Viele Gäste tauchen am Tag des offenen Denkmals in die bewegte Vergangenheit von Gut Hohehorst ein Reise durch die Geschichte

Bremen-Nord. Schon am Morgen einsetzender Dauerregen ließ befürchten, dass die Resonanz für den Offenen Denkmaltag auf Gut Hohehorst hinter den Erwartungen bleiben würde. Jedoch ab Mittag wurde das Anwesen durch Besucher geradezu geflutet.
22.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Schon am Morgen einsetzender Dauerregen ließ befürchten, dass die Resonanz für den Offenen Denkmaltag auf Gut Hohehorst hinter den Erwartungen bleiben würde. Jedoch ab Mittag wurde das Anwesen durch Besucher geradezu geflutet.

Aufgrund des Wetters kamen die meisten mit dem Auto. Die zahlreichen Parkflächen auf dem Hohehorst-Gelände waren schnell belegt, sodass sich auf der Hauptstraße (K1) beidseitig die Fahrzeuge aneinander reihten. Es zahlte sich aus, dass der Landkreis aus Sicherheitsgründen hier die Geschwindigkeit während der Veranstaltung auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert hatte.

Führung durch das Anwesen

Wegen des Besucherandrangs war Hans-Werner Liebig ein gefragter Ansprechpartner, der jahrelang das Hohehorst-Archiv aufgebaut hat und auch betreut. Die schon früh ausgebuchte Führung hatte deshalb der Ehrenvorsitzende der Dorfgemeinschaft, Karl Böhland, übernommen und die Gäste beim Gang durch das Außengelände und das Herrenhaus mit Informationen versorgt. Wegen des langjährigen Dornröschenschlafes bei politischen Aktivitäten und in der öffentlichen Wahrnehmung über die Ereignisse auf diesem national-historischen Anwesen wurden immer wieder Details erfragt, über die einstige Bedeutung für die Region und die Menschen durch dieses ehemalige Gut der Familie Lahusen (mit Ländereien von Löhnhorst bis nach Garlstedt).

Kasino der US-Army

Die weiteren Interessenfelder waren die Weltwirtschaftskrise 1929, die Bankenkrise und Insolvenz 1931 von Lahusens Gesamtbesitzungen mit der Nordwolle.

Besonders jüngere Besucher interessierten sich am Tag des offenen Denkmals für die Zeit von 1937 bis 1945, als Heinrich Himmlers SS-Verein Lebensborn hier in der Anonymität ein Entbindungsheim zur Förderung des arischen Nachwuchses nach den NS-Rassekriterien unterhielt. Andere ältere Besucher konnten sich noch gut an die Verwendung von Hohehorst als Kasino für die US-Army und die Nachkriegsnutzungen als Krankenhaus durch verschiedene Träger erinnern.

Immer wieder tauchen auch neue Zeitzeugen auf, die auf Hohehorst tätig waren und neben Informationen auch Fotos beitragen können. Dazu gehörte an diesem Tag des offenen Denkmals auch eine 90-jährige Dame aus Blumenthal, die 1940 hier bei Lebensborn als 17-jähriges junges Mädchen ihr Pflichtdienstjahr als Vorschülerin ableisten musste und noch viele Detail-Kenntnisse parat hatte.

Nach dem Krieg in der US-Army-Zeit betätigte sie sich in der Hohehorst-Gärtnerei. Ganz besonders erfreut war Liebig über den Besuch des ehemaligen Krankenpflegers Sven Burka aus der Männerstation des Alterskrankenhauses von 1958 bis 1962.

Liebig hatte in der Vergangenheit bereits viele Fotos von Burka erhalten, jedoch konnte der Gast aus Bremen-Stadt wegen einer Bindung an den Rollstuhl nie selbst in Hohehorst erscheinen. Um dieses zu ermöglichen, waren extra seine Söhne aus Hildesheim angereist, um mit dem Vater an den alten Arbeits- und Wohnort zu kommen. Die Familie wohnte in der Eigentümerzeit der Bremer Heimstiftung im ehemaligen Gutsinspektor-Haus. Die Söhne konnten sich noch an die wunderschöne Hohehorst-Kindheit mit herrlichem Park und Badeteich erinnern.

Über die Plattform des nicht mehr vorhandenen Badehauses sind sie regelmäßig baden gegangen und haben hier auch das Schwimmen gelernt. Wie in besseren Zeiten des Gutsbesitzers Lahusen, fuhren an diesem Tag trotz Regen auch Kutschen vor.

Der Kutscher Alfred Hedeler ließ es sich nicht nehmen, den Hohehorst-Archivar Hans-Werner Liebig einmal durchs Tor zu kutschieren, um ihm das Gefühl eines Gutsherrn zu vermitteln, wie in vergangenen Zeiten, als das herrschaftliche Anwesen noch mit Pferdegespannen befahren wurde. Auch unter den vielen Besuchern gab es genügend Gesprächsstoff über die diversen Epochen dieses geschichtsträchtigen Anwesens.

Viele Filmvorführungen

Unter den Besuchern war auch der Landratskandidat für den Landkreis Osterholz, Marcus Oberstedt, der sich ausreichend Zeit zur Information über dieses national-historische Anwesen im heutigen Bremer Besitz nahm. Der 90-minütige Film über die Historie von Hohehorst lief im Dauereinsatz mittels Beamer und Großleinwand und weckte immer wieder neues Interesse bei den Gästen.

Der Ortsrat Löhnhorst und der Schwaneweder Planungsausschuss tagen am Donnerstag, 26. September, gemeinsam. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus. Einziger Punkt auf der Tagesordnung: die Nachnutzung des Geländes von Gut Hohehorst. Bekanntlich wird das Drogentherapie-Zentrum als derzeitiger Nutzer im kommenden Jahr ausziehen. Zur Sitzung werden Vertreter von Immobilien Bremen erwartet, die die Liegenschaft für das Land Bremen als Eigentümerin verwaltet.

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