Der Ripper von Rostock

„Polizeiruf 110“-Kritik: „Dunkler Zwilling“

Während die Rostocker Kommissare noch den Täter jagen, hat man als Zuschauer sehr bald eine drängende Ahnung. Ein trotzdem solider „Polizeiruf“, den einmal mehr sein sympathisches Ermittlerteam rettet.
05.10.2019, 21:14
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„Polizeiruf 110“-Kritik: „Dunkler Zwilling“
Von Katharina Frohne

Wären deutsche Städte auch nur halb so gefährlich, wie der allsonntägliche Krimi glauben macht, das Land wäre ein Schlachtfeld. In der vergangenen Woche hatte sich Stuttgart als Mekka der Teufelsanbeterszene herausgestellt, Anfang September hatte ein wahnsinniger Wissenschaftler an halb Ludwigshafen rumgeschnippelt. Und es wird nicht besser: In Rostock ist im neuen „Polizeiruf 110“ ein Serienmörder unterwegs. Eine verstümmelte Frauenleiche wird gefunden, wenig später eine zweite. „Der weiß genau, was er tut“, raunzt die kopfschmerzgeplagte Fallanalytikerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) ihrem Kollegen Alexander Bukow (Charly Hübner) zu – und behält, wie so oft, recht: Der Täter, das ergibt ein Blick in den Computer, mordet sich seit 15 Jahren mit unverkennbarer Handschrift quer durch die Region.

„Dunkler Zwilling“ (ARD, 20.15 Uhr) heißt dieser Krimi – eine Anspielung darauf, dass kaltblütige Killer eben leider selten daran zu erkennen sind, dass sie blutüberströmt und Messer wetzend durch die Gegend spazieren. Stattdessen, prognostiziert König, müsse man die Normalos ins Visier nehmen, Nachbarn, Ehemänner, Familienväter. Und schnell sind zwei dieser Sorte gefunden: der Unternehmer Frank Kern und der kreativ ambitionierte Jurastudent Jan Hansen, dessen seltsam verhuscht wirkende Frau den Beamten einbläut: „Er war's!“

Ob sie recht hat, darüber sind sich die Beamten lange uneinig. Als Zuschauer ermittelt man sich da bedeutend schneller ans Ziel – was dem Fall (Buch und Regie: Damir Lukacevic) auf halber Strecke die Spannung nimmt. Dass man trotzdem durchhält, ist einem der sympathischsten Ermittlerpaare des Formats zu verdanken. „Sie riechen gut“, sagt König an einer Stelle schon sehr viel sanfter zu Bukow. Und er brummt: „Schnaps und Schweiß.“

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