Ausflug mit Überraschungen

Neu im Kino: „Die kanadische Reise“

„Die kanadische Reise“ ist ein liebenswürdiger Film über die Suche nach den eigenen Wurzeln. Die Geschichte mag zwar etwas durchschaubar sein, ein sehenswerter Film ist Philippe Liorets Werk aber dennoch.
12.12.2017, 20:22
Lesedauer: 2 Min
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Neu im Kino: „Die kanadische Reise“
Von Alexandra Knief
Neu im Kino: „Die kanadische Reise“

Geteiltes Leid: Durch den Tod von Jean hat Griesgram Pierre (links, Gabriel Arcand) seinen besten Freund und Mathieu (Pierre Deladonchamps) seinen leiblichen Vater verloren.

dpa

Es ist ein ziemlicher Schock für Mathieu: Seine Mutter hat immer ein großes Geheimnis daraus gemacht, wer sein leiblicher Vater ist. Jetzt, Jahre nach ihrem Tod, erhält er plötzlich einen Anruf aus Kanada. Es ist ein Mann namens Pierre, der ihm mitteilt, dass sein Vater Jean, den er nie kennengelernt hat, verstorben ist und er von ihm kurz zuvor beauftragt wurde, ihm in diesem Fall ein Paket zuzusenden. Als Mathieu erfährt, dass er auch noch Halbgeschwister hat, macht er sich kurzerhand selbst auf den Weg von Paris nach Kanada, um das Paket persönlich abzuholen und seine Brüder kennenzulernen. Pierre, der Freund seines verstorbenen Vaters, ist aber alles andere als begeistert davon: Denn weder die Söhne noch die Frau des Verstorbenen wissen von der heimlichen Liaison ihres Vaters/Ehemannes vor mehr als 30 Jahren und den unehelichen Sohn aus Frankreich.

Grundlage und Inspiration

„Die kanadische Reise“ („Le Fils de Jean“) behandelt die Themen Herkunft und Familie auf sehr ruhige und feinfühlige Art und Weise. Als Grundlage und Inspiration für den Film dienten die Familienromane des französischen Bestseller-Autors Jean-Paul Dubois, die der Regisseur und Drehbuchautor Philippe Lioret („Die Frau des Leuchtturmwärters“, „Welcome“) Jahre zuvor einmal gelesen hat, und die ihn seitdem, wie er selbst in einem Interview sagt, nicht mehr losgelassen haben. Viel übernommen hat er davon in seinen Film zwar nicht, die wichtigsten Grundpfeiler allerdings haben Film und Romanvorlagen gemeinsam.

In Kanada angekommen, verläuft Mathieus (Pierre Deladonchamps) Besuch nicht annähernd so, wie er ihn sich vorgestellt hat. Denn Pierre (Gabriel Arcand) will auf jeden Fall verhindern, dass der Gast seiner neugewonnenen Familie von seiner Existenz erzählt. Also nimmt er Mathieu erst einmal mit zu seiner eigenen Familie: seiner Frau Angie, der Tochter Bettina und ihren kleinen Zwillingen. Dort sieht Mathieu erste Fotos von seinem Vater, und irgendwann willigt Pierre unter Protest ein, ihm seine zwei Halbbrüder vorzustellen, aber nur unter Bedingung, dass er sich als Freund ausgibt und nichts von dem Verwandtschaftsverhältnis verrät.

Die vier Männer treffen sich an einem See. Der Anlass: Genau hier ist ihr Vater verschwunden. Er ist zum Fischen rausgefahren, später fand man nur sein leeres Boot auf dem See. Alle Suchaktionen waren bisher erfolglos. Also durchkämmt das Quartett das Gewässer – auf der Suche nach der Leiche, findet aber nur die gelbe Mütze des Verschwundenen (die später noch eine wichtige Rolle im Film einnimmt).

Mathieu sind seine Brüder so unsympathisch, dass er beschließt, noch vor dem Begräbnis seines Vaters am kommenden Tag abzureisen. Bevor es dazu kommt, warten allerdings noch einige Überraschungen auf ihn.

Die Suche nach den eigenen Wurzeln

„Die kanadische Reise“ ist ein liebenswürdiger Film über die Suche nach den eigenen Wurzeln. Hauptdarsteller Pierre Deladonchamps („Der Fremde am See“) wurde für seine Rolle als Mathieu sowohl für den César als auch für den Lumières Award in der Kategorie „Bester männlicher Schauspieler“ nominiert, und auch Gabriel Arcand stand beim César 2017 für seine Verkörperung des grummeligen Pierre auf der Nominiertenliste für den „Besten Nebendarsteller“. Zwar mag die Geschichte etwas durchschaubar und, bedenkt man die Umstände der ungeahnten Familienzusammenkunft, auffällig konfliktfrei sein, ein sehenswerter Film ist Liorets Werk dennoch.

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