Kunsthalle Emden zeigt Meisterwerke von Paul Klee aus der Sammlung Nordrhein-Westfalen Schrittmacher der abstrakten Kunst

Emden. „Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler“, schreibt Paul Klee in sein Tagebuch
21.03.2015, 00:00
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Schrittmacher der abstrakten Kunst
Von Uwe Dammann

„Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler“, schreibt Paul Klee in sein Tagebuch

. Wie eins mit der Farbe dieser Maler ist, lässt sich derzeit in einer Ausstellung in der Kunsthalle Emden nachvollziehen. Aus der Kunstsammmlung des Landes Nordrhein-Westfalen werden derzeit rund 75 Meisterwerke Paul Klees gezeigt.

Die Kunsthalle würdigt damit einen Künstler, der wie wohl kaum ein anderer Formen und Farbkompositionen in seinen Kunstwerken in Einklang brachte. Paul Klee steht gemeinsam mit Wassily Kandinsky als Synonym für die klassische Moderne, wurde von den Nazis als entartet eingestuft und gilt als einer der Schrittmacher der abstrakten Kunst. Dabei sind seine Bilder nie völlig abstrakt: Wer sich darauf einlässt und sich Zeit lässt, um sich in das Bild zu vertiefen, wird hinter den farbigen Drei-

ecken, Quadraten oder Kreisen Gegenständliches entdecken.

Hier ragen Kuppeln einer Kirche gen Himmel, dort ein Haus oder ein Porträt. Abgesehen davon, dass manche der geometrischen Figuren ein menschliches Antlitz ergeben. Besonders beeindruckend ist das in der Emder Ausstellung an dem Bild „Der Gezeichnete“ abzulesen. Klee malte das Porträt 1935 in erdigen Farbtönen. Zu jener Zeit hatte er bereits von den Nazis Berufsverbot erhalten, musste seine Professur in Düsseldorf aufgeben und und war in seine Heimatstadt Bern zurückgekehrt. Hier wird seine Kunst nicht verstanden; der zuvor in Deutschland angesehene Maler gerät in eine Isolation. 1935 erkrankt er schwer an einer rätselhaften Krankheit mit Hautveränderungen und einem späteren Befall innerer Organe und stirbt 1940 an deren Folgen.

Die Kunsthalle Emden hatte bereits 1991 in einer Ausstellung das Spätwerk Klees vorgestellt. 24 Jahre später gibt die aktuelle Schau eine Übersicht über die wichtigsten Schaffensphasen des Künstlers. Zugleich vermittelt sie einen Eindruck von der schier unerschöpflichen Kreativität des Künstlers. Die Ausstellung wurde aus dem reichen Klee-Bestand in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf konzipiert, das ist genau die Kunstsammlung, die vor wenigen Monaten durch den Verkauf von Warhol-Bildern auf sich aufmerksam machte. Die Klee-Bilder sollen, so viel man weiß, nicht verkauft werden. „Wir sind sehr froh, dass uns das Land Nordrhein-Westfalen einen Großteil des Klee-Bestandes für diese Ausstellung überlassen hat. Das ist ein enormer Vertrauensbeweis für uns“, sagt Frank Schmidt, Direktor der Kunsthalle Emden. Dass dieser renommierte Künstler so hoch im Norden, abseits des herkömmlichen Kulturmainstreams zwischen den großen Metropolen, mit so einer umfangreichen Ausstellung Beachtung findet, ist ungewöhnlich. „Zumal es leider nicht direkte Bezüge zwischen der Stadt Emden und Paul Klee gibt“, sagt die Kuratorin Katharina Henkel. Dafür weilte Klee immerhin einige Wochen in Ostfriesland und verbrachte in den Dreißigerjahren einen Urlaub auf der Insel Baltrum. Ob der Maler nun einen lokalen Bezug zur Region hatte oder nicht ist angesichts der Vielfalt der ausgestellten Arbeiten auch ziemlich egal.

So finden sich Beispiele seiner künstlerischen Anfänge und Werke, die seine Erfahrungen der legendären Tunisreise 1914 widerspiegeln. Ebenso sind präzise komponierte Gemälde zu sehen, die für seine 1919 begonnene Ölmalerei stehen. Werke, die Klees stilistische und motivische Vielfalt und auch seine Experimentierfreude dokumentieren, repräsentieren die Zeit seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau. Zuletzt geben Ölgemälde und Papierarbeiten in zeichenhaft verschlüsselter Bildsprache einen Einblick in das Spätwerk des Künstlers. Klees künstlerische Anfänge liegen in der Radierung und vor allem in der Zeichnung. Erst mit 34 Jahren wendet sich der Künstler der Farbe und der Malerei zu – dennoch misst er der Zeichnung bis zuletzt eine herausragende Bedeutung bei. Auslöser für den Durchbruch zur Farbe ist jedoch die Reise nach Tunesien im April 1914 zusammen mit den Künstlerkollegen August Macke und Louis Moilliet. Charakteristisch für Klees Spätwerk ist eine reduzierte, klare Bildsprache auf meist großen Formaten. Das ist besonders anschaulich in dem Bild „Heroische Rosen“ aus dem Jahre 1938 nachzuvollziehen. 1960 kaufte das Land Nordrhein-Westfalen 88 seiner Werke – als Akt moralischer Wiedergutmachung für die Vertreibung Klees aus Deutschland. Dieser Kauf galt als Initialzündung für die damalige Landesregierung, die nur ein Jahr später eine eigene Kunstsammlung gründete.

„Paul Klee! Meisterwerke aus der Sammlung Nordrhein-Westfalen, Kunsthalle Emden,

21. März bis 12. Juli. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Sa., So./Feiertage 11 bis 17 Uhr, jeder erste Die. im Monat 10 bis 21 Uhr (Kunstabend), Montag geschlossen.

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