Musik Richtfest für Elbphilharmonie

Hamburg. Immer teurer, immer später: Überschattet von Kostenexplosionen und Terminverzögerungen hat Hamburg am Freitag das Richtfest der Elbphilharmonie gefeiert.
28.05.2010, 17:24
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Hamburg. Immer teurer, immer später: Überschattet von Kostenexplosionen und Terminverzögerungen hat Hamburg am Freitag das Richtfest der Elbphilharmonie gefeiert.

«Trotz aller Schwierigkeiten war es richtig, dass wir am Anfang dieses Jahrtausends diese Entscheidung getroffen haben», sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) vor rund 1200 geladenen Gästen auf der Plaza in 37 Metern Höhe. Sie verfolgten, wie die Richtkrone an die Spitze des 110 Meter hohen Gebäudes der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron gezogen wurde. Der große Konzertsaal soll einmal zu den zehn besten der Welt gehören und 2150 Besuchern Platz bieten. Der 500-Millionen-Euro-Bau wird den Steuerzahler statt der veranschlagten 77 Millionen wohl 323 Millionen Euro kosten. Die Eröffnung ist jetzt für 2013 geplant. Kurz vor Beginn der Richtfestzeremonie protestierten Demonstranten vor dem Prestigebau.

«Das ist kein einfaches Bauwerk, das wissen Sie alle. Und ich will auch nicht so tun, als sei alles wunderbar. Die Bauzeit hat sich verlängert, eigentlich wollten wir schon einweihen und nicht erst Richtfest feiern, die Kosten sind sprunghaft gestiegen», sagte von Beust. «Ich weiß nicht, ob wir in der jetzigen Finanzlage und in Kenntnis der tatsächlichen Kosten noch einmal den Mut gehabt hätten, die gleiche Entscheidung zu treffen. Ich bezweifele es sogar», meinte der Bürgermeister, der einen Tag zuvor einen radikalen Sparkurs verkünden musste. «Aber ich sage auch den Kritikern: Seht nicht nur die Kosten, die da sind, sondern seht auch die enormen Vorteile, die diese Stadt, die ganz Norddeutschland mit dem Bauwerk haben wird.»

Der Intendant der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle, der Österreicher Christoph Lieben-Seutter, betonte, dass Hamburg den Vergleich mit anderen Musikmetropolen nicht zu scheuen brauche. «Der Erfolg unserer ersten Spielzeit zeigt, dass Hamburg ein großes Potenzial für gute Musik hat.» Trotz aller Geburtswehen habe die Elbphilharmonie die Chance, «ein Weltklasse-Projekt zu werden». Nach Ansicht des Schweizer Architekten Pierre de Meuron hat die Elbphilharmonie beste Chancen, «nicht nur in den Köpfen, sondern auch in der Realität zu einem Wahrzeichen der Stadt heranzuwachsen». «Selbst wenn dieses Schiff derzeit große Wellen schlägt, selbst wenn raue Winde wehen und der Sturm gegen das Bauwerk peitscht, das Projekt wird Realität werden.»

Der Chef von Hochtief Construction, Henner Mahlstedt, betonte, dass sein Unternehmen als Generalunternehmer und Coinvestor ein hohes Interesse daran habe, dass die Kosten eingehalten werden. Danach hatten die Poliere Helmut Hesse und Werner Rininsland das Wort. Hoffentlich ist es kein böses Omen, dass beim Trinkspruch auf den Bauherrn ein Glas umfiel.

Kurz vor Beginn der Richtfestzeremonie feierten als Römer verkleidete Demonstranten vor dem Prestigebau «Rom am Abgrund» und forderten «eine Elphi reicht nicht für alle». Mit Liedern besangen sie das «Denkmal für die Reichen» und «ein Schandmal für unsere Stadt» und verteilten mit 350 000 000 Euro bedruckte Geldscheine. «Es kann nicht sein, dass hier 500 Millionen Euro ausgegeben werden und woanders Projekte sparen müssen», sagte Christine Ebeling von der Gängeviertel-Initiative. Auch auf der Elbe fuhren Demonstranten mit einer Barkasse um das spektakuläre Gebäude und forderten auf einem Plakat «Elphi entern».

Seit Jahren sorgt die Elbphilharmonie für Schlagzeilen. Immer höhere Kosten, die Eröffnung erneut um ein Jahr verschoben und dann auch noch angebliche Baumängel: Längst ist das Prestige-Projekt für alle Beteiligten zum Alptraum geworden, und die Architekten, die Stadt und der Baukonzern Hochtief schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Erst vor wenigen Tagen nahm ein Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft seine Arbeit auf. Auch die Opposition kritisiert das «Millionengrab des schwarz-grünen Senats», dem die Bürgerschaft, das Hamburger Landesparlament einst einstimmig zugestimmt hatte. (dpa)

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