Tag des offenen Denkmals: Die Hoyaer Burgmannsfamilie von Behr öffnet ihren exklusiven Rittersaal Tapete erzählt Geschichte

Zum Tag des offenen Denkmals öffnen am heutigen Sonntag in Niedersachsen wieder rund 600 Denkmäler ihre Pforten. Eines davon ist der Rittersaal der Familie von Behr in der alten Grafenstadt Hoya. Für die Restaurierung der Panorama-Bildtapete hat der Hausherr sogar einen Denkmalspreis gewonnen.
08.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Zum Tag des offenen Denkmals öffnen am heutigen Sonntag in Niedersachsen wieder rund 600 Denkmäler ihre Pforten. Eines davon ist der Rittersaal der Familie von Behr in der alten Grafenstadt Hoya. Für die Restaurierung der Panorama-Bildtapete hat der Hausherr sogar einen Denkmalspreis gewonnen.

Die von Behrs sind die letzte der Hoyaer Burgmannsfamilien. Sie residieren schräg gegenüber vom Grafenschloss in einem repräsentativen Herrenhaus, nur unweit des alten Burggrabens. Pünktlich zum Tag des offenen Denkmals feiert nicht nur das Hoyaer Schloss seinen 800. Geburtstag – auch die von Behrs gewähren der Öffentlichkeit wieder einen exklusiven Einblick in ihren Rittersaal.

Dass sich hinter den Fachwerkmauern ein kunsthistorisches Kleinod verbirgt, ahnt eigentlich niemand. Sobald sich die Türen zum Rittersaal öffnen, ist das Staunen der Besucher daher umso größer. Auf 30 Tapetenbahnen wird dort vor dem Auge des Betrachters eine abgeschlossene Geschichte ausgerollt. Und zwar Alexander von Humboldts Expedition nach Brasilien, seine Begegnungen mit Ureinwohnern und wilden Tieren.

„Weil der Zahn der Zeit an unserer handgedruckten Panorama-Bildtapete genagt hat, haben wir sie zwischen 2005 und 2007 aufwendig restaurieren lassen“, sagt Hausherr Werner von Behr, seines Zeichens auch Präsident der Hoya-Diepholzschen Landschaft. Die Restauratoren haben so gut gearbeitet, dass Familie von Behr für die Restaurierung ihrer Bildtapete sogar einen Denkmalspreis bekommen hat.

Fünf Rittergüter haben früher den Hoyaer Burggraben umgeben. Heute sind die von Behrs die letzte der Hoyaer Burgmannsfamilien. „Unser Haus war eigentlich ein Schloss“, berichtet von Behr von mehreren Zerstörungen in der Vergangenheit. Relikte des einstigen Familienschlosses sind heute noch die beiden Sandsteinsäulen in der Auffahrt. Schräg gegenüber des als Herrenhaus wieder aufgebauten Stammsitzes der Familie von Behr thront noch immer das Hoyaer Schloss hoch über der Weser. „Die Hoya-Diepholzsche Landschaft setzt sich dafür ein, dass die Kommune das Grafenschloss vom Land Niedersachsen erwirbt“, erklärt ihr Präsident.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz kümmert sich schon seit 20 Jahren um die Koordination des Tags des offenen Denkmals. Seit 1993 findet er bundesweit am zweiten Sonntag im September statt, er steht jeweils unter einem anderen Jahresthema. „Rund 600 Denkmäler öffnen heute in Niedersachsen ihre Pforten. Der Tag des offenen Denkmals ist deshalb so ein großer Erfolg, weil seine Organisation auf vielen Schultern ruht.“ Das sagt Carolin Kolhoff, Referentin für den Tag des offenen Denkmals. Sie ist des Lobes voll für die Arbeit von Landesdenkmalämtern, den unteren Denkmalschutzbehörden, Kirchen, Vereinen und Privatleuten.

Privatmann Werner von Behr hat die Restaurierungskosten für die historische Tapete in Höhe von 210000 Euro zu einem Drittel aus der eigenen Schatulle beglichen. Zwei Drittel wurden aus Fördermitteln bezahlt.

1830 wurde der Tapetenzyklus in der elsässischen Tapetenmanufaktur Zuber hergestellt. Noch heute lagern die Original-Druckstöcke in den Gewölben der Manufaktur. Insgesamt 247 Farben zieren die kostbare Wandverkleidung im von Behrschen Rittersaal. Die trägt übrigens den klangvollen Namen „Vues du Brasil“, also Ansichten von Brasilien.

Die detailgetreuen Abbildungen auf der Tapete faszinieren Besuchergruppen aus der ganzen Welt. Was hat es eigentlich mit dem Affen auf sich, der auf dem Rücken eines Esels thront? „Affen waren damals so eine Art Frühwarnsystem“, erläutert Werner von Behr. Sobald Gefahr drohte, hätten sie sich lautstark bemerkbar gemacht. Die Panorama-Bildtapete, die den gesamten Rittersaal schmückt, ist voller Symbolik. So weist beispielsweise die abgebildete Schlange auf einen drohenden Hinterhalt hin.

Schaut Hausherr Werner von Behr aus den Fenstern seines Rittersaals, blickt er nicht etwa auf den Zuckerhut, sondern auf die Weser. Nein, in Brasilien sei er noch nie gewesen, verrät der Nachfahre einer alteingesessenen Hoyaer Burgmannsfamilie. Wozu auch? Schließlich sehe er die Bucht von Rio von seinem lang gestreckten Esstisch aus.

Jeweils um 13, 15 und 17 Uhr führt Werner von Behr heute durch den feudalen Festsaal mit der denkmalgeschützten Tapete. Zeitgleich gehen im gegenüberliegenden Hoyaer Schlosshof die Feierlichkeiten zum 800. Geburtstag des Hoyaer Schlosses weiter. Die Geschichte der von Behrs ist eben eng mit der Historie der Hoyaer Grafen verknüpft.

Der Tag des offenen Denkmals steht dieses Jahr unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

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