In London beginnt die berühmteste Gartenschau der Welt Queen im Blumenmeer

London. Es ist alles sehr britisch, nur das Wetter hält sich bislang nicht daran. Die Sonne scheint seit Tagen.
25.05.2016, 00:00
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London. Es ist alles sehr britisch, nur das Wetter hält sich bislang nicht daran. Die Sonne scheint seit Tagen. Was die Gärtner natürlich freut, und im Grunde stehen sie und ihre Werke bei der Chelsea Flower Show, der berühmtesten Gartenschau der Welt, ja auch im Mittelpunkt. Manchmal aber gehen die perfekten Designergärten etwas im Prominentenreigen unter, denn nicht nur die besten Gärtner und größten Blumenfans pilgern in die britische Hauptstadt. Die Schau bildet auch den Auftakt der gesellschaftlichen Saison, sie ist ein Pflichttermin für Adlige und Promis auf der Insel. Also setzt sich die Oberschicht ihre Hüte auf, schmeißt sich in die besten Kleider und posiert auf Stöckelschuhen in Rosenstöcken und inmitten von Rhododendronbüschen, der Blumenstrauß in der Hand ist natürlich ein Pflicht-Accessoire.

Auch Königin Elizabeth II. besuchte Anfang dieser Woche die Traditions-Show, die seit 1913 im Londoner Nobelstadtteil Chelsea veranstaltet wird. Die Monarchin selbst hat erklärtermaßen ein großes Interesse an dem britischen Volkshobby und noch mehr ihr Sohn, Prinz Charles, der von seiner Mutter vor einigen Jahren sogar eine Ehrenmedaille für nachhaltiges Gärtnern verliehen bekommen hat. Der Thronfolger ist so etwas wie der Obergärtner der Nation. Die Queen zeigte am Montag sogar ein wenig schwarzen Humor im Gespräch mit einer Kräutergärtnerin, die erklärte, wie Maiglöckchen früher auch als Gift benutzt wurden. Die Monarchin meinte daraufhin, sie habe diese Woche zwei Sträuße davon bekommen. „Vielleicht wollen sie mich tot“, scherzte Eli­zabeth II., die erst vor wenigen Wochen ihren 90. Geburtstag feierte. Prinz William und Herzogin Catherine schauten ebenfalls vorbei, wobei Kate in ihrem grünen Kleid fast im englischen Rasen unterging. Ihre beiden Kinder brachten sie nicht mit zur weltberühmten Schau, die noch bis zum 28. Mai andauert. Dabei wurde Prinzessin Charlotte eine besondere Ehre zuteil. Die Rossano-Charlotte-Chrysantheme wurde nach der einjährigen Tochter benannt.

Dieses Jahr ging es viel um Glück und Gesundheit und welche Rolle die Natur dabei spielt. Der Garten, der die Jury für den Preis des besten Show-Gartens am meisten überzeugt hat, ist dagegen hochdramatisch. Designer Andy Sturgeon ließ sich von der Gewalt geologischer Ereignisse inspirieren, die unsere Landschaft über Millionen von Jahre geformt haben. Gärten, so die Botschaft, müssen sich ihrer Umgebung und auch dem Klimawandel anpassen.

Die Chelsea Flower Show ist der Höhepunkt des Frühjahrs im Mutterland aller Gärten, wenn die grünen Daumen der Briten ganz aufgeregt werden ob der sprießenden Natur. Auf der Insel ist alles, was mit Gärten und Gärtnern zu tun hat, eine Lebenskultur. Egal, ob auf einer privaten Dachterrasse, in einem winzigen Vorgarten oder einem öffentlichen Park, die Briten leben für ihre Grünflächen, manche sprechen von wahrer Besessenheit. Am Rande der Gartenkunst gibt es Champagner und Pimm‘s, Fish ’n‘ Chips und Hühnchen. Das Angebot ist so breit wie die Besucherschicht, von denen die einen in edlen Polstersesseln eine Pause einlegen, während die anderen auf Plastikstühlen hocken.

Eine Installation überwältigt gleich am Eingang die Besucher, dabei besteht sie nicht aus wilden, echten Blumen, sondern aus künstlichen. Vor dem Royal Hospital Chelsea symbolisieren rund 300 000 gehäkelte Mohnblumen blutgetränkte Erde. Im englischsprachigen Raum werden die „Poppies“, wie sie genannt werden, als Symbol des Gedenkens an Kriegsopfer verwendet. Sie wuchsen auf den Schlachtfeldern in Flandern und Nordfrankreich. Hinter der Installation steckt der Landschaftsdesigner Phillip Johnson, der 2013 als Gewinner des besten Show-Gartens ausgezeichnet wurde.

Rhododendron-Park Um schöne Blumen zu sehen, muss man nicht ex­tra nach London reisen – schließlich gibt’s in Bremen den Botanischen Garten mit einer der größten Rhododendron-Sammlungen der Welt. Auf dem 46 Hektar großen Gelände zwischen Marcusallee, Deliusweg und Horner Heerstraße blühen 600 Arten und mehr als 3000 Züchtungen. Der Park ist täglich von 7 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet.
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