Werbeplakate für die Themenwoche Toleranz bringen Kritiker auf den Plan Shitstorm für die ARD

Zwei Männer küssen sich unter der Überschrift „Normal oder nicht normal?“ Mit Plakatmotiven wie diesem wirbt die ARD für ihre Themenwoche Toleranz. Damit hat sie noch vor Sendestart am Sonnabend Kritiker gegen sich aufgebracht und kämpft im Internet gegen einen Shitstorm an. Der Vorwurf: Intoleranz.
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Shitstorm für die ARD
Von Jörn Hüttmann

Zwei Männer küssen sich unter der Überschrift „Normal oder nicht normal?“ Mit Plakatmotiven wie diesem wirbt die ARD für ihre Themenwoche Toleranz. Damit hat sie noch vor Sendestart am Sonnabend Kritiker gegen sich aufgebracht und kämpft im Internet gegen einen Shitstorm an. Der Vorwurf: Intoleranz.

„Die Plakate zur Themenwoche Toleranz in der ARD verlangen mir eine Menge Toleranz ab. Ich dachte, wir wären schon weiter“, schreibt eine Nutzerin auf Twitter. „Enttäuschend, dass die ARD das Normale in Frage stellt“, twittert ein anderer. Mit seiner Plakatkampagne zur Themenwoche Toleranz steht der Sender massiv in der Kritik und hat im Internet einen sogenannten Shitstorm ausgelöst.

Auf den Werbeplakaten hat die ARD das Foto eines Schwarzen mit der Frage „Belastung oder Bereicherung?“ überschrieben. Über dem Bild eines Behinderten steht „Außenseiter oder Freund?“. Auf einem anderen wird ein schreiendes Kind gezeigt und gefragt „Nervensäge oder Zukunft?“.

Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck ist die ARD damit eindeutig zu weit gegangen: „Sie verlassen als öffentlich-rechtliche Medien Ihren gesetzlichen Auftrag, wenn Sie Teile unserer Gesellschaft in ihrer Existenz in Frage stellen“, schreibt er in einem offenen Brief an die ARD. Die Themenwoche drehe das Rad der Zeit 50 Jahre zurück, als Minderheiten nicht als Teil der Gesellschaft anerkannt wurden. „Heute sind wir hier und lassen uns nicht in Frage stellen.“

Die ARD erklärt, dass sie mit den Plakaten niemand persönlich verletzen wolle. „Die Kritik nehmen wir selbstverständlich ernst“, sagt der verantwortliche Koordinator der Themenwoche, Hans-Martin Schmidt. Allerdings habe man mit den Plakaten anscheinend einen Nerv getroffen. Die Betrachter sollten sich an den Aussagen reiben, da intolerantes Verhalten oft von Äußerlichkeiten und Vorurteilen geprägt sei. „Damit spielt die Kampagne. Eine gewisse Provokation haben wir dabei in Kauf genommen.“

Die Kritiker im Internet kann die Sendeanstalt damit kaum besänftigen. Die ARD habe keinen Nerv getroffen, sondern „durch Rückständigkeit extrem genervt“, twittert eine Nutzerin. Ein anderer fragt: „Gibt es eigentlich irgendwen da draußen, der die Toleranzwoche der ARD gut findet?“. Auch die gibt es. „Wer das Haar in der Suppe sucht, findet es auch“, twittert eine Unterstützerin. „Gehöre wohl zu den wenigen, die die Kampagne gelungen finden. Schließlich reden alle darüber, und das war das Ziel.“

Die große Mehrheit lässt sich davon nicht beirren, schimpft weiter über die ARD und macht sich über die Plakate lustig: Auf verfremdeten Versionen der Plakate, die im Internet kursieren, ziert die Frage „Normal oder nicht normal?“ nicht mehr das Bild des schwulen Pärchens, sondern eine Aufnahme der Schlagerstars Helene Fischer und Florian Silbereisen im Oktoberfest-Outfit. Ein anderes fragt, ob Günther Jauch eine Bereicherung oder doch eher eine Belastung sei.

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