Siedlergemeinschaft Aumund 1 im Vegesacker Geschichtenhaus Reise in die Vergangenheit

Bremen-Nord. Der Amtmann ist wieder einmal nicht in seiner Amtsstube – da muss halt seine Haushälterin Luise Müller den Besuchern davon erzählen, was alles so im Jahr 1845 im Hafen Vegesack passiert. Die Geschichtskreisgruppe der Siedlergemeinschaft Aumund 1 hatte sich auf den Weg gemacht, um zu erfahren, wie sich das Leben in alten Zeiten abgespielt hat.
09.07.2017, 00:00
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Bremen-Nord. Der Amtmann ist wieder einmal nicht in seiner Amtsstube – da muss halt seine Haushälterin Luise Müller den Besuchern davon erzählen, was alles so im Jahr 1845 im Hafen Vegesack passiert. Die Geschichtskreisgruppe der Siedlergemeinschaft Aumund 1 hatte sich auf den Weg gemacht, um zu erfahren, wie sich das Leben in alten Zeiten abgespielt hat.

„Luise Müller“ wird von einer der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vegesacker Geschichtenhaus gespielt. Sie sind in die Kostüme der damaligen Zeit geschlüpft, spielen ihre Rollen an den verschiedenen Stationen und schildern jeweils, wie die von ihnen dargestellten Personen gelebt haben.

So berichtet „Luise“, dass sich die Werft von Johann Lange zum Teil im Bremischen, zum Teil aber auch im Hannoverschen befand. Um den Arbeitern, die aus dem Bremischen kommen, einen leichten Weg zur Werft zu ermöglichen, hat er eine kleine Brücke über die Aue bauen lassen – leider aber, ohne die erforderliche Genehmigung einzuholen, was eine empfindliche Strafe nach sich gezogen hat. Über die soziale Absicherung durch das Haus Seefahrt und die Schaffermahlzeit erzählt sie, und dass durch Lange eine Baggermaschine gebaut wurde, die den Hafen vor der Versandung schützte.

Weiter geht es zu „Piet“, dem Seilmacher. Er führt vor, wie ein Seil entsteht, zeigt Spleißen und ein Takling, erzählt von den gefahrvollen Fahrten zur Waljagd, bei der manch ein Seemann sein Leben lassen musste. Stolz berichtet er, dass es eine Krankenkasse gibt, die im Krankheitsfall 75 Prozent des Lohns weiterzahlt.

„Martha“, die Netzknüpferin, ist gerade dabei, ein Heringsnetz zu reparieren. Die Maschengröße muss so sein, dass der Hering in das Netz schwimmen kann, sich dann aber mit den Kiemen verhakt und nicht mehr freikommt. Sind die Maschen zu klein, passt er nicht hinein; sind sie zu groß, schwimmt er durch.

Zwischendurch kommt „Werner“, der Hafenkapitän, vorbei. Barsch fragt er die Gruppe nach einer Erlaubnis, sich im Hafen aufzuhalten. „Hier wird nicht ins Hafenbecken gepinkelt“, mahnt er und verbietet jeglichen Handel mit den Matrosen der vielen Schiffe. Er berichtet, dass bald die „Gutenberg“, ein Stahlschiff, Stapellauf hat. „Das wird ja so untergehen, Stahl ist doch viel zu schwer“, behauptet der Kapitän a. D.

Danach geht es zu „Otto“, dem Transieder. Sorgfältig achtet er darauf, dass niemand an seinen heißen Trankessel kommt. Gefährlich ist das Feuer. Gelangt aus Versehen Tran hinein, kann es zu Explosionen kommen. Daher, so weiß er, wird auf Schiffen, auf denen Tran gekocht wird, eine Art Wassergraben rund um den Kessel eingerichtet. Der Gestank ist fürchterlich, berichtet er. Dennoch ist der Tran ein begehrter Stoff für Tranfunzeln, Kerzen und Schmiermittel.

„Guste“ wiederum sorgt für die Speisefolge der Matrosen auf See. Sauerkraut, Erbsen, Bohnen, Mehl: Sie handelt mit den notwendigen Lebensmitteln. Zum Schluss geht es in die Walschänke des Hafenhauses, in der die Gruppe bei einem Kaffee die vielen Informationen sacken lassen und verarbeiten kann. Ein tolles Erlebnis, dieser Besuch im Geschichtenhaus, der die Besucher begeistert hat. Hier ist es – so die Meinung der Aumunder – gelungen, das vorherige Spicarium mehr als nur zu ersetzen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Geöffnet ist das Geschichtenhaus freitags und sonnabends zwischen 11 und 17 Uhr sowie für Gruppen auf Mail-Anfrage an info@vegesacker-geschichtenhaus.de.

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