Der Bremer Videokunst-Förderpreis wird in der Städtischen Galerie an Stefan Panhans und Julian Öffler vergeben

Pop-Ästhetik und eine Reise ins Ungewisse

Eine Reise ins Ungewisse nach Kiew und ein inszeniertes, visuelles Spektakel um Fitnessgeräte, das sind die Schwerpunkte in den Arbeiten der diesjährigen Bremer Videokunstpreisträger. Die Städtische Galerie zeigt eine Ausstellung.
28.11.2014, 00:00
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Pop-Ästhetik und eine Reise ins Ungewisse
Von Uwe Dammann

Eine Reise ins Ungewisse nach Kiew und ein inszeniertes, visuelles Spektakel um Fitnessgeräte, das sind die Schwerpunkte in den Arbeiten der diesjährigen Bremer Videokunstpreisträger. Die Städtische Galerie zeigt eine Ausstellung.

Gezeigt wird in dem Film auf Großbildleinwand in der Städtischen Galerie ein menschenleeres Fitnessstudio. Die Kamera schwankt bei der Aufnahme beachtlich und die Sportgeräte werden von einer computergesteuerten Event Light Show ins Licht gesetzt und wirken ein wenig wie Folterinstrumente. Das Ganze ist von einem ohrenbetäubenden und dramatischen Geräuschpegel umtost, der sich aus Musik aus Comic- oder Spielfilmen zusammensetzt. Die Gesamtsituation in dem abgedunkelten Raum ist für den Betrachter spannend, aber auch beklemmend. „Noch ein Sportstück“, heißt der Film, den der Hamburger Künstler Stefan Panhans erstellt hat und für den er den mit 5000 Euro dotierten Bremer Videokunst-Förderpreis erhält. Grelle Pop-Ästhetik sowie die zeitgenössische Freizeit- und Konsumwelt, in der der Mensch auch dann noch dem Leistungs- und Effizienzgedanken unterworfen wird, gehen hier eine Symbiose ein, die einen eigenen Kunstraum schafft.

Der zweite Preis geht an den Bremer Künstler Julian Öffler, der noch an der HfK studiert. Die gefilmte Reise nach Kiew, die Öffler selbst als stummen Protagonisten zeigt, führt ihn zu einem aktuellen politischen Brennpunkt im Osten Europas. Bei der Reise wird er von einer Stimme aus dem Off mit Fragen bombardiert. Ziel ist das ukrainische Nationalmuseum, unweit des Maidan gelegen, wo der öffentliche Protest gegen das Regime seinen bisherigen Höhepunkt fand. Der Film, der von den langen Einstellungen und der starren Mimik des Protagonisten dominiert wird, zeigt die Reise ins Ungewisse vor dem Hintergrund einer bedrückenden Schauerkulisse. Zu sehen sind die Arbeiten der Preisträger zurzeit in der Städtischen Galerie. Der Videokunst-Förderpreis ist eine Auszeichnung, die vom Filmbüro Bremen in wechselnden Kooperationen vergeben wird. Finanziell gefördert wird er von der Landesmedienanstalt, dem Kultursenator und dem Künstlerinnenverband. „In diesem Jahr gab es rund 200 Bewerbungen“, sagt Klaus Becker vom Filmbüro. Der Preis sei bereits in der Vergangenheit für viele Künstler, die heute international Anerkennung finden, ein ideales Sprungbrett gewesen. Die Arbeiten der Preisträger sind zunächst lediglich als schriftliches Konzept eingereicht und erst anschließend visuell umgesetzt worden. „Das ist ein großer Vertrauensvorschuss für die Künstler“, so Rose Pfister, Direktorin der Städtischen Galerie. Dieses Vertrauen wurde zweifellos belohnt. Die Videos sind nicht nur visuell und akustisch gut umgesetzt, sondern lassen Raum für eine politische, kritische Interpretation. Kuratiert hat die Ausstellung Ingmar Lähnemann von der Städtischen Galerie, gemeinsam mit dem Filmbüro Bremen.

Beide Förderpreisträger zeigen obendrein eine Art „Werkschau“. Zu sehen ist Julian Öfflers „political artwork“ auf gleich 20 Kanälen in einem eigenen Raum. Stefan Panhans zeigt eine Fotoserie aus möglichen Filmrequisiten.

Die Ausstellung der Videokunst-Förderpreis-Träger ist vom 30. November bis 25. Januar in der Städtischen Galerie, Buntentorsteinweg 112 zu sehen. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr, Montag geschlossen.

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