Tatort-Kritik „Treibjagd“

Polizeihass und Bruderliebe

Im Tatort am 18. Novemer bekommt es das Ermittlerteam mit einer jungen Einbrecherin und nur scheinbar biederen Vorortbewohnern zu tun.
17.11.2018, 20:30
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Polizeihass und Bruderliebe
Von Alexandra Knief
Polizeihass und Bruderliebe

Kommissar Thorsten Falke mit seinem Sohn Torben.

Sandra Hoever /dpa

Eine Einbruchserie in einem Vorort beschäftigt die Hamburger „Tatort“-Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) in „Treibjagd“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD). Ein Verdächtiger ist mit dem jungen Kolya Daskalow zwar schnell gefunden, nachweisen kann man ihm aber nichts. Und so wird die Bevölkerung immer wütender, insbesondere auf die Polizei, gegen die im Online-Forum „Nachbarschaftswache Neugraben“ ordentlich gehetzt wird. Bis einer dieser Bürger die Sache selbst in die Hand nimmt: Als Dieter Kranzbühler (Jörg Pose) den Einbrecher auf frischer Tat in seinem Haus ertappt, erschießt er ihn kurzerhand.

Aus Notwehr, wie er und sein Bruder Bernd (Andreas Lust) sagen, denn der Eindringling habe eine Waffe gezückt. Diese entpuppt sich am Ende als Spielzeug – nicht das Einzige, was an dieser Geschichte nicht ganz echt ist. Denn Kranzbühler hat zwei Mal geschossen, ein zweiter Einbrecher, ein junges Mädchen, konnte entkommen, ist gleichzeitig die einzige Zeugin des Geschehens. Und so beginnt für die Ermittler ein Wettlauf gegen die Zeit, genauso wie gegen eine höllische Nachbarschaft.

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In diesem „Tatort“ sind nicht die Einbrecher die wahren Übeltäter, sondern ein paar Männer, die meinen, das Gesetz selbst in die Hand nehmen zu müssen. Das geht irgendwann sogar so weit, dass auch das Umfeld der Kommissare Falke und Grosz in Gefahr gerät.

Möhring poltert gewohnt unsensibel durch seinen Alltag, und es macht wie immer Spaß, ihm dabei zuzusehen. Der Fall (Regie: Samira Radsi; Buch: Florian Oeller, Benjamin Hessler) ist glaubwürdig, die Themen Internethetze, Bürgerwehren und Polizeimisstrauen ja leider heutzutage immer wieder traurige Realität. Daumen hoch für diesen „Tatort“.

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