Kritik zum Neujahrs-Tatort Skurrile Momente aus Weimar

Auch im zweiten Fall in dem die Kommissare Lessing und Dorn in der deutschen Dichter- und Denkerstadt Weimar ermitteln, bestimmen eher die skurrilen als die spannenden Momente das Geschehen.
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Skurrile Momente aus Weimar
Von Uwe Dammann

Ist das nun Satire, Groteske – oder ein echter Tatort? Auch im zweiten Fall unter dem Titel „Der irre Iwan“ (morgen, ARD, 20.15 Uhr), in dem Hauptkommissar Lessing (Christian Ulmen) und seine Kollegin Kira Dorn (Nora Tschirner) in der deutschen Dichter- und Denkerstadt Weimar ermitteln, bestimmen eher die skurrilen als die spannenden Momente das Geschehen.

Nachdem der Überfall auf die Stadtkämmerei vermeldet wird und eine Mitarbeiterin dabei erschossen wurde, müssen Lessing und Dorn ihren Spaziergang mit dem Kind unterbrechen und fahren kurzerhand mit dem Kinderwagen zum Tatort. Dort wird der Kleine einem Beamten in den Arm gedrückt, damit die Kommissare mit den Ermittlungen anfangen können.

Übertriebene Akribie tragen sie dabei nicht zur Schau, und so etwas wie eine mögliche Empathie dem Opfer gegenüber fehlt ganz. So eine Tote am Schreibtisch, das ist halt Alltagsgeschäft für das „coole“ Ermittlerduo. Mord und Totschlag scheinen in Weimar offensichtlich an der Tagesordnung zu sein. Wobei Christian Ulmen seinen Job mit einer etwas größeren Ernsthaftigkeit angeht als Nora Tschirner, die im „Tatort“ so ermittelt, als ob sie rauskriegen müsste, wer dem „Keinohrhasen“ die Lauscher gekappt hat.

Das Autorenteam – Andreas Pflüger, zuständig für Krimis, und der Comedyspezialist Murmel Clausen – suchten nach eigenen Angaben nach einem Stoff, in dem es möglichst viel „kracht, pufft und zischt“. Deswegen verlegten sie und Regisseur Richard Huber den größten Teil der Handlung in „Der irre Iwan“ auf eine Jahrmarktwiese in der Nähe von Weimar. In der Geisterbahn wird nicht nur der Stadtkämmerer verführt, sondern auch noch eine tiefgekühlte Leiche entsorgt.

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Die ersten Spuren führen zu dem Ex-Knacki Caspar Bogdanski (Dominique Horwitz), der in der Geisterbahn als Kettensägen-Clown arbeitet und den obercoolen Gangster mimt. Die Handlung führt weiter in einen FKK- und Swinger-Club und in ein Tattoo-Studio voller Rocker. Die Autoren selbst würden ihre Arbeit aber nicht als Satire bezeichnen, betonten sie in einem Interview. Sie nähmen ihre Figuren ernst und machten sich nicht über sie lustig. Die Zuschauer des schrägen MDR-Tatorts am Neujahrstag, können da leicht einen anderen Eindruck gewinnen.

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