Hamburger Uni plant mit Naturkundemuseum „ein Jahrhundertprojekt“

Neue Heimat für Antje

Hamburg. Die Ausstellungsstücke liegen bereit, zehn bis zwölf Millionen an der Zahl. Und auch einen Namen hat das ehrgeizige Projekt bereits.
28.09.2016, 00:00
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Neue Heimat für Antje
Von Markus Lorenz
Neue Heimat für Antje

Ein norddeutsches Wahrzeichen: Das Walross Antje, über Jahre Maskottchen des NDR, soll ausgestopft ebenfalls seine Heimat im geplanten Naturkundemuseum „Evolutioneum“ finden.

Arvid Mentz, Uni Hamburg

Hamburg. Die Ausstellungsstücke liegen bereit, zehn bis zwölf Millionen an der Zahl. Und auch einen Namen hat das ehrgeizige Projekt bereits. „Evolutioneum“ möchte Matthias Glaubrecht Hamburgs neues großes Naturkundemuseum nennen – wenn es denn jemals kommt. Seit zwei Jahren kämpft der Direktor des Centrums für Naturkunde (Cenak) an der Uni Hamburg für einen repräsentativen Neubau, um die international bedeutenden zoologischen und mineralogischen Sammlungen wieder unter einem Dach zeigen zu können. „Ein Jahrhundertprojekt“ sei dies, sagt der Professor und Schneckenforscher.

Glaubrecht hofft, damit endlich ein Grundproblem zu lösen. „Zurzeit haben wir keine zentrale Unterbringungsmöglichkeit, um unsere Schätze zu präsentieren.“ Zu den Exponaten gehören unter anderem ein Doppelzähniger Narwal (Glaubrecht: „Unsere Mona Lisa der Naturkunde“), das Skelett eines Finnwals aus den 1950er-Jahren, Präparate aller Vogelarten Mitteleuropas, aber auch die ausgestopfte Antje, das berühmte NDR-Walross. Dazu gibt es allerlei bedeutende Fischarten aus dem Atlantik sowie Krebse aus der Antarktis, die es sonst in keinem Museum weltweit zu sehen gibt. Und: Hamburg besitzt die weltweit größte Regenwurmsammlung.

Bis 1943 kamen Interessierte in Scharen, um diese Kostbarkeiten in einem wuchtigen Museumsbau am Steintorwall zu bestaunen. Hätten alliierte Bomber das wilhelminische Gebäude am Hauptbahnhof nicht in Schutt und Asche gelegt, würde das Museum in diesen Wochen 125-jährigen Geburtstag feiern. Bei der Zerstörung gingen Teile der Sammlungen verloren, anderes dagegen überdauerte den Krieg und ist seither über drei Museen verstreut: das Zoologische, das Geologisch-Paläontologische und das Mineralogische Museum teilen sich die Preziosen.

Glaubrecht kam vor zwei Jahren eigens aus Berlin, um wiederzusammenzuführen, was zusammengehört. Die Universität gründete das Cenak und nahm damit die Wiedervereinigung organisatorisch vorweg. Das neue Museum plant Glaubrecht als ein „Haus der Vielfalt“ und mit einem „zeitgemäßen Crossover aus Natur und Gesellschaft“.

Doch ob sich jedoch der Traum vom Neubau in prominenter Lage erfüllt, ist weiterhin ungewiss. Noch ist der Senat skeptisch, vor allem mit Blick auf die finanziellen Belastungen. Die Wissenschaftsbehörde befürchtet hohe Betriebsdefizite, sollte die veranschlagte Besucherzahl von 500 000 pro Jahr nicht erreicht werden.

Der Senat entziehe sich seiner Verantwortung bei dieser „Riesenchance für Hamburg“, kritisieren Matthias Glaubrecht und Universitätspräsident Dieter Lenzen anlässlich des 125-Jährigen. Denkbare Standorte für das neue „Evolutioneum“ seien vorhanden, etwa am Baakenhöft in der Hafencity, aber auch am Alsterufer und nahe dem Campus.

Die Uni-Oberen drängen die Regierenden derweil zu einer schnellen Entscheidung, zumal sie ein passenden Termin für die Eröffnung schon im Visier haben: „Spätestens 2019 mit den Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Universität bieten sich die passenden Gelegenheiten für dieses Jahrhundertprojekt.“

„Unsere Mona Lisa der Naturkunde.“ Glaubrecht über den Doppelzähnigen Narwal
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