Luke Jackson und Stephanie Nilles Trio im Moments / Technisch anspruchsvoll

Über Folk und Blues nach New Orleans

Bremen. Wenn man nach Gemeinsamkeiten von Stephanie Nilles und Luke Jackson, die im Doppelkonzert von Sparkasse in concert im bestens besuchten Moments auftraten, sucht, wird man bei einem ähnlichen Faible für amerikanischem Folk und Blues fündig. Ansonsten unterscheiden sich die Amerikanerin aus New Orleans und der Brite aus Canterbury beträchtlich.
03.12.2015, 00:00
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Von Christian Emigholz

Wenn man nach Gemeinsamkeiten von Stephanie Nilles und Luke Jackson, die im Doppelkonzert von Sparkasse in concert im bestens besuchten Moments auftraten, sucht, wird man bei einem ähnlichen Faible für amerikanischem Folk und Blues fündig. Ansonsten unterscheiden sich die Amerikanerin aus New Orleans und der Brite aus Canterbury beträchtlich.

Den Anfang machte der Sänger und Gitarrist Luke Jackson, der seinen Kumpel Andy Sharps (E-Bass und Gesang) mitgebracht hat. Jackson war vor einem Jahr – damals gerade zwanzig Jahre alt – die Überraschung bei dem britischen „Fresh Folk“-Paket im Schlachthof. Er ist mit seiner kraftvollen und eindringlichen Stimme und dem bei Bedarf fein ausgetüftelten Gitarrenspiel ganz auf Folklore konzentriert, selbst wenn Bluesanklänge wie bei „Better man“ unverkennbar sind, bleibt er ein Folk-Songwriter, wofür der starke am Anfang gespielte Song „What we do“ steht. Erneut beeindruckt Luke Jackson mit der gekonnten Gestaltung seiner eigenen Songs, wozu Andy Sharps empfindsame Basslinien und die gute zweite Stimme beisteuert. Überzeugend ist aber auch die intensive Version des Folk-Klassikers „Man of constant sorrow“ sowie seine eigenwilligen Varianten von zwei Ray Charles-Evergreens.

Stephanie Nilles hat ihr Trio mitgebracht. Zu dem gehören neben der Pianistin und Sängerin der Kontrabassist Jesse Morrow und Schlagzeuger Paul Thibodeaux, mit denen sie auch ihre neue CD „Murder Ballads“ aufgenommen hat. Um die Songs darauf geht es auch, aber nicht nur. Das Titelstück „Murder Ballad“ geht auf den New-Orleans-Pianisten Jelly Roll Morton zurück. Stephanie Nilles hat Morton nicht zufällig ausgewählt, denn die klassisch ausgebildete Pianistin liebt diesen alten New-Orleans-Sound mit seinen Trillern und den technisch anspruchsvollen Akkordkaskaden, fügt diese Spielweise auch immer wieder in ihre eigenen Songs ein. Aber das ist bei weitem nicht alles! Denn Stephanie Nilles bleibt nicht dabei stehen, bricht den Swing immer wieder durch bewusst schräge, mitunter experimentelle Einwürfe auf, stachelt ihre Begleiter außerdem phasenweise zu einem geradezu höllischen Tempo an, was diese lässig mitgehen. Ein sehr überzeugender Auftritt.

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