Wahn und Wirklichkeit

"Tatort"-Kritik: Mordfall in Köln in der Folge "Weiter, immer weiter"

In „Weiter, immer weiter“ steht der Streifenpolizist Frank Lorenz im Mittelpunkt, der sich in die Ermittlungsarbeit der Mordkommission einmischt. Der Fall nimmt dadurch eine fatale Wendung.
04.01.2019, 14:15
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Von Iris Hetscher
"Tatort"-Kritik: Mordfall in Köln in der Folge "Weiter, immer weiter"

Mirko Pohl (Vincent Redetzki) will Rache: Er hat erfahren, wer am Tod seines Bruders Pascal Schuld ist.

Martin Valentin Menke

Routinearbeit in Köln: Ein Auto fährt zu schnell, eine Polizeistreife hält den Fahrer an. Der springt panisch aus seinem Wagen, rennt vor eine Straßenbahn, ist auf der Stelle tot. Ein Unfall? Im Handschuhfach werden Drogen gefunden, der Streifenbeamte Frank Lorenz will einen schwarzen Geländewagen gesehen haben, der kurz nach dem Unfall am Tatort vorbeizischte. Im Wagen: stiernackige Männer mit auffälligen Halstattoos.

Eher widerwillig übernehmen die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) den Fall in der Folge „Weiter, immer weiter“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr). Vor allem Ballauf ist skeptisch, weil Frank Lorenz mit großem Eifer die Arbeit der Mordkommission zu unterstützen meint. Eigentlich aber verursacht der alte Kumpel von Schenk nur sehr viel Chaos mit fatalen Folgen.

Ein großartig zwischen Verzweiflung und Selbstherrlichkeit pendelnder Roeland Wiesnekker als Franz Lorenz ist das Zentrum dieser „Tatort“-Folge, die eine sehr traurige Geschichte von einem vereinsamten, verwahrlosten Menschen erzählt und die ganze Wahrheit erst kurz vor Schluss enthüllt. Und so folgt man dem übereifrigen Streifenbeamten in einem unwirtlichen, stets dunklen Köln zu Treffen mit vermeintlichen Kontakten, lauscht Gesprächen mit seiner Schwester. Ins Fadenkreuz der Emittlungen gerät schnell „Nikitin Delikatessen“, ein russisches Familienunternehmen, da leuchtet sofort das Wort Mafia vorm inneren Auge auf.

Doch bei all den beschworenen Klischees um Drogen, Auftragsmord, Korruption sollte man vorsichtig sein. Die Drehbuchautoren Jan Martin Scharf und Arne Nolting spielen mit derartigen Automatismen und haben im Verein mit Regisseur Sebastian Ko einen „Tatort“ erdacht, der gekonnt zwischen Wahn und Wirklichkeit pendelt.

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