Zum 14. Mal wird ab Montag der Bremer Klavierwettbewerb veranstaltet – er gilt als anspruchsvoller Wettbewerb Schwerer Brocken für junge Pianisten

Bremen. Vor zwei Jahren waren es 23, vor vier Jahren 31 junge Musiker, die den Schritt auf die Bühne des Sendesaals wagten – 71 junge Pianisten und Pianistinnen haben sich dieses Jahr angemeldet, 34 von ihnen aus Osteuropa. Nicht alle werden kommen, aber nach den Erfahrungen in der Vergangenheit wird gut die Hälfte antreten.
20.02.2014, 00:00
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Von Bernd Meier

Vor zwei Jahren waren es 23, vor vier Jahren 31 junge Musiker, die den Schritt auf die Bühne des Sendesaals wagten – 71 junge Pianisten und Pianistinnen haben sich dieses Jahr angemeldet, 34 von ihnen aus Osteuropa. Nicht alle werden kommen, aber nach den Erfahrungen in der Vergangenheit wird gut die Hälfte antreten. Dass so viele, die sich angemeldet hatten, letztlich doch nicht dabei sind, hat einen einfachen Grund: Der Klavierwettbewerb in Bremen gehört zwar nicht zu den ganz großen in der Welt, seine Anforderungen aber stehen hinter denen von Brüssel oder Moskau, von München oder Leeds nicht zurück.

Wer sich auf die zehn Tage in Bremen einlässt, muss ein Programm von zweieinhalb bis drei Stunden vorbereiten, quer durch die Geschichte der Klaviermusik vom Barock bis zur Moderne, und dazu gehört eine eigens für den Wettbewerb geschriebene Komposition, die diesmal von dem Israeli Gilead Mishory stammt. Wer die drei Solorunden übersteht, hat das Finale mit Orchester in der Glocke erreicht, wo ein Konzert von Beethoven, Mozart, Chopin oder Tschaikowsky vorzutragen ist. Kein Wunder, dass da so mancher, der sich angemeldet hatte, plötzlich merkt, worauf er oder sie sich eingelassen hat und die Segel streicht.

Die Geschichte dieses Wettbewerbs ist eine hübsche und sehr bremische Geschichte. Sie beginnt im Jahr 1986, als die Klavierlehrerin und Pianistin Aenne Genoux und ihr Mann Walter 30 000 Mark für einen Klavierwettbewerb stiften. Der Landesmusikrat trifft die Vorbereitungen, und im Jahr darauf wird der Wettbewerb zum ersten Mal ausgeschrieben, zunächst nur für junge Pianisten aus Deutschland. Sie finden in den Regularien einen etwas ungewöhnlichen Passus: Alle Teilnehmer müssen die sogenannte Sturm-Sonate von Beethoven vortragen, die erste Ballade von Chopin und die Franziskus-Legende von Liszt, weil Aenne Genoux diese Stücke besonders gern mag. Der Rahmen, in dem der Wettbewerb 1987 ausgetragen wird, ist bescheiden, auch zwei Jahre später noch. Die Finalrunde mit großem Orchester ist noch Zukunftsmusik, das Abschlusskonzert findet bei freiem Eintritt in der Kassenhalle der Sparkasse am Brill statt.

Der Ort ist mit Bedacht gewählt: Die Sparkasse stiftet die Preisgelder und steht an der Spitze einer bremischen Allianz, die – neben einer Reihe von Sponsoren – den Fortbestand des Wettbewerbs sichert, nachdem das Geld der Eheleute Genoux aufgebraucht ist. Ihr gehören der Sendesaal und die Glocke an, die Firma Thein Klaviere, Radio Bremen, die Bremer Philharmoniker, die Jugendherberge, wo die Teilnehmer wohnen und an vier Flügeln üben können, und seit 2001 auch der Weser-Kurier. Er stiftet einen Preis in Höhe von 2000 Euro, über dessen Vergabe jedes Mal das Publikum des Finales in der Glocke abstimmt.

Gleich im ersten Jahr war die Überraschung groß: Die Jury kürte Eugen Mursky (der in diesem Jahr zum ersten Mal in der Jury sitzt) zum Sieger, während die Zuhörer für Denys Proshayev stimmten – der im Jahr darauf den renommierten, internationalen ARD-Wettbewerb in München gewann.

Ein Usbeke und ein Russe als Preisträger des einst kleinen Bremer Klavierwettbewerbs? Das war möglich, nachdem die Mauer gefallen war. Da lag es nahe, auch den Bremer Wettbewerb zu öffnen, für alle Europäer und vor allem für die vielen jungen, gut ausgebildeten Pianisten, die nun aus den Ländern der alten Sowjetunion nach Deutschland kamen und in Bremen eine Chance sahen, sich zu beweisen.

Die Jury ist wieder international besetzt, besteht aus sieben Musikern (sechs von ihnen Pianisten) und wird auch dieses Mal von der aus Bremen stammenden Konstanze Eickhorst geleitet. Der erste Preis ist mit 10000 Euro dotiert, gestiftet von der Sparkasse Bremen, der Zweite erhält 5000, der Dritte 2500 Euro. Darüber hinaus werden mehrere Sonderpreise vergeben.

Der Wettbewerb beginnt am 24. Februar im Sendesaal. Die Finalrunde mit den Bremer Philharmonikern findet am 5. März ab 19 Uhr in der Glocke statt.

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