Schauspieler Schräg, grantig und liebenswert: Karl Merkatz gestorben

Er spielte im „Jedermann“, war aber auch der schräge „Mundl“ - Karl Merkatz hatte als Schauspieler viele Gesichter. Der gelernte Tischler war nicht nur in Österreich populär.
04.12.2022, 16:22
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Der österreichische Schauspieler Karl Merkatz ist am Sonntag im Alter von 92 Jahren gestorben. Er sei zu Hause in Straßwalchen im Land Salzburg friedlich eingeschlafen, bestätigte die Familie der Deutschen Presse-Agentur.

Im Laufe seiner Karriere war Merkatz in mehr als 250 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Bekannt wurde er unter anderem für seine Rolle in der TV-Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ (1975-1979). Als großmäuliger Elektriker Edmund Sackbauer („Mundl“) prägte er darin eine in Österreich unvergessene TV-Figur. Populär war auch die Filmreihe „Der Bockerer“, über einen Metzger mit rebellischen Zügen zur Nazi-Zeit. In seinen über 150 Bühnenrollen spielte Merkatz vor allem Nestroy-, Raimund- und Shakespeare-Figuren.

„König der Schauspielkunst“

Merkatz sei ein „Charakterdarsteller von einzigartigem Format“ gewesen, würdigte ihn Österreichs Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. „Wir verlieren mit ihm einen wahren König der Schauspielkunst.“ Kaum ein Serien-Charakter wie der „Mundl“ habe das Publikum so polarisiert, befand Wiens Bürgermeister Michael Ludwig am Sonntag. Merkatz sei in dieser Rolle so etwas wie ein früher „Wutbürger“ gewesen, der bei aller Grantigkeit das Herz auf dem rechten Fleck trage.

Auf Wunsch seiner Eltern lernte der 1930 in der Wiener Neustadt geborene Merkatz ein Handwerk und absolvierte eine Tischlerlehre. Doch schon als Kind faszinierte ihn das Schauspiel - nach der Lehre folgte nicht die Werkstatt, sondern die Bühne. Merkatz nahm unter anderem in Wien Schauspielunterricht, am Mozarteum in Salzburg schloss er seine Ausbildung mit Auszeichnung ab.

Abschied vom Theater 2009

Es folgten Engagements an Bühnen, unter anderem in Nürnberg, Hamburg, München. Bei Auftritten in Heilbronn lernte er seine Frau kennen. In Wien spielte er unter anderem am Theater in der Josefstadt und im Burgtheater. Auch in Operetten und Musicals feierte er Erfolge, etwa als Frosch in Johann Strauß' „Fledermaus“ und im Theater an der Wien als Milchmann Tewje in „Anatevka“. Als genial gilt seine Interpretation der Kafka-Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ über einen Affen, der sich europäische Durchschnittsbildung aneignet. Bei den Salzburger Festspielen war er unter anderem im „Jedermann“ auf der Bühne zu sehen. Eines seiner Lieblingsstücke war Becketts „Warten auf Godot“.

2009 gab Merkatz seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt – sein großer Wunsch, einmal den König Lear zu spielen, war nicht in Erfüllung gegangen. Nachdem er ab 2008 erfolgreich sein Kabarettprogramm „Der Blunzenkönig“ auf die Bühne brachte, kam das Stück 2015 mit Merkatz in der Hauptrolle auch in die heimischen Kinos.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+