Nairobis Alltag an der Museumswand

Bremen. Ein großer bunter Bus zieht die Blicke in der ersten Etage des Übersee-Museums auf sich. Seine Scheinwerfer sind aus zerbrochenen Glasscheiben, am Armaturenbrett reihen sich ausrangierte Computerplatinen aneinander.
18.09.2013, 00:00
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Nairobis Alltag an der Museumswand
Von Kathrin Aldenhoff
Nairobis Alltag an der Museumswand

Kevin Irungu Karuga baut im Bremer Übersee-Museum eine Wandcollage auf. Gemeinsam mit vier anderen Künstlern aus Nairobi hat er mehrere Monate daran gearbeitet.FOTO: FRANK KOCH

Frank Thomas Koch

Bremen.

Ein großer bunter Bus zieht die Blicke in der ersten Etage des Übersee-Museums auf sich. Seine Scheinwerfer sind aus zerbrochenen Glasscheiben, am Armaturenbrett reihen sich ausrangierte Computerplatinen aneinander. Rostiges Metall und bunte Plastikteile sind mit groben Nägeln in das Kunstwerk gehauen. Der Matatu – so heißen die öffentlichen Kleinbusse in Nairobi – ist Teil der Wandcollage „Karibu Mtaa“, die zwei Künstler aus der kenianischen Hauptstadt

dieser Tage im Museum aufbauen. Das Kunstwerk, dessen Name übersetzt „Willkommen im Viertel“ bedeutet, ist Teil der neuen Afrika-Dauerausstellung des Übersee-Museums, die am 12. Oktober eröffnet wird.

„Wir wollen zeigen, wie Nairobi aussieht, wie verschieden seine Stadtteile sind“, sagt Otieno Gomba. Der 39 Jahre alte Künstler aus Nairobi zeigt auf den Bus und erklärt: „Der Stadtteil Eastlands ist die Heimat der Matatus – aufgepimpte öffentliche Kleinbusse, die mit lauter Musik durch die Straßen fahren.“ Die Westlands dagegen seien für die vielen Clubs und Bars bekannt. Auf einer aus Metallteilen zusammengestückelten Tür steht „24h“ und „Welcome“, daneben befindet sich eine echte Tür in der Wand. Dahinter soll noch ein Musikclub entstehen. Für das Kunstwerk zogen Gomba und vier andere Künstler aus dem Kollektiv „Maasai Mbili“ durch Nairobi und sammelten, was sie auf der Straße fanden. Aus Bierdosen, Auto- und Plastikteilen sowie Fotografien und Malereien entstand dann die Collage, die das Typische der Stadtviertel zeigen soll.

„Wir wollen damit das heutige Leben in einer Metropole präsentieren“, sagt Christian Jarling, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ausstellung arbeitet. Drei verschiedene Künstler aus Nairobi hätten sie um Entwürfe für die rund 70 Quadratmeter große Museumswand gebeten. „Diese Arbeit hat uns gleich sehr gut gefallen. Es zeigt Nairobi aus der Perspektive der Künstler, nicht aus wissenschaftlicher Sicht.“

Gomba sitzt auf einer Stehleiter und klebt mit Malerkrepp Linien an die türkisfarbene Wand, sein Kollege Kevin Irungu Karuga hat sich eine Klebebandrolle um das Handgelenk gesteckt und arbeitet an der anderen Seite der Wand. Die einzelnen Bilder sollen mit gelber Farbe verbunden werden, so wie die Matatus die Stadtviertel verbinden. Gomba stammt aus Kibera, einem Viertel mit vielen Slums. Auf der Collage präsentiert von kleinen Ständen, wo es geröstetes Fleisch und Bier zu kaufen gibt, und Friseurläden. „Das Viertel hat seine ganz eigene Schönheit“, sagt Gomba. „Für mich bedeutet es Heimat.“ Vor zwölf Jahren gründete er mit einem Künstlerkollegen das Kollektiv „Maasai Mbili“. „Wir wollten, dass aus diesem Stadtteil etwas Gutes kommt.“ Sie hätten schon in Dänemark, Deutschland und Schweden ausgestellt, erzählt Gomba. Aber es sei das erste Mal, dass sie solch eine große Arbeit extra für ein Museum anfertigten.

Ein Video gibt es unter www.weser-kurier.de/video

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