Dokumentarfilm zeichnet ein ungewöhnliches Porträt von Bremen

Stadtgeschichte mit Elefant

Bremen. Es geht auch ohne die Stadtmusikanten: In einem 15-minütigen Dokumentarfilm wirft der Fernsehjournalist Jan Böhmermann einen ganz persönlichen und durchaus originellen Blick auf das kleinste und ärmste Bundesland der Republik. Darin geht es um knappe Kassen und um die Frage, warum Bremen trotz der Finanznot noch immer ein souveräner Stadtstaat ist.
05.10.2013, 00:00
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Stadtgeschichte mit Elefant
Von Kathrin Aldenhoff

Bremen.

Es geht auch ohne die Stadtmusikanten: In einem 15-minütigen Dokumentarfilm wirft der Fernsehjournalist Jan Böhmermann einen ganz persönlichen und durchaus originellen Blick auf das kleinste und ärmste Bundesland der Republik. Darin geht es um knappe Kassen und um die Frage, warum Bremen trotz der Finanznot noch immer ein souveräner Stadtstaat ist. Das Überraschende dabei ist Böhmermanns Suche nach den Antworten: Ausgehend von einem seiner Vorfahren, dem Kapitän Böhmermann, begibt sich der Autor auf Spurensuche und stößt dabei auf einen Edelstein, Bauskizzen zu einem geheimnisumwitterten Elefanten und viele Gerüchte.

Der überdimensionierte Elefant aus Backstein, der nahe des Bremer Hauptbahnhofes steht, spielt eine zentrale Rolle in dem Dokumentarfilm. Das Kolonialdenkmal wurde 1932 eingeweiht; auf einer Fotografie des Festaktes entdeckt Böhmermann seinen Vorfahren, den Kapitän. Der brachte mit seinem Dampfschiff „Nachtigall“ während der Kolonialzeit Rohdiamanten von Afrika nach Bremen.

Wo sind diese Schätze hin? Sind sie vielleicht gar im Bauch des Elefanten versteckt? Böhmermann spricht mit Forschern der Universität Bremen, die bei mineralogischen Untersuchungen am Denkmal Hinweise für Kohlenstoffverbindungen fanden. Ist der hohle Bauch des zehn Meter hohen Backsteinelefanten gar mit Diamanten gefüllt? Böhmermann geht diesen Fragen nach und stößt auf Legenden, Vermutungen – und bei den Politikern auf Schweigen. Dazu passt, dass sich der Autor bei seinen Recherchen zusehends von Polizei und Bundeswehr verfolgt fühlt: Je näher er dem Elefanten mit seinem Kamerateam komme, desto mehr fühle er sich beobachtet, sagt Böhmermann im Film.

Sein Bremen-Porträt zählt zu einer Reihe von Dokumentarfilmen, die die ARD in Auftrag gegeben hat. Unter dem Titel „16 x Deutschland“ zeichnen 16 Filmemacher ein subjektives Bild ihrer Bundesländer und erzählen Geschichten, die sonst im Verborgenen bleiben. Das Dokumentarfilmprojekt will die Vielfalt Deutschlands, seiner Menschen und Regionen zeigen. Ausgestrahlt werden die Filme an diesem Wochenende, jeweils acht hintereinander.

Für das Porträt über Bremen lohnt es sich einzuschalten, denn die Dokumentation von Böhmermann bietet sicherlich auch alteingesessenen Bremern noch neue Perspektiven auf ihre Heimat. Auch wenn es am Ende keine endgültige Antwort auf die vielen Fragen gibt, die der Autor während seiner Recherchen aufwirft, und es bei Mutmaßungen bleiben muss. Denn auch diese sind außerordentlich spannend.

16 x Deutschland. ARD, Sonnabend und Sonntag, jeweils 16 Uhr. Die Bremer Folge läuft am Sonntag um 17.30 Uhr.

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