Rebellion gegen das Rollenbild

Neu im Kino: „Die Frau des Nobelpreisträgers"

Regisseur Björn Runge erzählt in „Die Frau des Nobelpreisträgers" die Geschichte einer Frau, die ihrem Mann den Rücken freihält aber grundlegend mit dem Patriarchat abrechnet.
05.01.2019, 20:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Britta Schultejans
Neu im Kino: „Die Frau des Nobelpreisträgers"

Glenn Close (Mitte) brilliert als Joan Castleman, Ehefrau des Schriftsteller Joe Castleman (Jonathan Pryce). Als Joe den Nobelpreis für Literatur erhält, kommen die Probleme in ihrer Ehe immer stärker zum Vorschein.

SquareOne Entertainment /dpa

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihm den Rücken freihält. Aus dieser Redewendung hat der schwedische Regisseur Björn Runge einen Film gemacht. In „Die Frau des Nobelpreisträgers“ erzählt er die Geschichte von Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce), einem in die Jahre gekommenen Intellektuellen-Ehepaar.

Joe gilt als einer der bedeutendsten US-amerikanischen Gegenwartsliteraten und sonnt sich gerne – stets mit kokettierender Bescheidenheit – im Glanz der eigenen Bedeutung. Joan steht – stets mit dem Hauch eines Lächelns im Mundwinkel – gleichzeitig an seiner Seite und ein Stück hinter ihm.

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Der Film setzt ein am Morgen eines großen Schicksalstages. Anruf aus Stockholm. Joe Castleman bekommt den – aus seiner Sicht hochverdienten – Literaturnobelpreis. Zusammen mit Joan und dem gemeinsamen Sohn David (Max Irons, Sohn von Jeremy), der ebenfalls Schriftsteller-Ambitionen hat, reist er zur Preisübergabe nach Schweden.

Brüchige Fassade

In Rückblenden wird erzählt, wie alles begann. Sie: die talentierte Studentin. Er: ihr verheirateter Professor. Netter, filmischer Clou: Die junge Joan wird gespielt von Closes Tochter Annie Starke. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf und das Bild des späteren Vorzeige-Ehepaars bekommt nach 40 Jahren Risse. Dazu tragen auch die hartnäckigen Recherchen des Journalisten und Möchtegern-Biografen Nathaniel Bone (länger nicht gesehen: Christian Slater) bei, der einem Familiengeheimnis auf der Spur ist.

Dreh- und Angelpunkt des Films, der auf einem Roman von Meg Wolitzer beruht, ist ohne Frage Glenn Close, die sich auskennt mit den großen Dramen, die Beziehungen sein können. Unvergessen die legendäre Badewannen-Szene ihrer mörderischen Liebe zu Michael Douglas in „Eine verhängnisvolle Affäre“. Als große Intrigantin in „Gefährliche Liebschaften“ versuchte sie, John Malkovich in den Abgrund zu reißen.

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Ihre oscarverdächtige Darstellung der Joan ist nun – passend zum Ton des gesamten Films – ungleich leiser, aber mindestens ebenso packend. Mit feiner Ironie, pieksend wie Nadelstiche, rechnen Joan und der Film ab mit dem Klischee des erfolgreichen Mannes. Kleine Nuancen im Gesicht von Glenn Close, kleine Zuckungen im Mundwinkel, die zeigen, dass es hinter der ruhigen, fast stoischen Fassade zu brodeln beginnt; dass da eine Frau ist, die viel mehr ist als nur das charmante Anhängsel ihres Mannes und dass diese Frau ihren aufmerksamkeitsheischenden Mann und dessen Affären nur noch schwer ertragen kann.

Abrechnung mit dem Patriarchat

Nach und nach enthüllt der Film Fassade um Fassade, die das Ehepaar sich aufgebaut hat – bis nur noch der eigentliche Kern übrig bleibt und beide Protagonisten in einem völlig anderen Licht erscheinen. So gelingt eine zwar vordergründig leise, aber doch überaus grundlegende Abrechnung mit dem Patriarchat. Die überragende Close und Jonathan Pryce (jüngst als „Don Quixote“ in Terry Gilliams Opus Magnum zu sehen) in der Rolle des gefeierten Schriftstellers harmonieren großartig als ambivalentes Ehepaar zwischen zunehmender Entfremdung und ganz tiefer Verbundenheit und großer Liebe.

Die rührendste Szene des Films: Mitten im großen, final anmutenden Ehestreit ruft die gemeinsame Tochter an. Das Enkelkind ist da, gerade geboren. Joan und Joe sind zu Tränen gerührt, sinken sich glücklich in die Arme und sind sicher: „Besser wird es nicht.“

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