Gute Ratschläge von der Tochter Uncle Kracker veröffentlicht sein neues Album "Happy Hour"

Uncle Kracker über seinen zwischenzeitlich verlorenen gegangenen und wiedergefundenen Spaß an der Musik, Auftritte vor US-Truppen im Irak und das Leben als Country-Rockstar und Familienvater.
27.08.2010, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Benjamin Weber

Uncle Kracker über seinen zwischenzeitlich verlorenen gegangenen und wiedergefundenen Spaß an der Musik, Auftritte vor US-Truppen im Irak und das Leben als Country-Rockstar und Familienvater.

Von ihm hatte man auch länger nichts mehr hört: Uncle Kracker, Country-Rock-Sänger und bester Kumpel von Rock-Rüpel Kid Rock. Durch seinen Riesenhit "Follow Me" wurde er 2001 weltberühmt. Mittlerweile ist Matthew Shafer (36), wie Kracker mit bürgerlichem Namen heißt, Familienvater, der sich 2010 von einer anderen Seite präsentiert: Sein neues Album "Happy Hour" (VÖ: 17.09.) ist schneller, lockerer und poppiger als sein altes Material, die Vorabsingle "Smile" läuft im Radio bereits wieder rauf und runter. Schuld an der musikalischen Neuausrichtung hat, verrät Uncle Cracker im Interview, seine schärfste Kritikerin: seine Tochter.

teleschau: Dein neuer Hit heißt "Smile". Gibt es eine bestimmte Geschichte dazu?

Uncle Kracker: "Smile" handelt von keiner Person im Speziellen, er soll eher ein positives Gefühl im Allgemeinen verbreiten. Ich schrieb ihn zusammen mit zwei Kumpels. Wir saßen zwei Wochen lang in meinem Haus in Nord-Michigan und schrieben Songs, die aber alle langweilig waren. Wir kamen kaum voran. Eines Morgens wurde mir das bewusst. Ich wollte dringend einen positiven Song schreiben und mir keine Gedanken darüber machen, dass er eventuell zu mädchenhaft sein könnte. Daraus wurde dann "Smile", und es fühlte sich an wie die erste frische Luft nach einem langen Tag in einem stickigen Zimmer. Es gibt solche Situationen: Hin und wieder schreibt man einen Song, und danach kann man spüren - oder besser - riechen, dass man gerade einen ganz speziellen Song geschaffen hat.

teleschau: Die Themen und die Figuren, mit denen Du Dich auf "Happy Hour" auseinandersetzt, sind sehr unterschiedlich. Es treten Verliebte auf, Betrogene, Ex-Liebhaber, Opfer der Weltwirtschaftskrise, Selfmademen, der einsame Wolf und so weiter. Das Gefühl drängt sich auf, als solle für jeden was dabei sein. Wo kommt die Inspiration für diese verschiedenen Inhalte her?

Uncle Kracker: Teilweise handelt es sich um Fiktion, teilweise um eigene Erfahrung. Mein Hauptziel war, ein Album zu schreiben, das dem Hörer ein gutes Gefühl übermittelt. Normalerweise bin ich ja bekannt für langsame, ruhigere Country-Rock-Songs, die oft in Richtung Balladen gehen. Das neue Album ist verglichen damit jetzt nicht total verrückt, aber schon schneller und fröhlicher, als man es sonst von mir kennt.

teleschau: Wie kam es dazu?

Uncle Cracker: Nun, eines Morgens sprach ich mit meiner Tochter, sie war da gerade acht Jahre alt. Wir redeten darüber, welche Musik sie und ihre Freunde gerade so hörten. Das war so was wie Justin Bieber, Taylor Swift, sie hatte auch ihre Hannah-Montana-Phase, durch die sie durch musste (lacht). Ich fragte sie, ob sie und ihre Freunde auch meine Platten anhören, und sie antwortete: Nein, wir hören keine deiner Platten, Dad. Ich fragte: warum denn nicht? Sie antwortete: Die machen nicht genug Spaß! Da musste ich erst mal schlucken.

teleschau: Hatte das einen Einfluss auf Dein neues Album?

Uncle Kracker: Ja, und zwar einen sehr großen. Zu dieser Zeit hatte ich schon ein Album aufgenommen, es war komplett fertig und hätte nur noch veröffentlicht werden müssen. Aber einige Tage nach dem Gespräch mit meiner Tochter sah ich ein, dass sie Recht hatte. Mir wurde klar: Ich hatte mit meiner Musik keinen Spaß mehr. Normalerweise bin ich ein relativ lustiger Typ, ich bin nicht deprimiert, und "All Summer Long", der Song, den ich mit meinem Buddy Kid Rock zusammen geschrieben habe, zeigt das ja auch. Aber mir wurde klar, dass ich bei den Aufnahmen zu dem unveröffentlichten Album keinen richtigen Spaß mehr hatte. Alles war Routine, eingefahren, immer gleich. Ich warf also das fertige Album weg.

teleschau: Wie waren die Reaktionen der Plattenfirma? Immerhin hatte die ja das Studio bezahlt.

Uncle Kracker: Die Plattenfirma war ziemlich sauer. Aber was sollte ich denn tun? Ich fing von vorne an, mit der Entscheidung, ein Album aufzunehmen, bei dem ich wieder Spaß habe. Niemand will Musik machen, die seine eigenen Kinder nicht mögen. Mit "Happy Hour" ist die Freude in meine Arbeit zurückgekehrt. Das brauchte ich dringend. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich generell wenig Spaß hatte. Aber erst durch das Gespräch mit meiner Tochter begann ich, das zu bemerken. Sie half mir also auf die richtige Spur zurück. (lacht)

teleschau: Wie passt das überhaupt zusammen: Familienvater und Countryrockstar gleichzeitig zu sein?

Uncle Kracker: Es ist ziemlich beschissen, längere Zeit von der Familie getrennt zu sein. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich so selten in Europa bin. Es heißt, Uncle Kracker hasst Europa. Das ist aber falsch. Ich hasse nichts hier drüben, ich mag es einfach nicht, meine Kinder zurückzulassen. Meine jüngere Tochter ist fünfeinhalb. Beide leiden darunter, dass ich nicht so oft daheim bin. Wenn ich unterwegs bin, rede ich jeden Tag mit ihnen. Das heißt: Ich versuche es. Manchmal rufe ich zu Hause an, um der gute Dad zu sein, und dann wollen sie lieber was anderes tun, als mit mir sprechen. (lacht) Aber das ist okay. Ich bin ja nicht für immer von zu Hause weg.

teleschau: Zurzeit bist du allerdings schon viel unterwegs. Du warst vor Kurzem sogar im Irak und hast vor amerikanischen Soldaten gespielt. Wie kam es dazu?

Uncle Kracker: Das waren vier Shows im Irak und eine in Kuwait. Ich wurde eingeladen, und ich wollte ablehnen. Mist, ich kann da nicht hingehen! Das war meine spontane Reaktion. Es handelte sich um das Wochenende vom 4. Juli, dem Independence Day. Doch ein Kumpel von mir hatte auch schon mal im Irak gespielt, und ich dachte an die Truppen, also sagte ich doch zu.

teleschau: Wie waren die Reaktionen der Soldaten?

Uncle Kracker: Ich hatte den Eindruck, dass es sie gefreut hat, dass da jemand kommt und für sie spielt. Ich wäre auch heilfroh, wenn jemand zu mir ins Krisengebiet geflogen kommt, um für mich zu spielen. Allein das Gefühl, dass sie nicht vergessen werden da unten im Irak, hilft ihnen wahrscheinlich. Es war eine Ehre, für sie zu spielen.

teleschau: Jetzt ist der Irak ja nicht Woodstock oder Rock am Ring, sondern die Truppen waren dort im Kriegseinsatz. Ging denn alles glatt?

Uncle Kracker: Es war sehr heiß dort. (lacht) Und ich hatte durchaus Schiss. Einmal wurde ein Camp kurz vor unserer Ankunft beschossen. Das war alles. Insgesamt war es eine sehr gute Erfahrung, dorthin zu fahren.

teleschau: Der Name Uncle Kracker ist immer mit Kid Rock verbunden. Du warst sein DJ, ihr seid beste Freunde. Hast du heute noch Kontakt zu ihm?

Uncle Kracker: Er ist nach wie vor mein bester Freund und mittlerweile auch Patenonkel meiner älteren Tochter. Wir hören oft voneinander, aber wir sehen uns selten. Ich habe manchmal den Eindruck, dass er immer zu Hause ist, wenn ich gerade auf Tour bin - und umgekehrt. Aber trotzdem machen wir viel gemeinsam, wie gesagt, ich war bei "All Summer Long" dabei, und auf meinem Album hat er einen Song produziert.

teleschau: Wie habt Ihr Euch eigentlich kennengelernt?

Uncle Kracker: Das war vor, puh, 23 Jahren. Es gab eine Bar, die samstagabends immer zum Club wurde. Der DJ, er hieß The Electrifying MoJo, veranstaltete dort DJ-Wettbewerbe. Kid Rock und mein älterer Bruder traten gegeneinander an, wurden Kumpels, und irgendwann waren Kid Rock und ich beste Freunde. Ich hatte meinen ersten Plattenvertrag mit 15 Jahren, der ein Knebelvertrag war. Allerdings schuldete meine Plattenfirma Kid Rock noch Geld. Statt das Geld zu nehmen, presste Kid Rock mich aus meinem Vertrag frei. Ich spielte in seiner Band, wir schrieben Songs und tourten durch die Gegend. Es war eine sehr schöne Zeit. Doch als mein zweites Album herauskam, musste ich mich entscheiden: Solo-Karriere oder DJ von Kid Rock? Es war eine schwere Entscheidung. Doch ich habe sie nicht bereut.

teleschau: Kannst Du nochmal erzählen, warum Du Uncle Kracker heißt?

Uncle Kracker: Kracker war mein Spitzname in meiner Jugend. Als ich meinen Plattenvertrag erhielt, gab es schon eine Band mit dem Namen Kracker. Also mussten wir irgendwas davor oder dahinter setzen, und das wurde dann Uncle. Eine langweilige Geschichte.

teleschau: In der Tat. Im Internet hingegen kursiert ein ganz anderes Gerücht: Du seist mit einer Frau nach Hause gegangen und hättest die Nacht bei ihr verbracht. Am nächsten Morgen fragten ihre Kinder, wer du seist, und die Frau erklärte ihnen kurzerhand, du seist ihr Onkel.

Uncle Kracker: (lacht) Wie lustig!

teleschau: Und da ist wirklich nichts dran?

Uncle Kracker: Nein. Das ist wohl eine urbane Legende. (lacht)

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