Bremer Kommunalkino besteht seit 40 Jahren / Filmsymposium beginnt am 7. Mai Schule des Sehens

Vor 40 Jahren, am 8. Mai 1974, zeigte das Kommunalkino in Bremen seinen ersten Film: „Kuhle Wampe“, natürlich, klassenkämpferisch musste es damals schon sein. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von filmästhetischem Wissen an Jugendliche und Erwachsene. Da passt es gut, dass am 7. Mai das nächste Filmsymposium beginnt.
30.04.2014, 00:00
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Schule des Sehens
Von Alexandra Albrecht

Vor 40 Jahren, am 8. Mai 1974, zeigte das Kommunalkino in Bremen seinen ersten Film: „Kuhle Wampe“, natürlich, klassenkämpferisch musste es damals schon sein. Heute liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von filmästhetischem Wissen an Jugendliche und Erwachsene. Da passt es gut, dass am 7. Mai das nächste Filmsymposium beginnt.

„Kuhle Wampe“ von Slatan Dudow und Bertolt Brecht gehörte damals fest ins Programm eines Kommunalkinos, genauso wie die „Dreigroschenoper“. „Filme aus der Arbeitswelt“, „Die Situation der Frau“ oder „Filme aus der Dritten Welt“ hießen die Programmreihen in den Siebzigerjahren. Neben politisch und gesellschaftlich aufklärerischen Filmen wollten die bundesweit gegründeten Kommunalkinos cineastische Meisterwerke des französischen und italienischen Kinos vorstellen und dem neuen deutschen Film ein Forum bieten.

Damals hatte man noch kein eigenes Haus, sondern nutzte beispielsweise das Cinema Ostertor. Ganz im Sinne des Oberhausener Manifestes sollte Opas totem Kino eine anspruchsvolle Filmkunst entgegengestellt werden. Den eigenen Anspruch, geschmacksbildend zu wirken und das Mainstream-Kino zurückzudrängen, konnte die Bewegung nur bedingt erfüllen. Immerhin hätten die Kommunalkinos den osteuropäischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Film auf die Leinwände gebracht, sagt Karl-Heinz Schmid, der mit Alfred Tews das Programm des City 46 seit vielen Jahren gestaltet.

Der Umzug der Einrichtung von Walle in das City-Kino in der Birkenstraße hat sich für den Verein gelohnt und sein Überleben erst einmal gesichert. In Walle seien etwa 20 000 Zuschauer im Jahr ins Haus gekommen,jetzt seien es mehr als 30 000, so Schmid. Die Kulturbehörde habe zugesichert, dem Verein bis 2016 pro Jahr 275 000 Euro zu gewähren. Mit Spenden und Drittmitteln kämen etwa 100 000 Euro dazu.

Die Programmgestaltung hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten erheblich verändert. Erstaufführungen von Filmen, aber auch Reihen, die beispielsweise einem Regisseur gewidmet sind, laufen nicht mehr so gut wie früher. Das Kino City 46 hat sich zu einem festen Kooperationspartner anderer Bremer Kultureinrichtungen entwickelt und begleitet etwa Ausstellungen der Museen mit einem ergänzenden Programm. In den neuen Räumlichkeiten wurde vor allem aber die Vermittlung von Filmwissen ein wichtiges Standbein. „Hier nehmen wir in Deutschland eine gewisse Vorreiterrolle ein“, sagt Schmid. Das Bremer Kommunalkino ist das einzige in Deutschland, das die Schulkinowoche für ein Bundesland organisiert. Mit über 15 000 Anmeldungen hat sie die besten Besucherzahlen in Deutschland. Für sein Kinder- und Jugendprogramm ist das City 46 auch schon ausgezeichnet worden. Programmatisch soll der eingeschlagene Weg so weiter beschritten werden, personell stellt sich der Trägerverein bald anders auf, wenn ein neuer Vorstand gewählt wird. Und weil Tews und Schmid in den kommenden Jahren das Kino verlassen, werden nun zwei Volontärinnen ausgebildet, die ihnen eventuell nachfolgen.

Zum 19. Mal richtet das Haus das Internationale Filmsymposium aus, erstmals im Frühjahr. Vom 7. bis 11. Mai geht es in den Vorträgen um das Verhältnis von Film und Geschichte, um die Frage, wie das Kino Geschichte darstellen kann. Zu den Referenten gehören Thomas Elsaesser und Richard Dyer. Wie üblich wird ein ausgesuchtes Filmprogramm präsentiert. Das 40-jährige Bestehen wird im November gefeiert.

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