Da hilft nur noch Kameltherapie

Neu im Kino: "Die Goldfische"

Der Film „Die Goldfische“ mit Tom Schilling, Jella Haase und Axel Stein sticht positiv aus dem häufig oft nur mäßig komischen Angebot an deutschen Komödien hervor. Am 21. März läuft er in den Kinos an.
20.03.2019, 15:29
Lesedauer: 3 Min
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Neu im Kino:
Von Alexandra Knief

Nach einem schweren Autounfall ist der völlig von seiner Karriere besessene Portfoliomanager Oliver (Tom Schilling) querschnittsgelähmt. Das scheint ihm allerdings relativ egal zu sein, solange er möglichst schnell wieder seiner Arbeit nachgehen kann – die kann er schließlich auch im Sitzen machen. Auch während der Reha ist ihm sein Job weitaus wichtiger als das vorgeschriebene Training, das ihn auf ein Leben im Rollstuhl vorbereiten soll.

Dass er zwar obenrum Sakko und Krawatte trägt, unterm Tisch allerdings in Unterhose und Thrombosestrümpfen dasitzt, sehen seine Gesprächspartner am Laptop ja schließlich nicht. Alles würde gut laufen, wenn ihm nicht ständig seine Wlan-Verbindung abschmieren würde. Eine gute Verbindung (in mehrfachem Sinne) findet er in der benachbarten Behinderten-WG der „Goldfisch Gruppe“.

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Franzi (Luisa Wöllisch) hat das Downsyndrom, ihre Mitbewohner Rainer alias Rainman (Axel Stein) und Michi (Jan Henrik Stahlberg) sind Autisten und Magda (Birgit Minichmayr), die Vierte im Bunde, ist blind und hat ein Alkoholproblem. Betreut werden sie von der jungen Laura (Jella Haase) und ihrem verlotterten Kollegen, dem Heilerziehungspfleger Eddy (Kida Khodr Ramadan).

Trotz seines Unfalls und des mangelhaften Wlans scheint es mit Olivers beruflicher Laufbahn weiter bergauf zu gehen. Doch dann kommt ein Anruf von seiner Schweizer Bank, wo er einige nicht ganz legale, aber dafür prall gefüllte Schließfächer hat. Oliver wird klar: mit einer Anklage wegen Steuerhinterziehung war's das mit seiner Karriere.

Unauffälliger Schmuggel

Als er beobachtet, wie die blinde Magda im Supermarkt Whiskey klaut und aufgrund ihrer Behinderung an der Kasse trotz Alarm nicht einmal kontrolliert wird, kommt ihm eine Idee: Wenn er in einem Reisebus eines Rehazentrums über die Grenze fährt, der zudem noch voll ist mit Menschen mit Beeinträchtigung, wird ihn niemand anhalten und er kann sein Geld unbemerkt über die Grenze schmuggeln. Also lädt er die ganze Gruppe zu einer Kameltherapie in die Schweiz ein.

Dass Filme über Menschen mit Behinderung amüsant, gleichzeitig aber auch respektvoll und einfühlsam inszeniert werden können, haben in der Vergangenheit bereits Filme wie „Vincent will Meer“ gezeigt. Und auch „Die Goldfische“ schafft es, das Thema politisch korrekt, aber dennoch mit viel Humor anzugehen. Es ist das Langfilm-Regiedebüt des erst 33-jährigen Newcomers Alireza Golafshan. Er schrieb auch das Drehbuch.

Tom Schilling hat sich in den vergangenen Jahren nicht umsonst zu einem der gefragtesten deutschen Schauspieler entwickelt. Auch die Rolle des egozentrischen, schnöseligen, aber dennoch gutherzigen Oliver steht ihm gut. Und auch Jella Haase, die vor allem durch ihre Rolle der dusseligen Chantal in den „Fack ju Göhte“-Filmen bekannt geworden ist, beweist, dass sie mehr kann als platten Mainstream – auch wenn der Zuschauer sich trotz kompletter Typveränderung hin und wieder dabei erwischt, noch immer ein bisschen Chantal in Laura zu sehen.

Die Idee ist nicht von Grund auf neu

Die wahren Helden des Filmes sind aber die vier Goldfische Magda, Rainer, Michael und Franzi. Jan Henrik Stahlberg spricht in seiner Rolle als Michi kein einziges Wort und Luisa Wöllisch präsentiert Franzi als starke Frau, die trotz Downsyndrom ganz genau weiß, was sie will. Axel Stein ist als Rainman, den in stressigen Situationen nur das Lied „Self Control“ von Laura Branigan beruhigen kann, einfach nur liebenswürdig und Birgit Minichmayr sorgt als rotzig-grantige Magda, die auch nicht davor zurückschreckt, sich trotz fehlender Sehkraft hinters Steuer zu setzen, für die meisten Lacher im Film.

Deutsche Komödien sind wirklich oft alles andere als witzig. „Die Goldfische“ sticht hier allerdings positiv heraus. Gespickt mit ein paar erzählerischen Anleihen aus Filmen wie „Einer flog übers Kuckucksnest“, „Pretty Woman“, „Rain Man“ oder auch „Wo ist Fred?“, um ein deutsches Beispiel zu nennen, ist die Idee des Films nicht von Grund auf neu und natürlich sind auch hier einige Entwicklungen der Story früh vorherzusehen.

Zum Beispiel Olivers Einsicht, dass es noch mehr im Leben gibt als Geld und Karriere. Doch über kleine Schwächen kann man bei dieser gelungenen Komödie problemlos hinwegsehen. Denn „Die Goldfische“ ist vor allem eines: ein erfrischender Lichtblick auf dem Markt der häufig eher mittelmäßigen Humorbeiträge aus Deutschland.

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