Loveparade Unheilig-Sänger kritisiert mangelnde Anteilnahme

Düsseldorf. Der Sänger der Band Unheilig hat die mangelnde Anteilnahme der Verantwortlichen nach der Loveparade-Katastrophe im vergangenen Jahr kritisiert.
19.07.2011, 17:20
Lesedauer: 2 Min
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Düsseldorf. Der Sänger der Band Unheilig hat die mangelnde Anteilnahme der Verantwortlichen nach der Loveparade-Katastrophe im vergangenen Jahr kritisiert.

"Es geht gar nicht darum, herauszufinden, wer schuld war. Es geht einfach darum, eine Art Mitgefühl schnell auszudrücken. Selbst wenn man nur zusammen weint: Es ist wichtig, dem anderen zu zeigen, man ist nicht alleine", sagte "der Graf", der beim Gedenkkonzert für die Opfer am Sonntag in Duisburg auftreten wird. Am 24. Juli 2010 waren in einer Massenpanik am Rande der Loveparade 21 Menschen gestorben, hunderte wurden verletzt.

Zum Verhalten des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland, der erst kürzlich um Verzeihung gebeten hatte, sagte der Musiker: "Man kann von niemandem erwarten, dass er - nur weil er in einer solchen Position und das Gesicht der Sache ist - sagt: "Ich bin schuld." Man muss das ja erst mal aufarbeiten und sich genau erkundigen, was da passiert ist." Dennoch, die Anteilnahme habe schlicht gefehlt: "Gerade in den Anfängen war niemand da - glaube ich nach allem, was ich mitbekommen habe. Da stand mehr dieses ganze Chaos im Vordergrund", sagte der Sänger in einem dpa-Interview.

Das Unheilig-Lied "Geboren um zu leben" war zu einer inoffiziellen Trauerhymne der Opferangehörigen geworden. Ein Jahr nach dem Unglück tritt der Frontmann, der seinen vollen Namen nicht veröffentlichen will und sich nur "Graf" nennt, auf ihren Wunsch bei der Gedenkfeier im Duisburger Stadion auf.

"Ich habe das Lied damals geschrieben in Hommage an einen verstorbenen Freund", sagte Graf. "Wenn man das Lied hört, kommen wahrscheinlich bestimmte Emotionen, Bilder und Gedanken hoch." Sich dem zu stellen, sei gut für die Trauerbewältigung. Gerade weil die Geschehnisse bei der Duisburger Loveparade noch nicht aufgeklärt seien, halte er die gemeinsame Trauer bei der Gedenkfeier für wichtig.

Über die gegenseitigen Schuldzuweisungen nach dem Unglück meinte Graf: "Jeder versucht natürlich, seine Verantwortung ein bisschen wegzuschieben." Für die Angehörigen sei das belastend, weil sie ein Bedürfnis nach Aufklärung hätten. "Fehler machen wir alle, aber Fehler kann man eher verzeihen als Ungewissheit", sagte Graf.

Oberbürgermeister Sauerland steht seit der Katastrophe unter Beschuss - auch weil er einen Rücktritt als Konsequenz ausschloss. Derzeit sammeln Bürger Stimmen für die Abwahl des CDU-Politikers. Am Montag vor einer Woche hatte er bei einer Stadtratssitzung "moralische Verantwortung" für die Katastrophe eingeräumt. Auf Wunsch der Angehörigen wird die Gedenkfeier an diesem Sonntag nicht von der Stadt, sondern von der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und der Evangelischen Kirche im Rheinland organisiert. (dpa)

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