Der Sonntags-Krimi in der Kritik Neuer Schwarzwald-Tatort: Blut und Tränen

Die neue Episode aus dem Schwarzwald dreht sich um eine ehemalige Prostituierte, die auf ehemalige Freier trifft. Einer kommt zu Tode. „Ich hab im Traum geweinet“ bedient sich drastischer Bilder.
23.02.2020, 08:28
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Neuer Schwarzwald-Tatort: Blut und Tränen
Von Silke Hellwig

Jan Bonny mutet Zuschauern einiges zu. Das hat der Regisseur bereits in vorherigen TV-Krimis bewiesen. Auch in dem von ihm inszenierten „Tatort“ an diesem Sonntag (20.15 Uhr, ARD) mit dem poetischen Titel „Ich hab im Traum geweinet“ (Heinrich Heine) geht es um Sex und Gewalt, um Obsession, Einsamkeit und Verzweiflung. Weil Bonny es nicht bei zarten Andeutungen belässt, wurde die Folge aus dem Schwarzwald schon vor Ausstrahlung als die provokativste des „Tatort“-Jahres beschrieben, gemessen an der Menge Schweiß, Blut, Tränen und anderen Körperflüssigkeiten, die in 90 Minuten fließen.

Jan Eichbergs Drehbuch kreist um eine Frau und drei Männer. Einer dieser Männer wird erschlagen. Während sich seine Ehefrau einer Schönheitsoperation unterzieht, hatte er sich mit einer alten Bekannten getroffen – einer Krankenschwester (Darja Mahotkin), die früher als Prostituierte gearbeitet hat. Der Tote ist nicht der einzige Kunde, der aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist. Der Lebensgefährte der Krankenschwester, ein Arzt (Andrei Viorel Tacu), toleriert solche intimen Treffen angeblich.

Nicht allein dieser Mikrokosmos befindet sich im Ausnahmezustand. Die sogenannte Fasnet tobt im Schwarzwald, das bleibt nicht ohne Folgen: Die Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) kommen sich körperlich nah, beruflich sind sie sich uneins.

Die Episode kann nicht jedermanns Sache sein. Dazu ist sie zu laut, zu rabiat. Sie verlangt den Schauspielern alles ab, das verdient alle Ehren. Letztlich drängt sich jedoch die Frage auf, ob diese Derbheit und diese Direktheit nötig waren oder ob sie nicht vor allem dazu dienten, dass ein Regisseur seinem Ruf gerecht geworden ist.

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