Tatort-Kritik

Die abtrünnige Tochter

In ihrem aktuellen Fall ermitteln Thorsten Falke und Julia Grosz im Milieu russischer Waffenhändler. „Macht der Familie“ kommt trotz des brisanten Themas nicht so richtig in Schwung.
18.04.2021, 05:00
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Die abtrünnige Tochter
Von Iris Hetscher
Die abtrünnige Tochter

Ein Einsatz läuft aus dem Ruder: Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine Kollegin Katija (Anja Taschenberg) müssen schnell reagieren.

Meyerbroeker/NDR/dpa

Der Sarg eines Polizisten wird aus einem Flugzeug geladen, uniformierte Kollegen schultern ihn, um ihn der Familie zu übergeben. Die verantwortliche Ermittlerin zeigt dazu einen mehr als beklommenen Gesichtsausdruck. Was ist da passiert? So beginnt der aktuelle Fall des Duos Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) aus Hamburg, der mit „Macht der Familie“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) betitelt ist.

Der Tote war Undercover-Agent, der ein Jahr lang im Milieu russischer Waffenhändler tätig war. Bei der Aktion, die die mafiösen Machenschaften der Familie Timofejew aufdecken sollte, ist er ums Leben gekommen - auf ziemlich spektakuläre Art: Das Flugzeug, das ihn und den Kronprinzen des Clans, Nikolaj (Jakub Gierszal), nach Zypern bringen sollte, explodiert in der Luft. Genehmigt hatte den riskanten Einsatz, bei dem auch ein Koffer mit zwei Millionen Euro an Steuergeldern verbrannt ist, die frisch gebackene Hauptkommissarin Julia Grosz. War nun alles umsonst? Grosz, die ihren Fehler irgendwie ausbügeln will, gibt nicht auf. Sie schickt Marija Timofejew (Tatiana Nekrasov) ins Rennen - die abtrünnige Tochter, die als verdeckte Ermittlerin für die Polizei arbeitet. Falke bleibt skeptisch; er hat eine gemeinsame Geschichte mit Marija.

Der Hamburger „Tatort“ krankt schon seit einiger Zeit an der Mittelmäßigkeit seiner Drehbücher. Das ist auch dieses Mal der Fall, obwohl mit Niki Stein ein alter Hase am Werk war, der auch noch die Regie besorgt hat. Doch Stein ist die Geschichte um die reichen und natürlich total zwielichtigen Russen mit riesiger Villa vor den Toren der Hansestadt derart zäh, klischeehaft und leicht durchschaubar geraten, dass man schon bald das Interesse verliert. Wach gehalten wird man eigentlich nur von Wotan Wilke Möhring und seinen lockeren Sprüchen.

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