Schulgärten helfen Kindern beim Stressabbau

Halle. Schulgärten bieten Kindern die Möglichkeit, die Natur kennenzulernen. Solche Gärten gibt es im gesamten Bundesgebiet.
25.09.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von ROMINA KEMPT

Schulgärten bieten Kindern die Möglichkeit, die Natur kennenzulernen. Solche Gärten gibt es im gesamten Bundesgebiet. Wenn der Eindruck von Experten nicht trügt, nimmt ihre Zahl allerdings ab.

Kleine Hände buddeln in brauner Erde. Endlich ist das Objekt der Begierde zu sehen. „Aus der Möhre macht meine Mama eine Suppe“, sagt Mai stolz. Die Achtjährige holt gemeinsam mit ihren 19 Mitschülern im Pflanzgarten der Franckeschen Stiftungen in Halle ihre eigene Ernte ein. Jede Woche gibt es eine Unterrichtsstunde, in der sich die Drittklässler der Gartenarbeit widmen.

Allgemein üblich sei das aber nicht mehr, sagt die Leiterin des Projekts „Umweltbildung im Lehrgarten der Franckeschen Stiftungen zu Halle (Saale)“, Cornelia Jäger. Das Fach Schulgarten, das zu DDR-Zeiten Standard war, sei so gut wie ausgestorben. Seit einigen Jahren führt die Diplombiologin Schulklassen auf dem Gelände der im 17. Jahrhundert gegründeten Stiftungen an das Thema Natur heran. Die Kinder ernten nicht nur ihre eigenen Möhren und Kartoffeln, sondern braten im gut eingerichteten Gewächshaus nebenan auch Kartoffelchips, mahlen Getreide oder backen Brot.

Wie Auguste Kuschnerow, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten, erklärt, gibt es bundesweit einen Negativtrend bei der Zahl der Schulgärten. Dabei steht aus Sicht der Experten außer Frage, dass die Arbeit im Freien für die Entwicklung der Kinder wichtig ist. „Sie lernen, dass Erdbeeren nicht im Winter und Brote nicht auf den Bäumen wachsen“, sagt die Lehrerin Kerstin Lidtke. Zudem baue die Bewegung an der frischen Luft Stress ab, ergänzt Auguste Kuschnerow. Vor allem Stadtkindern tue dies gut.

Lehrer, Gartenexperten und andere Interessierte wollen in den nächsten Tagen bei einer Konferenz in den Franckeschen Stiftungen über die Zukunft der Schulgärten diskutieren. Organisatorin ist die Biologin Cornelia Jäger. Nach ihren Worten geht es nicht darum, das Fach Schulgarten wieder einzuführen. Vielmehr komme es darauf an, die Arbeit im Freien wie selbstverständlich in die unterschiedlichen Fächer zu integrieren. „Der Schulgarten muss wieder als Lernort verstanden werden“, sagt dazu Auguste Kuschnerow. So könnten zum Beispiel im Fach Deutsch Naturtagebücher geführt, im Fach Mathematik Saatmengen berechnet und im Fach Kunst Blumen gezeichnet werden.

Bereits vor rund 300 Jahren legte der Theologe und Gründer der Stiftungen, August Hermann Francke, auf dem Gelände in Halle die ersten Schulgärten an. Damals sei der Unterricht vor allem Medizinstudenten vorbehalten gewesen, erklärt Cornelia Jäger. Heute jäten und graben Kinder aller Klassenstufen in den Beeten.

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