieler - ein angenehmes Leben führen, und dann auch noch gute Musik veröffentlichen. Kann man überhaupt zu viel Glück haben? Muss man Qualen erleiden, um Inspiration zu finden?

Schwartzman: Na, meine Jugend war ja nicht immer nur ein Spaziergang. Ich habe durchaus einen Antrieb. Mein Vater starb, als ich elf Jahre alt war, das veränderte mich und meine Brüder natürlich sehr. Klar, wir haben Glück, dass wir aus einer netten Familie stammen und Leute um uns hatten, die uns lieben. Aber es gab auch immer wieder genügend dramatische Erlebnisse, die zu unseren Songs geführt haben. Es war wirklich kein Spaziergang. Aber hey, ich freue mich wirklich sehr, dass der Kritiker die Musik mag.

teleschau: Ist so etwas wichtig für Sie?

Schwartzman: Ich versuche nur, eine gute Platte zu machen und glücklich zu sein. Ich möchte Spaß an meiner Band und meiner Musik haben, das ist das Wichtigste. Und ich möchte, dass andere Menschen Spaß daran haben. Um ganz ehrlich zu sein: Ich werde echt depressiv, wenn ich merke, dass ich den Leuten nicht gefalle. Wenn ich zum Beispiel bei einem Konzert auch nur eine Person sehe, die nicht aussieht, als hätte sie Spaß, werde ich richtig traurig auf der Bühne.

teleschau: Eine ziemlich starke Reaktion ...

Schwartzman: Wenn ich für jemanden spiele, will ich, dass es ihm gefällt. Ich weiß, dass das nicht realistisch ist. Nicht jeder kann Rooney mögen, das muss ich akzeptieren. Aber es ist eben mein Ziel, allen zu gefallen, das steckt in meiner Persönlichkeit. Damit mache ich mir manchmal selbst zu viel Druck.

teleschau: Klingt nicht sehr gesund.

Schwartzman: Ist es auch nicht. Ich versuche, mich zu bessern.

Rooney auf Deutschlandtour

06.10., Berlin, Lido

08.10., Hamburg, Grünspan

09.10., Köln - Stollwerck

10.10., Stuttgart, Universum

11.10., München, Ampere

13.10., Dresden, Beatpol

14.10., Frankfurt, Batschkapp

15.10., Münster, Sputnikhalle

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