Bremerhaven

Neue Ausstellung im Klimahaus

Bremerhaven. Ein Dinosaurier als Lockmittel: Die neueste Ausstellung des Klimahauses beleuchtet das Thema Artensterben und welche Tiere bedroht sind auf drei Etagen.
15.03.2013, 05:00
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Von Frank Miener
Neue Ausstellung im Klimahaus

Finn Hennings-Huep (8) aus Hamburg hat die neue Ausstellung im Klimahaus schon vor der Eröffung am Sonnabend gesehen.

, Joerg Volland

Bremerhaven. Ein Dinosaurier als Lockmittel: Die neueste Ausstellung des Klimahauses beleuchtet das Thema Artensterben und welche Tiere bedroht sind auf drei Etagen.

"Parasit". "Katastrophe". Lutz Fischer spart nicht mit drastischen Worten. Der Mensch sei eine Katastrophe für die Vielfalt des Lebens und Ursache für das insgesamt sechste Massensterben in der Geschichte des Planeten. Das sei gerade im Gange und in seiner Wucht mit nichts zu vergleichen. Die Ursache? Der Mensch.

Fischer hat sich eingehend mit dem aktuellen Artensterben beschäftigt, das seine Ursache im Klimawandel und der Industrialisierung haben soll. Er hat für das Klimahaus Bremerhaven eine neue Sonderausstellung konzipiert, die sich ab morgen mit der Thematik beschäftigt. "Kreaturen der Urzeit – Grenzen der Anpassung" lautet der Titel der Schau, die bis zum 3. November 50000 zusätzliche Besucher in das Erlebnismuseum locken soll. Prominentes Lockmittel sind dabei die Dinosaurier.

"Die Riesenechsen waren die Opfer des fünften Massensterbens", sagt Fischer, wobei das ungleich länger gedauert habe, nämlich Millionen Jahre. "Sie sind aber ein gutes Beispiel dafür, dass man sich nicht unbegrenzt an neue Situationen anpassen kann." Über drei Etagen begegnen die Besucher im früheren Ausstellungsbereich "Elemente" den Dinos als Replik und lebenden, bedrohten Tierarten als Mahnung. So sind viele Reptilien und Insekten zu sehen, die zwar nicht akut vor dem Aussterben stehen, aber bedroht sind.

Das habe dramatische Ausmaße angenommen, sagt Fischer. "Wir kennen zwei Millionen Arten, eine Million ist wissenschaftlich beschrieben", sagt Fischer. In früheren Jahrtausenden sei ab und an eine Art ausgestorben – bei geschätzten vier bis 20 Millionen Arten auf dem Planeten verschwindend wenig. Seit Einsetzen der Industrialisierung vor 300 Jahren war es schon eine Art in zehn Jahren, inzwischen sind es 100 pro Tag. Das thematisiere die Sonderausstellung, die 350000 Euro kostet. Finanziert hat sie die Betreibergesellschaft des Klimahauses. Deren Geschäftsführer unterstreicht die Bedeutung des Themas: "Es sterben 1000 Mal mehr Arten aus, als die Natur selbst verursachen würde", sagt Arne Dunker.

"Das Erhitzen der Atmosphäre, die Abrodung und Versiegelung von Boden sind die Hauptursachen", sagt Fischer. Diese seien alle vom Menschen verursacht. Beispiele fänden sich in der Reptilien- und Amphibienwelt en masse. So gebe es Schildkröten und Krokodile – direkte Nachkommen der Dinosaurier – die sich nur innerhalb eines bestimmtem Temperaturrahmens überhaupt fortpflanzen können. "Das bestimmt das Geschlecht der Tiere", sagt Biologe Fischer. So könne es sein, dass bei Schwankungen in einer Population nur männliche oder weibliche Tiere geboren werden. Bestimmte Arten der Feuersalamander, die in Afrika nur in Höhen ab 2000 Metern zu finden seien, wanderten bei steigenden Temperaturen noch höher, bis es nicht mehr gehe. "Deshalb kann sich das Leben nicht unbegrenzt an die Situation anpassen", sagen Fischer und Dunker.

Für das Klimahaus ist die Ausstellung eine Möglichkeit, die Besucherzahlen anzukurbeln. Zuletzt waren sie auf 550000 im Jahr gesunken, die Zielmarke lag bei etwa 600000 Gästen. "Wir müssen unser Angebot ausweiten", sagt Dunker. Nur den Klimawandel zu behandeln, reiche nicht aus. Es müsse jetzt um die Anpassung gehen, das seien die größeren Probleme.

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