Kritik von "Bam Bam"

Neues Seeed-Album: Der Knall bleibt aus

Nach sieben Jahren Pause melden sich Seeed mit Tour und neuem Album zurück. „Bam Bam“ heißt die neue Platte der zehn Berliner. Seeed sind ihren Stil treu geblieben. Aber es fehlt etwas.
04.10.2019, 12:33
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Neues Seeed-Album: Der Knall bleibt aus
Von Alexandra Knief
Neues Seeed-Album: Der Knall bleibt aus

Seeed-Frontman Peter Fox bei einem Festival 2016 in Berlin.

Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

„Universal Roller-Coaster-Flow / einfach so, einhundert Jahre / die Sonne kommt, es geht von vorne los / einfach so, so lang' ich atme“. Mit diesen Zeilen und dem Song „Ticket“ nahm die Berliner Band Seeed im April Abschiedvon ihrem im vergangenen Jahr überraschend im Alter von nur 46 Jahren verstorbenen Bandmitglied Demba Nabé (Boundzound). Das Lied ist eine melancholisch gefärbte Ode an das Leben, welches die Band als ein Geschenk besingt, ein sich lohnendes Geschenk, das man genießen sollte – egal, wie viel Zeit einem auf Erden gegönnt sein mag.

Gerade erst hatten Seeed ihr Comeback mit Tour und neuen Songs angekündigt, da kam die Schreckensnachricht zu Nabés Tod. Ob die restlichen zehn Bandmitglieder, darunter die beiden verbliebenen Sänger Frank Dellé und Pierre Baigorry alias Peter Fox dennoch als Seeed zurück auf die Bühne kehren würden, war eine Zeit lang unklar.

Letztes Album vor sieben Jahren

Doch dann gab die Band bekannt: Seeed bleibt bestehen, wir machen trotz allem weiter wie geplant. Die Tour startet am 11. Oktober in Frankfurt, das neue und mittlerweile fünfte Album „Bam Bam“ ist am Freitag erschienen. Darauf elf Songs, auf die Seeed-Fans lange warten mussten. Ganze sieben Jahre ist es her, dass die Band mit „Seeed“ ihr viertes Studioalbum veröffentlichte, welches sich 47 Wochen auf Platz eins der Charts hielt und Dreifachgold erreichte.

Drei der insgesamt elf neuen Songs hat die Band bereits herausgebracht: das erwähnte Lied „Ticket“, den fröhlich gestimmten Trennungssong „Lass sie gehn“ und zuletzt „G€ld“, mit dem Seeed humorvoll die Konsumgesellschaft auf die Schippe nimmt und sich mit Übergewicht und reichlich Schampus durchs dazugehörige Musikvideo tanzt.

Für vier Songs haben sich die zehn Berliner außerdem berühmte Verstärkung ins Boot geholt. Von Trettmann („Immer bei dir“), über Deichkind (Achtung, Ohrwurmpotenzial: „Lass das Licht an“), bis hin zur Rapperin Nura („Sie ist geladen“) und dem Sangespartner Salsa 359, dessen Dancehall-Dub-Reggae-Nummer „Love Courvoisier“ neben „G€ld“ zu den tanzbarsten Beiträgen des Albums gehört. „Komm in mein Haus“ ist eine ruhige Reggae-Nummer, in der es um Weltoffenheit, Vielfalt und friedliches Miteinander geht, „No More Drama“ handelt von Pechsträhnen und positivem Denken. In „What A Day“, der wohl überraschendsten und einzigen englischsprachigen Nummer des Albums, fährt die Band noch ein paar dramatische Streicher auf und schließt den Kreis des neuen Werks, das mit der Abschiedshymne für Demba beginnt und mit einem bereits vor seinem Tod von ihm eingesungenen Track endet.

Im Großen und Ganzen sind Seeed ihrem Stil treu geblieben, die Berliner haben allerdings ein wenig an Tempo verloren. „Bam Bam“, mit einem Album-Cover, das zehn verbundene Stangen Dynamit zeigt und eine Zündschnur, die bereits verdächtig Funken sprüht, hält nicht ganz, was es verspricht. Der große Knall bleibt aus, es fehlt der großartige Pauken- und Bläser-Wumms, dank dem Lieder wie „Dickes B“, „Dancehall Caballeros“, „Music Monks“, „Schwinger“ oder „Augenbling“ – um sich einmal quer durch die musikalische Bandhistorie zu arbeiten – auch nach dem hundertsten Hören direkt vom Ohr in die Beine gehen.

Seeed auf Sparflamme

Doch es bleibt wenig Zweifel, dass das, was beim ersten Abspielen vom Band noch wie Seeed auf Sparflamme klingt, live seine volle Wirkung entfaltet. Wer Glück hat, und eine Karte für eines der kommenden Konzerte ergattern konnte, kann dies schon sehr bald selbst herausfinden. Am 23. Oktober machen Seeed auch in der Bremer ÖVB-Arena Halt. Die Tickets waren allerdings wie in den meisten anderen Städten bereits nach wenigen Minuten ausverkauft, aufgeregte Fans ließen zeitweise sogar die Server der Ticketanbieter zusammenbrechen. Ein bisschen „Bam Bam“ sind Seeed eben immer noch.

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