Ein Dutzend Lehrer aus dem Nordkreis und aus Bremen besichtigen Stuhrer Landwirtschaftsbetriebe

Stallgeruch schnuppern

Landkreis Diepholz. „Wir sitzen alle in einem Boot: Ich ernähre Euch und Ihr bildet meine Kinder aus“, sagte Hendrik Speckmann und hatte die Sympathien bei der dritten Lehrerfortbildung im Landkreis Diepholz auf seiner Seite. Ein Dutzend Lehrerinnen und Lehrer aus dem Nordkreis und aus Bremen folgten der Einladung von Landvolk Mittelweser, Ländlicher Erwachsenenbildung und dem Kreisverband der Landfrauenvereine Grafschaft Hoya, um sich zwei Betriebe in Stuhr anzuschauen.
08.10.2017, 00:00
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Von FR
Stallgeruch schnuppern

Friederike Kastens (rechts) erzählte enthusiastisch von der Arbeit im Kuhstall.

Landkreis Diepholz. „Wir sitzen alle in einem Boot: Ich ernähre Euch und Ihr bildet meine Kinder aus“, sagte Hendrik Speckmann und hatte die Sympathien bei der dritten Lehrerfortbildung im Landkreis Diepholz auf seiner Seite. Ein Dutzend Lehrerinnen und Lehrer aus dem Nordkreis und aus Bremen folgten der Einladung von Landvolk Mittelweser, Ländlicher Erwachsenenbildung und dem Kreisverband der Landfrauenvereine Grafschaft Hoya, um sich zwei Betriebe in Stuhr anzuschauen.

Zunächst kamen die Pädagogen auf den Hof der Familie Speckmann und warfen einen Blick in den Melkstand, in dem ein Roboter die Kühe melkt. „Der ist wirklich Gold wert, wenn er zum Betriebsleiter passt“, erklärte Hendrik Speckmann. „Die Herde ist seitdem ruhiger, und die Milchleistung pro Kuh von 9000 auf 10 000 Kilogramm gestiegen.“

Eigentlich stand bei dem Besuch auf dem Speckmannschen Hof aber die Hähnchenmast im Fokus. In zwei Ställen mit natürlichen Luft-und Lichtverhältnissen hält der Landwirt jeweils nur 15 000 statt der üblichen 20 000 Hähnchen. Dass es das Fleisch dieser Tiere nicht in deutschen Fleischtheken gibt, verwunderte die Lehrer. Denn Speckmann produziert für das niederländische Wiesenhof-Programm „Kipp van Morgan 2020 plus“, bei dem die Hähnchen 45 Tage lang im Stall bleiben. „Sie haben eine Gewichtszunahme von 50 Gramm am Tag und haben keinen Wachstumsstress“, erläuterte der Landwirt. „Dieses Fleisch kann man als Verbraucher mit gutem Gewissen essen.“ Nur eben nicht in Deutschland.

Vertreter großer Lebensmittelketten, erzählte Speckmann, hätten sich seine Ställe angesehen und seien von dem Gesehenen begeistert gewesen. Nur könne man, so sei ihre Aussage gewesen, dieses Fleisch in Deutschland nicht vermarkten. Im Nachbarland indes sei das anders: „In den Niederlanden hat man sich verpflichtet, nur noch Fleisch von langsam wachsenden Hähnchen zu verkaufen.“

Spannend fanden die Pädagogen auch den Blick in die Biogas-Anlage. „Ich wusste gar nicht, dass die Gülle hier auch mitverwertet werden kann“, sagte eine Lehrkraft. Dass Hendrik Speckmann gerne von seiner Arbeit erzählt und hinter seinem Tun steht, merkten ihm die Pädagogen an. „Wir Landwirte müssen offensiv auf die Leute zugehen, sie ins Boot holen und ihnen erklären, was wir hier machen“, sagte der 43-Jährige.

Zuvor hatte Kreislandwirt Wilken Hartje zum Einstieg in den Fortbildungstag erläutert, wie die Landwirtschaft im Landkreis Diepholz aussieht. Ein Durchschnittsbetrieb bewirtschafte 100 Hektar. „Wer weniger als 80 Hektar bewirtschaftet, überlegt schon, ob er noch weitermacht“, skizzierte Hartje die Situation. Dabei biete die Landwirtschaft viele berufliche Entwicklungsmöglichkeiten – „auch Seiteneinsteiger ohne Hof haben eine gute Chance.“

Dass Enthusiasmus eine gute Basis für die Arbeit ist, bewiesen Friederike und Frank Kastens, deren Betrieb sich die Pädagogen ebenfalls anschauten. 50 Kilogramm Futter und 150 Liter benötigt eine Kuh pro Tag, lernten die Lehrer beim Gang durch den Stall. Oberste Maxime sei stets das Wohl der Tiere. „Wir müssen sehen, was der Kuh fehlt und erkennen, ob sie sich unwohl fühlt. Wenn wir ihr das geben, was ihr fehlt, gibt sie es uns wieder“, erläuterte das junge Landwirtspaar. Wie man es erkenne, wenn es einer Kuh nicht gut gehe, wollten die Lehrer wissen. „Dafür entwickelt man mit der Zeit ein Gefühl“, sagte Friederike Kastens.

Beim abschließenden Imbiss mit Produkten der Molkerei Grafschaft Hoya und der Bühnemühler Hofkäserei erläuterte die Kreislandfrauenvorsitzende Jutta Hohnholz den Lehrkräften, dass der Verein „Kochen mit Kindern“ jedes Jahr rund 2000 Kindern Herkunft und Umgang mit Lebensmitteln vermittelt.

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