Tanz Bremen: Die französisch-algerische Compagnie La Baraka demonstriert unbändige Freude an der Bewegung

Poetischer Streetstyle mit Humor

Bremen. So derart gegen den Strich gebürstet hat man Maurice Ravels berühmten „Bolero“ noch nie gesehen. Junge Männer in Chinos und bunten Polohemden lassen sich auf das hypnotische Thema ein und probieren die Ausdrucksmöglichkeiten des tanzenden männlichen Körpers aus: Ravel als tönende Vorlage für Streetstyle-Improvisationen.
13.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Poetischer Streetstyle mit Humor
Von Iris Hetscher

So derart gegen den Strich gebürstet hat man Maurice Ravels berühmten „Bolero“ noch nie gesehen. Junge Männer in Chinos und bunten Polohemden lassen sich auf das hypnotische Thema ein und probieren die Ausdrucksmöglichkeiten des tanzenden männlichen Körpers aus: Ravel als tönende Vorlage für Streetstyle-Improvisationen.

So startete am Mittwochabend „Nya“ der algerisch-französischen Compagnie La Baraka/Ballet Contemporain d’Alger im erneut ausverkauften großen Haus des Theaters Bremen. „Nya“ ist das arabische Wort für Lebensmut, und davon war an diesem Abend viel zu sehen und zu spüren. Zunächst ist Straßenlärm zu hören, hie und da auch verzeinzelt eine Trommel – dann stimmt die Klarinette das verführerische Motiv an und katapultiert die Tänzer aus dem Alltag in eine andere Sphäre. Choreograf Abou Lagraa hat diesem knapp 20 Minuten dauernden ersten Teil keine stringente Choreografie beigegeben. Die Tänzer zeigen quasi, was sie so draufhaben, mal solo, mal in Zweier- oder Dreierformationen, mal alle neun gemeinsam. Kraftvoll sind ihre Bewegungen, hoch ist die Körperspannung und immer sind sie inspiriert von Hip-Hop, Breakdance und sogar Akrobatik, gemixt mit elegant verarbeiteten Modern-Dance-Elementen. Dabei wird die musikalische Struktur des „Bolero“ ignoriert: Weder das stetig anschwellende Crescendo noch der pulsierende Rhythmus spielen eine Rolle für die Interpretation, werden teilweise sogar konterkariert. Das ist durchaus irritierend und wirkt für sich allein genommen eher wie die auf die Bühne geholte Exercise-Demonstration einer Tanzklasse.

Ihren Sinn und ihre Wirkung entfaltet diese Einleitung, wenn man sie als Auftakt für den zweiten Teil sieht. Getanzt wird nun vor dem Digitalbild dreier Orientteppiche, und jetzt hat Lagraa dem Ganzen auch eine durchgängige Struktur beigegeben. Die Tänzer, nun einheitlich gekleidet, nähern sich dem Thema „Lebensmut“ in Sequenzen, die unterschiedliche Stimmungen symbolisieren: Mal messen drei Kerle übermütig ihre Kraft, dann wiederum sammeln sich alle neun zu Formationen, aus denen einer schelmisch ausschert. Es gibt poetische und beinahe meditative Soli, die mit einem spontanen Ausbruch turnerischer Kraft enden und Zweier- und Dreierkombinationen, die den ganzen Raum füllen mit magisch-tänzerischem Esprit. Auch so kann man arabische Gesänge und treibende Percussionstücke in Bewegung umsetzen.

Ganz oft spielt zudem Humor eine große Rolle bei dieser Truppe und sowieso immer die unbändige Lust, den titelgebenden Lebensmut von der Bühne an das Publikum weiterzugeben. Das bedankte sich für „Nya“ bei den Tänzern und ihrem Choreografen mit lang anhaltenden Standing Ovations.

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