Im Touristen-Bus durch Los Angeles – vorbei an Lindsay Lohans Lieblingsbar und Michael Jacksons Schule Promi-Safari garniert mit Star-Klatsch

Empire State Building, Freiheitsstatue oder Hollywood? Stadtführungen nur zu steinernen Sehenswürdigkeiten waren gestern. In New York und Los Angeles fahren Touristen jetzt per Bus den Star-Klatsch ab – rechts Lindsay Lohans Lieblingsbar, links lernte Michael Jackson.
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Von Christina Horsten

Empire State Building, Freiheitsstatue oder Hollywood? Stadtführungen nur zu steinernen Sehenswürdigkeiten waren gestern. In New York und Los Angeles fahren Touristen jetzt per Bus den Star-Klatsch ab – rechts Lindsay Lohans Lieblingsbar, links lernte Michael Jackson.

„Na, welchen Promi wollt ihr sehen?“, schreit ein Reiseführer mit schwarzem T-Shirt und glitzernder Uhr am Handgelenk ins Mikrofon. „Justin Bieber“, ruft einer der 25 Tour-Teilnehmer zurück. „Chris Brown“, ein anderer. Währenddessen biegt der knallrote Bus langsam auf den Hollywood Boulevard in Los Angeles ein. „Dann schauen wir mal, ob wir Glück haben“, sagt Reiseführer Van.

Und dann legt der 32-Jährige sofort los. „Da drüben seht ihr das Roosevelt Hotel. Da hängt Lindsay Lohan gerne ab und Avril Lavigne wurde davor zusammengeschlagen. Ach ja – und John F. Kennedy und Marilyn Monroe haben sich da immer heimlich getroffen, aber das war ja schon in der Steinzeit.“ Direkt danach zeigt Van den Ort, wo ein junger Brad Pitt als Huhn verkleidet für eine Fast-Food-Kette warb, die Gardner Street-Grundschule, auf die Michael Jackson ging, und die Straßenecke, an der Hugh Grant mit einer Prostituierten erwischt wurde.

Van arbeitet eigentlich für das vor rund zehn Jahren gestartete Promi-Portal „TMZ.com“, seit rund drei Jahren aber auch für dessen Tourbus-Service. Die Abkürzung „TMZ“ steht für „Thirty Mile Zone“ (30-Meilen-Zone), eine historische Promi-Gegend rund um die Studios von Hollywood. Das Portal, das in den USA auch eine Fernsehshow produziert, gilt als extrem erfolgreich und bestens informiert, wenn es um Stars und Sternchen geht. So berichtete die Webseite 2009 als erste vom Tod von Michael Jackson. „Das war unser großer Moment“, sagt Van. Das It-Girl Kim Kardashian wurde unter anderem auch durch nichtendenwollende Berichterstattung über sie bei „TMZ.com“ berühmt.

Seit 2011 bringt das Promi-Portal sein Wissen auf die Straße und verkauft es als „Show auf Rädern“. Erst in Los Angeles, seit dem vergangenen Jahr auch in New York. Bis zu zehn zweistündige Promi-Safaris stehen pro Tag im Angebot. Ein Ticket kostet rund 60 Dollar (etwa 48 Euro). Tausende Menschen buchen die Ausflüge nach Angaben des Unternehmens jeden Monat. „TMZ.com“ hat das Genre der Touristen-Touren auf Klatsch und Tratsch ausgeweitet und sich mit seinem bekannten Namen laut und aggressiv in den Markt gedrängt. „Wir sind wegen einer Hochzeit in der Stadt und wollten mal eine ganz andere Tour machen“, sagt ein Teilnehmer. „Und es macht wirklich Spaß.“

Reiseleiter Van gibt unterdessen ein Versprechen ab: „Wenn einer von euch einen Star sieht, werde ich sofort rausgehen und ihn interviewen und dann kommt das in die Show. Und natürlich bekommt derjenige von euch ein TMZ-T-Shirt.“

Der knallrote und an den Seiten offene Bus fährt vorbei an einem Stripclub, wo Demi Moore trainiert und Courtney Love gearbeitet haben soll, am Fitness-Studio von Steven Tyler, am „Viper Room“, vor dem River Phoenix starb, und an der Bar „Saddle Ranch“, wo Jennifer Lopez und David Beckham angeblich gerne ihre Zeit verbringen und „Limp Bizkit“-Sänger Fred Durst einmal 2000 Dollar Trinkgeld gegeben haben soll. „Und hier ist das ,House of Blues’“, schreit Van in sein Mikrofon. „Britney Spears hat hier ihren Comeback-Auftritt gegeben. Glückwunsch zum Comeback übrigens, Britney, wir können es gar nicht abwarten, zu sehen, wie du das wieder vermasseln wirst.“ Prominente, bei denen irgendetwas schiefläuft, sind für „TMZ.com“ am allerbesten, denn so etwas treibt die Klickzahlen nach oben.

Aber die Beziehung zu den Stars beruhe auf Gegenseitigkeit, verteidigt sich Van. „Einige von ihnen brauchen uns für die Aufmerksamkeit noch mehr als wir sie brauchen.“ Nur deswegen zeigten sich viele auch in den immer selben Läden und Bars im Zentrum von Los Angeles – genau da, wo der knallrote Bus vorbeifährt. Das Haus von Halle Berry rauscht vorbei und der Alkohol-Laden, in den sie einmal frontal mit ihrem Auto hereingefahren sein soll. Dann das Hotel „Four Seasons“ in Beverly Hills, wo Paris Hilton ein Sex-Video aufgenommen haben soll, das Kaufhaus, wo Winona Ryder einmal Klamotten stahl und das Cedars Sinai-Krankenhaus, wo Julia Roberts, Catherine Zeta-Jones und Jessica Simpson Nachwuchs bekamen, Britney Spears psychologisch untersucht wurde, und Frank Sinatra und Elizabeth Taylor starben. „Und da hinten ist der Playhouse-Nightclub, da feiert Rihanna am liebsten“, schreit Van. Gleich darauf folgt eine weitere für „TMZ.com“ durchaus bedeutende Sehenswürdigkeit: Das Gerichtsgebäude von Beverly Hills. „Ich nenne es immer das Ferienhaus von Lindsay Lohan“, witzelt Van. Neben Lohan mussten unter anderem auch schon Zsa Zsa Gabor, Courtney Love und Winona Ryder hier antreten.

Der knallrote Bus steuert langsam wieder den grauen Parkplatz hinter dem TLC Chinese Theater am Hollywood Boulevard an, wo die Touren anfangen und zu Ende gehen. Heute muss die Tour ohne echten Star zu Ende gehen. Richtige Filmstars habe er auf der Tour bislang selten gesehen, gesteht Van am Rande ein. „Aber dafür schon dreimal David Beckham. Und viele Stars aus Reality-Shows.“ Ältere Promis würden seine meist jüngeren Tour-Teilnehmer ja oft auch gar nicht mehr erkennen, sagt Van. „Einmal sind wir zum Beispiel an Harrison Ford vorbeigefahren, der gerade getankt hat. Den mussten alle erst mal googeln.“

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