Sonderausstellung im Focke-Museum zeigt die Tradition von Wallfahrten und ihre Entwicklung in der Moderne

Pilgern verbindet Weltreligionen

In allen fünf Weltreligionen gibt es die Tradition des Pilgerns. Die Reise zu den heiligen Stätten ihrer Religion wäscht Pilger von ihren Sünden rein und hilft ihnen, zu sich selbst zu finden. Eine Sonderausstellung im Focke-Museum zeigt die verschiedenen Rituale und die Entwicklung des Wallfahrens bis in die Moderne.
02.10.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Pilgern verbindet Weltreligionen
Von Kathrin Aldenhoff
Pilgern verbindet Weltreligionen

Der Islam ist die einzige Religion, in der eine Pilgerfahrt Pflicht ist. Jedoch nur für diejenigen, die es sich leisten können.

Muh. K. Nitschke

In allen fünf Weltreligionen gibt es die Tradition des Pilgerns. Die Reise zu den heiligen Stätten ihrer Religion wäscht Pilger von ihren Sünden rein und hilft ihnen, zu sich selbst zu finden. Eine Sonderausstellung im Focke-Museum zeigt die verschiedenen Rituale und die Entwicklung des Wallfahrens bis in die Moderne.

Früher war es die Religion, die Menschen zum Pilgern brachte. Heute ist es oft die Suche nach Spiritualität. „Das Pilgern ist ein Urbedürfnis der Menschen“, sagte Sylvia Hladky, die Leiterin des Verkehrszentrums des Deutschen Museums in München. Gemeinsam mit der Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen konzipierte das Verkehrszentrum die Wanderausstellung „Unterwegs fürs Seelenheil?! Pilgerreisen gestern und heute“, die vom 2. Oktober bis zum 23. Februar im Bremer Focke-Museum zu sehen ist. Die Ausstellung zeigt Parallelen und Unterschiede der Traditionen in Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus.

„Das Pilgern ist eine der ältesten und gleichzeitig aktuellsten Formen der Mobilität“, sagte Hladky. Im Islam und im Hinduismus gibt es Großereignisse wie den Hadsch nach Mekka oder die Kumbh Mela in Indien, das größte Pilgerfest der Welt. Dann sind Millionen Menschen gleichzeitig unterwegs, was hohe Anforderungen an die Infrastruktur vor Ort stellt. Bei der Kumbh Mela 2001 nahmen an einem Tag rund 32 Millionen Pilger ein rituelles Bad.

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Wallfahren im Christentum. Sie stellt die Entwicklung seit dem Tod Jesu Christi bis zur modernen Suche nach Sinn und Spiritualität dar. Im Mittelalter war das Pilgern nach Jerusalem, Rom oder zu anderen heiligen Stätten wie Santiago de Compostela eine Möglichkeit, Vergebung für seine Sünden zu erhalten. Diesen Aspekt des Pilgerns kritisierte Martin Luther, das Wallfahren an sich verbot er aber nicht. „Luther hat das Pilgern abgelehnt. Es ist aber eine Bewegung geworden, die sich unabhängig von den Konfessionen entwickelt hat“, sagte Pastorin Babette Flügger. Die Evangelische Kirche Bremen arbeitete für die Ausstellung mit dem Focke-Museum zusammen. „Die Kirche sieht es als ihre Aufgabe, Menschen bei dem Wunsch nach geistlichen Erfahrungen zu unterstützen“, sagte Flügger. Deshalb stehe auch die Evangelische Kirche dem Pilgern heute positiv gegenüber.

An der sogenannten Wand der Riten stehen viele kleine Fläschchen, darin heiliges Wasser aus dem Ganges, dem Jordan oder dem Manasarovar-See in Tibet. „Dem Wasser wird in allen Religionen eine bestimmte Kraft zugesprochen“, sagte Hladky. So ist es kaum verwunderlich, dass heiliges Wasser eines der beliebtesten Mitbringsel von einer Pilgerreise ist. Sei es im Fünf-Liter-Plastikkanister von der Zamzam-Quelle in Saudi-Arabien oder in einem kleinen verzierten Fläschchen aus dem bayerischen Altötting.

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