Neu im Kino: „Der Babadook“

Schwarzer Mann dringt ins Haus ein

Bremen. Horror im Film ist dann nachhaltig, wenn er sich langsam im Alltag einnistet und in der Psyche der Personen sein Unwesen treibt. So wie der Schwarze Mann, der vom Kinderschreck zur fixen Idee wird und eine sanfte Mutter zur Furie werden lassen kann.
07.05.2015, 00:00
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Schwarzer Mann dringt ins Haus ein
Von Iris Hetscher

Horror im Film ist dann nachhaltig, wenn er sich langsam im Alltag einnistet und in der Psyche der Personen sein Unwesen treibt. So wie der Schwarze Mann, der vom Kinderschreck zur fixen Idee wird und eine sanfte Mutter zur Furie werden lassen kann. So geschieht es im Film „Der Babadook“ der australischen Regisseurin Jennifer Kent, der auf Filmfestivals bereits 33 Preise eingeheimst hat.

Altenpflegerin Amelia (Essie Davis) lebt mit ihrem Sohn Samuel (Noah Wiseman) in einem alten, düsteren Haus, Freunde hat sie kaum, die Arbeit ist öde. Samuel ist zudem verhaltensauffällig. Der Siebenjährige ist fasziniert von Monstern, Zauberern und Waffen, mit seiner selbst gebastelten Armbrust bedroht er bisweilen Mitschüler. Amelia ist überfordert mit ihm, hat Albträume und leidet nach wie vor unter dem Verlust ihres Ehemanns: Er starb, als er sie zur Geburt Samuels ins Krankenhaus fuhr.

Eines Abends liest Amelia ihrem Sohn aus dem plötzlich aufgetauchten Kinderbuch „Mister Babadook“ vor – eine bedrohliche Schwarze-Mann-Geschichte, die in dem Satz gipfelt: „Wenn Du mich reinlässt, wirst Du Dich verändern“. So kommt es. Zunächst scheint nur Samuel wie besessen, doch nach und nach gerät auch in Amelia in den Sog des Babadooks.

Jennifer Kent erzählt von einer einsamen und überforderten Mutter, die schleichend durchdreht. Dazu verlässt sie sich nicht nur auf ihre konzentriert spielende Hauptdarstellerin, sondern kreiert beklemmende Szenen. Das Haus wirkt so bedrohlich wie der Babadook selbst, den Illustrator Alexander Juhasz als eleganten Nosferatu entworfen hat. Je mehr der Wahnsinn voranschreitet, desto unordentlicher wird es in den Räumen; ständig sind Geräusche zu hören, deren Ursprung unklar bleibt, Licht flackert, Gardinen flattern. Kent hat ihren Film in fahle Farben getaucht: Licht und Sonne haben gegen die umfassende Freudlosigkeit keine Chance; hier stand gewiss Roman Polanski mit Genreklassikern wie „Rosemary’s Baby“ und „Der Mieter“ Pate.

Jennifer Kent schießt in ihrem ambitionierten Film zwar ab und an übers Ziel hinaus, indem sie Horrorfilm-Zutaten einsetzt, ohne die der Film dichter wirken würde. Doch insgesamt ist „Der Babadook“ eine sehr sehenswerte Psychostudie mit einem höchst überraschenden Schluss.

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