Zwischen Glamrock und Theater: Hedwig And The Angry Inch in der Schwankhalle

Sehenswerte Show mit Trash-Charakter

Bremen. Das Stück bietet die gesamte Bandbreite an schauspielerischen Möglichkeiten. Einen gebrochenen Charakter voller Widersprüche, Schmerz und Freude und darüber hinaus einen Geschlechter-Konflikt.
21.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Arne Bode

Das Stück bietet die gesamte Bandbreite an schauspielerischen Möglichkeiten. Einen gebrochenen Charakter voller Widersprüche, Schmerz und Freude und darüber hinaus einen Geschlechter-Konflikt. Das ist die Ausgangslage für ein grandioses schauspielerisches Feuerwerk in der Schwankhalle mit mitreißenden Glamrock-Einlagen .

Hedwig ist Sängerin und das wenig erfolgreich. Als Drag Queen aus dem Osten, genial verkörpert von Pascal Nöldner, erlebt sie den Mauerfall auf ihre ganz eigene Art und Weise und berichtet dem Publikum von den Auf und Abs in ihrem Leben. An ihrer Seite ist stets Hedwigs Mann Ytzhak, großartig gespielt von Birgit Corinna Lange. Regisseurin Nomena Struß lässt Ytzhak als gebrochenes Spiegelbild von Hedwig auftreten. Ganz wie eine Spiegelung bleibt Ytzhak meist stumm und folgt den Bewegungen und Aktionen von Hedwig. Während Hedwig einen Song nach dem anderen schmettert, tritt Ytzhak meist einen Schritt zurück. Pascal Nöldner spielt die Drag Queen so überzeugend, dass er eins mit dem Charakter zu werden scheint. Jede Geste, jeder Blick sitzt. In dieser One-Man-Show wird er von der Bremer Glam Rock-Band Rusty 66 begleitet. Teil eins des Stückes ist vorrangig ein perfekt choreografiertes Glamrock-Konzert, das mit einigen vulgären Witzen Hedwigs und etwas viel Slapstick garniert ist. Teil zwei des Stückes ist vielschichtiger und ruhiger angelegt. Die Widersprüche und den Schmerz der Rolle weiß Pascal Nöldner nachdenklich, aber auch mit Humor zu transportieren. Ytzhaks scheinbare Untätigkeit wird im zweiten Teil vermehrt aufgelöst. Das äußert sich am deutlichsten an Birgit Langes Gesangsparts, die sich nun viel seltener auf das Singen von Harmonien beschränkt. Wenn man sie zusammen mit Pascal Nöldner einen Glamrock-Song nach dem anderen performen sieht, würde man nie vermuten, dass sie eine klassische Gesangsausbildung in New York genossen hat.

Nomena Struß hat mit begrenzten Mitteln viel bewegt. Das beginnt mit einem für die Schwankhalle fast schon dekadenten Bühnenbild, wo sich der selbst gebaute Trailer an einer Seite aufklappen lässt und sich in eine Bühne verwandelt. Neben diesen technischen Finessen kamen bei dem Publikum besonders gut die Kostüme an, die mit Fransen und mehr Glamour perfekt den Zeitgeist einfingen. Nomena Struß ist es gelungen eine Show mit trashigen Charakter auf die Bühne zu bringen, die absolut sehens- und hörenswert ist.

Weitere Vorstellungen am 21. , 26. 27. und 28. Juni jeweils um 20.30 Uhr.

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