80 Jahre „Cinecittà“: In den Studios an Roms Peripherie entstanden Filme von „Ben Hur“ über „La Dolce Vita“ bis „Zoolander“

Traumfabrik am Tiber

Rom. Das „Teatro No. 5“ in Cinecittà war für Federico Fellini ein zweites Zuhause.
30.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Carola Frentzen

Das „Teatro No. 5“ in Cinecittà war für Federico Fellini ein zweites Zuhause. Hier hatte er sich sogar eine Wohnecke eingerichtet, um die römischen Filmstudios in seinen kreativsten Zeiten auch nachts nicht verlassen zu müssen. Er spüre eine Art von Ekstase, wenn er vor dem leeren Studio stehe, hat der Regisseur (1920

–1993) einmal gesagt: Der ganze Raum warte darauf, gefüllt zu werden und eine neue Welt entstehen zu lassen.

Glanz und Gloria der römischen Filmstadt sind zwar seit den goldenen 50er- und 60er-Jahren verblasst, als hier Hollywood-Diven von Elizabeth Taylor bis Ava Gardner ein- und ausgingen. Aber auch 80 Jahre nach der Grundsteinlegung kommen noch immer Weltstars an den Tiber, um hier zu filmen und zu produzieren.

Rückblick: Nachdem die kleinen Vorgänger-Studios „Cines“ aus nie ganz geklärten Gründen abgebrannt sind, ordnet der faschistische Diktator Benito Mussolini den Bau einer riesigen Filmstadt an, um dort nach deutschem Vorbild Propagandafilme zu drehen. Mit stolzem Stechschritt marschiert der Duce Ende Januar 1936 zur Grundsteinlegung – die Kamera, die die Szene für die Ewigkeit einfängt, ist noch heute in den Studios zu sehen.

„Aber Mussolini wollte auch die italienische Kinematographie vorantreiben, um der amerikanischen Vorherrschaft etwas entgegenzusetzen“, erklärt Cinecittà-Direktor Giuseppe Basso. In weniger als 400 Tagen wird die 40 Hektar große Filmstadt mit neun großen Studios vor den Toren Roms aus dem Boden gestampft – bereits am 28. April 1937 wird sie feierlich eröffnet.

In den ersten Jahren und Jahrzehnten entstehen wahrhaft „römische“ Filme, angefangen bei den neorealistischen Werken von Regisseuren wie Roberto Rossellini und Luchino Visconti, die etwa in „Rom, offene Stadt“ (1945) oder „Bellissima“ (1951) mit der Charakterdarstellerin Anna Magnani die bittere Nachkriegsrealität auf die große Leinwand brachten. Dann hält Hollywood Einzug und schafft Monumentalproduktionen, die unauslöschlich mit der Geschichte des Kinos verbunden bleiben: „Ben Hur“, „Quo Vadis“, „Kleopatra“.

Für die berühmte Szene des Wagenrennens mit Charlton Heston im MGM-Klassiker „Ben Hur“ allein wurde ein 18 Hektar großes und damals schon eine Million Dollar teures Set gebaut. Dann kamen Liz Taylor und Richard Burton - und mehr noch als über die Dreharbeiten zu „Kleopatra“ sprach ganz Rom über die Liebesaffäre der damals noch mit anderen Partnern verheirateten Weltstars. „Rom war ein bisschen wie Hollywood geworden, ein Hollywood am Tiber“, sagt Direktor Basso.

Das zeigte sich nicht nur in Cinecittà, sondern in der ganzen Stadt, wo damals das süße Leben herrschte. Apropos: Die berühmte Via Veneto, Flaniermeile der Reichen und Schönen, wurde für die Dreharbeiten von „La Dolce Vita“ originalgetreu in Cinecittà nachgebaut. „Fellini wollte nicht in der Stadt drehen, weil Paparazzi unterwegs waren. Sie haben ihn maßlos gestört“, erzählt Basso.

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