Kulturpolitik Neue Chance für Hamburger Kultur

Hamburg. Eigentlich kann es nur besser werden - und das soll es auch. Der künftige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat einen Wechsel in der Kulturpolitik versprochen.
24.02.2011, 14:00
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Hamburg. Eigentlich kann es nur besser werden - und das soll es auch. Der künftige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat einen Wechsel in der Kulturpolitik versprochen.

Die Hoffnung der Künstler, Kreativen und Kulturschaffenden ist groß, denn die geschasste schwarz-grüne Regierung hatte es innerhalb kurzer Zeit geschafft, den Ruf der Hansestadt als Kulturmetropole zu riskieren. "Hamburg hat in der letzten Zeit im Kulturbereich hauptsächlich negative Schlagzeilen produziert", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, in Berlin.

Kommt jetzt der ersehnte Wandel? Kurz nach seinem Wahl-Triumph singt Scholz ein Loblied auf die Kultur, das aus dem Mund eines Politikers eher selten erklingt. "Bei der Kultur geht es eben um diejenigen, die sie machen", sagte der 52-Jährige im 3sat-Magazin "Kulturzeit". Es gehe um das Schöne, um den Widerspruch und auch um das Hässliche, mit dem man provoziere. Das sei wichtig für die Demokratie und die Freiheit in der Gesellschaft. Diese Vorstellung sei bei der Vorgängerregierung nicht genügend ausgeprägt gewesen, erklärt der künftige Rathaus-Chef. Und kündigt direkt an: "Das muss wieder anders werden."

Wen Scholz zum neuen Kultursenator ernennt, ist noch unklar. Diverse Namen - vor allem von Frauen - werden derzeit in den Medien gehandelt. Wahrscheinlich ist allerdings, dass er oder sie einen besseren Start hinlegen wird, als Vorgänger Reinhard Stuth. Im Spätsommer 2010 zum neuen Senator ernannt, avancierte der Fliegenträger innerhalb weniger Wochen zum Lieblingsfeind der Szene.

Ob Kürzungen am Schauspielhaus, die Schließung des Altonaer Museums oder Einschnitte bei den Bücherhallen. Das geplante Sparpaket von Noch-Bürgermeister Christoph Ahlhaus und Stuth (beide CDU) hatte für einen stürmischen Herbst weit über Hamburg hinaus gesorgt. Künstler gingen auf die Barrikaden - aus ganz Deutschland hagelte es Kritik. Der kreative Kulturkampf zeigte Wirkung: Kleinlaut wurden die Sparmaßnahmen gemindert.

Das Deutsche Schauspielhaus, das nach dem Rücktritt des Intendanten Friedrich Schirmer zusätzlich angeschlagen war, steht inzwischen besser da denn je. Die Zuschauerzahlen sind so gut wie lange nicht, statt Kürzungen gibt es jetzt sogar zusätzlich Geld. Und als künftige Chefin hat bereits die Kölner Erfolgs-Intendantin Karin Beier zugesagt. "Das hätte ich vor wenigen Wochen nicht zu träumen gewagt", sagt Interims-Intendant Jack Kurfess.

Und auch an den Museen soll vieles besser werden: "Einige Kulturinstitutionen sind wirklich unterfinanziert. Das gilt nach wie vor zum Beispiel für die Museen," erklärt Scholz weiter. Es sei nicht in Ordnung, das über hundert Jahre alte Altonaer Museum zu schließen, wie es der bisherige Senat geplant habe. "Das wird nicht passieren", verspricht der 52-Jährige. Für die Kulturinstitutionen müsse Verlässlichkeit geschaffen werden. "Das gilt nicht nur für die großen, sondern auch für die freien Künstler, all das, was wir an Off-Kultur, an freier Szene in der Stadt haben. Das ist ja ein Teil vom Ganzen, und zwar ein ziemlich wichtiger", sagt Scholz.

Ein Wandel in der Hamburger Kulturszene scheint dringend nötig. Zuletzt kehrten immer mehr Künstler wie etwa Maler Daniel Richter oder Musiker Marius Müller-Westernhagen der Hansestadt den Rücken. "Hier ist nichts mehr, alles ausgeblutet" sagte Musiker und Autor Rocko Schamoni jüngst im Berliner Szenemagazin "Tip". Auch er wolle sich in der Hauptstadt umsehen: "Ich langweile mich gerade in Hamburg. Und ich habe keine Lust der Letze zu sein, der hier Kultur macht." (dpa)

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