Neu im Stream: „Hollywood“

Neue Serie auf Netflix zeigt die Schattenseiten Hollywoods

Die neue Netflix-Miniserie „Hollywood“ erzählt davon, wie es hätte sein können, wenn die Mächtigen in Hollywood schon in den 1940er-Jahren damit angefangen hätten, auf mehr Diversität zu setzen.
09.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Neue Serie auf Netflix zeigt die Schattenseiten Hollywoods
Von Alexandra Knief
Neue Serie auf Netflix zeigt die Schattenseiten Hollywoods

Wollen groß herauskommen: Archie (links, Jeremy Pope), Raymond (Darren Criss) und Jack (David Corenswet) in "Hollywood".

Saeed Adyani/Netflix

Hollywood, Ende der 1940er-Jahre. Es ist eine Welt, in der alle Martini trinken. Zumindest die, die es geschafft haben. Für alle anderen ist es eine Welt, in der Kontakte, die richtige Hautfarbe, das Geschlecht und die sexuelle Gesinnung wichtiger sind als das Talent, das man als Schauspieler, Autor oder Regisseur mitbringt. Es ist eine Welt voller Ausbeutung, Rassismus, Homophobie und Sexismus. Eine Welt, die hinter ihrer auf Hochglanz polierten Fassade bröckelt und fault.

Dennoch versuchen unzählige junge Talente in dieser Welt Fuß zu fassen. Fünf von ihnen begleitet die Netflix-Miniserie „Hollywood“ auf ihrem Weg bis ganz nach oben. Gleichzeitig erzählt sie von der Produktion eines bahnbrechenden Films, den es in Wirklichkeit leider nie gegeben hat.

Der Traum von mehr Diversität

Die Serie zeigt auf, was hätte sein können, wenn die Filmbranche früher damit angefangen hätte, sich für mehr Diversität vor und hinter der Kamera einzusetzen. Neben reichlich was-wäre-wenn streuen die Serienmacher Ryan Murphy („Glee“, „American Horror Story“) und Ian Brennan auch die Namen echter Charaktere in ihre Geschichte ein (unter anderen Hattie McDaniel, die erste afroamerikanische Oscar-Preisträgerin) und zeigen so auf, dass alles in allem auch viel Wahrheit hinter ihrer oft plakativen und überspitzten Darstellung damaliger Machtstrukturen steckt.

Lesen Sie auch

Der junge Jack Castello (David Corenswet) ist gerade erst mit seiner Frau nach Los Angeles gekommen, um als Schauspieler groß rauszukommen. Das läuft anfangs alles andere als erfolgreich, sodass Jack anfängt, sich an der Tankstelle von Ernie (Dylan McDermott) etwas dazuzuverdienen. Ernies Tankstelle ist allerdings keine normale: Sie wird von Kunden besucht, die sich unter dem Codewort Dreamland sexuelle Dienste erkaufen. Glück für Jack: Hier lernt er unter anderem Avis Amberg (Patti LuPone) kennen, Frau des Inhabers der Ace Film-Studios. Sie hilft ihm, einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Die festgefahrenen Konventionen über den Haufen werfen

Archie Coleman (Jeremy Pope) will als Drehbuchautor durchstarten. Als homosexueller Schwarzer kein einfacher Traum. Hilfe bekommt er von Raymond Ainsley (Darren Criss), einem jungen Regisseur, der davon träumt, die festgefahrenen Konventionen in Hollywood über den Haufen zu werfen. Seine Freundin Camille Washington (Laura Harrier) hat es zwar schon vor die Kamera geschafft, als Schwarze heißt es für sie aber, wenn überhaupt: Neben- statt Hauptrolle.

Und dann wäre da noch Roy Fitzgerald (Jake Picking), ein naiver, aber gut aussehender Schauspieler, der an den schmierigen Agenten Henry Willson gerät, der seinen Klienten eine große Karriere verspricht – sofern sie ihm stillschweigend die von ihm verlangten sexuellen Gefälligkeiten erweisen. Willson – auch eine reale Figur – wird gespielt von Jim Parsons („The Big Bang Theory“) und gibt Fitzgerald gleich erst mal einen neuen, cooleren Namen, der denen, die mit der amerikanischen Filmgeschichte vertraut sind, auch bekannt vorkommen könnte: Rock Hudson.

Lesen Sie auch

Sie alle finden über Umwege zusammen und werden Teil eines Filmes, der mit allen Konventionen brechen soll. „Peg“ heißt die von Archie geschriebene Story, die die wahre Geschichte von Peg Entwistle ins Zentrum rückt, einer jungen Frau, die sich 1932 vom Hollywood-Sign in den Tod stürzte – wohl weil ihr nie der ganz große Durchbruch gelang.

Zu wenig Folgen

Wo andere Serien kein Ende finden können, leidet „Hollywood“ leider an dem gegenteiligen Problem: Murphy und Brennan wollen in nur sieben Folgen einfach viel zu viel erzählen. Das führt dazu, dass die einzelnen Figuren zu wenig Raum bekommen, um sich glaubwürdig zu entwickeln. Alles passiert ein bisschen zu schnell. Das ist schade, ändert aber nichts daran, dass „Hollywood“ – alleine schon wegen seiner leuchtenden Farben, tollen Kostüme und liebenswerten Figuren – durchaus sehenswert ist.

Bei der rechtzeitigen Synchronisation der Serie ist wie schon so häufig in letzter Zeit die Corona-Krise dazwischengekommen. Daher liegen die Folgen aktuell nur im englischen Original mit deutschen Untertiteln vor. Ob und wann die deutsche Synchronfassung noch nachgelegt wird, ist nicht bekannt.

Weitere Informationen

Hollywood. Miniserie mit sieben Folgen. Anbieter: Netflix.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+