Pakistans Version der US-Musical-Serie „Glee“ will Tabus brechen

UND FARRUKH AZEEMIslamabad.Hitzige Debatten stehen Pakistan bevor, sollten von September an die 26 ersten Episoden von „Taan“ im Fernsehen laufen. Die Musicalserie berührt kontroverse Themen wie Homosexualität, Extremismus und Intoleranz gegen Minderheiten.
27.08.2013, 00:00
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Von SAJJAD MALIK
Pakistans Version der US-Musical-Serie „Glee“ will Tabus brechen

Ein pakistanischer Schauspieler wird für eine Szene der pakistanischen TV-Serie „Taan“ in einem Fernsehstudio in Islamabad aufgenommen. FOTO: DPA

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UND FARRUKH AZEEM

Islamabad.

Hitzige Debatten stehen Pakistan bevor, sollten von September an die 26 ersten Episoden von „Taan“ im Fernsehen laufen. Die Musicalserie berührt kontroverse Themen wie Homosexualität, Extremismus und Intoleranz gegen Minderheiten. Ihr Name bedeutet „Note“ in der Nationalsprache Urdu. Gesungen wird viel – so wie in „Glee“, der Erfolgs-Musicalserie aus den USA, die als Inspiration diente. „Taan“ spielt an der fiktionalen Hayat Haveli Musikschule in Lahore. „So etwas wurde noch nie zuvor in Pakistan versucht“, sagt der Autor und Produzent der Serie, Nabeel Sarwar. „Zum ersten Mal haben wir Musik mit Schauspiel verheiratet.“ Es geht um Liebe, Loyalität und Rivalitäten. Moral und Moderne, Realismus und Idealismus werden abgewogen; und das in dem tiefkonservativen islamischen Land.

Ein Strang folgt einem Talibanrebellen, der zunächst einen Anschlag auf die Musikschule plant, sich dann aber in eine christliche Mitschülerin verliebt. Zart geknüpfte Bande werden auf die Probe gestellt, als sie von seinem extremistischen Hintergrund erfährt. Wie die pakistanischen Zuschauer auf solche Geschichten reagieren, ist abzuwarten. Momentan verhandeln die Produzenten mit mehreren Sendern über eine Ausstrahlung. Fernsehserien unterliegen in Pakistan keiner staatlichen Vorzensur, allerdings überprüft jeder Sender die Inhalte selbst auf Problematisches. Die Zensurbehörde kann öffentlich gezeigte Inhalte verbieten, wenn sie ihrer Meinung nach nicht den ethischen Richtlinien entsprechen. So wurde kürzlich die Ausstrahlung eines indischen Films verboten – eine Romanze zwischen einem Hindu und einer Muslimin.

In „Taan“ wird die Homosexualität eines Charakters angedeutet. Zuschauer könnten auch dies als Provokation auffassen. Nicht zum ersten Mal könnte dann Entrüstung in Gewalt umschlagen. Seit 2001 sind nach Angaben von Präsident Asif Ali Zardari mehr als 49000 Menschen bei extremistischen Gewalttaten gestorben.

Kritiker fürchten, dass „Taan“ Spannungen eher erzeugen könnte als sie zu lösen. „Ich glaube an die Meinungsfreiheit, aber wir sollten auf unser Umfeld achten, wenn wir etwas sagen oder zum Ausdruck bringen“, sagt der Kunstkritiker Jamal Shah. Das Produktionsteam gibt sich unbesorgt. „Wir haben keine Angst, da „Taan“ ein künstlerisches Erzeugnis ist und als solches gesehen werden sollte“, sagt Regisseur Samar Razar. Die ausgewählten Themen sollten im zeitgemäßen Zusammenhang gesehen werden.

Hauptstütze der Serie ist ihre Musik. Für 100 der Top-Hits aus Pakistan haben die Produzenten die Lizenzen erworben. Die Idee mit der Musik kommt von der US-Erfolgsserie „Glee“. Bei „Glee“ will sich ein Schulchor an die Spitze des Landeswettbewerbs singen; seine Sänger haben nebenbei mit der Gesellschaft und dem Erwachsenwerden zu kämpfen.

Auch wenn die Grundidee importiert sein mag, bringt „Taan“ eigene Geschichten und einheimische Musik mit. Auch folgt die Serie der pakistanischen Fernsehtradition, Unterhaltung mit Information zu kombinieren. „Taan“ sei für ihn auch der Versuch, „sich der wachsenden Verzweiflung und der „Nichts zu verlieren“-Haltung, die sich immer häufiger unter der pakistanischen Jugend breitmacht, entgegenzustellen“, sagt Autor und Produzent Sarwar. Die Serie biete eine hoffnungsvollere Botschaft: Dass das Leben, die Wünsche und Träume junger Leute eine Filmdarstellung wert sind.

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