Verbrechen oder Tragödie?

„Tatort“-Kritik: „Nemesis“

„Irgendetwas stimmt nicht an der Geschichte.“ Eine Aussage, die sich wie ein roter Faden durch den „Tatort“ mit dem Titel „Nemesis“ zieht. Kein Meisterwerk der Kriminalkunst, dafür aber bis zuletzt spannend.
17.08.2019, 20:09
Lesedauer: 1 Min
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„Tatort“-Kritik: „Nemesis“
Von Katharina Frohne
„Tatort“-Kritik: „Nemesis“

In "Nemesis" wird ein Dresdner Szenegastronom erschossen. Es scheint sich um organisierte Kriminalität zu handeln.

Daniela Incoronato/MDR/W&B Television/ARD/dpa

Der „Tatort“ ist an diesem Sonntag keine 35 Minuten alt, da sagt die Dresdner Kriminalkommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) einen Satz, der sich durch die Ermittlungen ziehen wird wie ein roter Faden. Sie sagt: „Irgendetwas stimmt nicht an der Geschichte.“ Ein Befund, der oft da für Spannung sorgen soll, wo einfach keine aufkommen will, ein Klassiker der „Tatort“-Sätze (Platz eins und zwei: „Er verschweigt uns etwas“ und „Wir stehen wieder ganz am Anfang“).

In „Nemesis“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) aber spricht die Ermittlerin nur aus, was der Zuschauer von Beginn an selbst feststellt: Dieser Fall (Buch: Mark Monheim, Regie: Stephan Wagner) ist schräg, nichts passt zusammen, wer hier wen bedroht, ist völlig unklar. Ermordet wurde der Szenegastronom Joachim „Jojo“ Benda, von mehreren Schüssen durchlöchert sitzt er tot an seinem Schreibtisch.

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Wurde der Familienvater um Schutzgeld erpresst? Das zumindest glaubt Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) – und fühlt sich bestätigt, als herauskommt, dass die Tatwaffe vor zwei Jahren aus einer Amsterdamer Asservatenkammer verschwundenen war. Doch Winkler und ihre Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) sind skeptisch. Denn auch die Frau des Toten (wunderbar irre: Britta Hammelstein) und die Söhne des Paars haben offenkundig irgendetwas zu verbergen.

Organisiertes Verbrechen oder Familientragödie? Eine Tendenz hat der Zuschauer bald; wie alles zusammenhängt, ist trotzdem lange unklar. Ein bis zuletzt spannender „Tatort“, der vielleicht kein Meisterwerk der Krimikunst ist – aber ein durchaus solider Saisonauftakt.

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