Jax Millers atemloser Debüt-Krimi „Freedom’s Child“ Rotzig, böse, rasant

Gleich der erste Satz sitzt: „Mein Name ist Freedom Oliver, und ich habe meine Tochter getötet.“ So beginnt „Freedom’s Child“, das Krimi-Debüt der 28-Jährigen New Yorkerin Jax Miller, die eigentlich Aine O’Domhnaill heißt.
09.08.2015, 00:00
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Rotzig, böse, rasant
Von Iris Hetscher

Gleich der erste Satz sitzt: „Mein Name ist Freedom Oliver, und ich habe meine Tochter getötet.“ So beginnt „Freedom’s Child“, das Krimi-Debüt der 28-Jährigen New Yorkerin Jax Miller, die eigentlich Aine O’Domhnaill heißt. Und die dem Noir-Genre, Unterabteilung hardboiled, mit ihrem Roman eine Hallo-wach-Kopfnuss verpasst. Denn in der Schlagzahl des ersten Satzes geht es weiter. Freedom hat (angeblich) ihren Mann, einen Polizisten, erschossen und hat (tatsächlich) dafür ihren Schwager ans Messer geliefert. Da sie in eine üble New Yorker White-Trash-Verbrecherfamilie eingeheiratet hat, lebt sie seit ihrer Entlassung aus dem Gefängnis in einem Nest in den Südstaaten im Zeugenschutzprogramm. Dort arbeitet sie als Barfrau in einer Biker-Kaschemme, trinkt zu viel, raucht zu viel, hat eine extrem lose Klappe und prügelt sich mit jedem, der sie schief anschaut. Aber auch so jemand, vor allem so jemand, hat natürlich einen wunden Punkt. Bei Freedom sind das ihre Kinder Mason und Rebekah, auf deren Sorgerecht sie verzichtet hat, als sie noch Nessa Delaney hieß. Und deren Aufwachsen sie auf Facebook verfolgt. Als Rebekah verschwindet und gleichzeitig Freedoms Schwager aus dem Gefängnis entlassen wird und sich an ihr rächen will, muss sie handeln.

Jax Miller schickt ihre Heldin auf eine rabiate Tour-de-Force, in den Clinch mit korrupten Polizisten, religiösen Fanatikern und widerwärtigen Machos. Sie erzählt ihre Geschichte mit extremer Rasanz aus mehreren Perspektiven, mit Rückblicken und in einer Sprache, die häufig wie herausgespuckt wirkt und gespickt ist harten Flüchen und zotigen Sprüchen. Das ist ab und an auch erzähltechnisch des Guten zu viel, schmälert den Lesespaß für Krimifans aber nur unwesentlich.

Jax Miller: Freedom’s Child. A. d. Engl. v. Jan Schönherr. Rowohlt Polaris, Hamburg. 368 Seiten, 14,99

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