Anthologie erinnert an Expressionisten August Stramm

Stupender Sprachschöpfer

Kurt Schwitters galt er als poetische Hoffnung. „Die Verdienste Stramms um die Dichtung sind sehr“, notierte der Dadaist, dessen Syntax ähnlich gewöhnungsbedürftig war wie die des Expressionisten August Stramm, Jahrgang 1874.
16.08.2015, 00:00
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Stupender Sprachschöpfer
Von Hendrik Werner
Stupender Sprachschöpfer

Verwaltungsbeamter und Offizier, Dichter und Wissenschaftler: August Stramm, geboren 1874 in Münster, zählt zu den Protagonisten des Expressionismus.

fr, ULB Münster

Kurt Schwitters galt er als poetische Hoffnung. „Die Verdienste Stramms um die Dichtung sind sehr“, notierte der Dadaist, dessen Syntax ähnlich gewöhnungsbedürftig war wie die des Expressionisten August Stramm, Jahrgang 1874. Am 1. September jährt sich zum 100. Mal der Todestag des lakonischen, auf Neologismen abonnierten Lyrikers und Dramatikers. Darum ist eine Hommage in Buchgestalt erschienen. Daran beteiligt sind so honorige Autoren wie Burkhard Spinnen, Brigitte Kronauer, Gerhard Rühm und Nora Gomringer. Würden sie noch leben, hätten gewiss auch die Ausnahmesprachschöpfer Ernst Jandl und Arno Schmidt, bekennende und beeinflusste Stramm-Fans, etwas beigesteuert.

Für Bremen, wo Stramm in den Jahren 1903 bis 1905 wohnte und seine künstlerische Vielseitigkeit mit staunenswerter Gründlichkeit auslebte – malend, musizierend, dichtend –, treten zwei dem hiesigen Hörfunk verbundene Lyriker in einen produktiven Dialog mit dem wagemutigen Virtuosen sprachlicher Experimente: Ulla Hahn und Michael Augustin, der in seinem anspielungsreichen Beitrag Stramms Vita, Tod und Wirkung eindrucksvoll verdichtet: „Auf besorgniserrgende Weise / mitten im Worte abreißende Notiz / eines unbekannten Regimentsschreibers / zur Todesursache des soeben beim Angriff auf eine russische Stellung / am Dnjepr-Bug-Kanal zu Horodec gefallenen / Offiziers und Dichters August Stramm / Kopfsch“.

Es steht dem an biografischen und poetologischen Skizzen reichen Buch bestens an, dass auch Stramm ausgiebig zu Wort kommt – unter anderem mit modern und modernd anmutenden Kriegsminiaturen wie „Patrouille“ („Die Steine feinden / Fenster grinst Verrat / Äste würgen / Berge Sträucher blättern raschlig / Gellen / Tod“).

Hiltrud Herbst u. Anton G. Leitner (Hg.): Weltpost ins Nichtall. Poeten erinnern an August Stramm. Daedalus, Münster.

207 Seiten, 19,95 .

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