Vegesack

Ulla Meinecke zieht ihr Publikum in den Bann

Vegesack. Ulla Meinecke hält ihr Publikum durch ihre pure lächelnde Präsenz zwei Stunden im Bann. Von vornherein steht die unausgesprochene Verabredung im Raum, dass man sich einen gemütlichen Sonnabend miteinander machen werde.
21.10.2013, 00:00
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Von Volker Kölling
Ulla Meinecke zieht ihr Publikum in den Bann

Wartet auf ihren mongolischen Tierfilmer: Ulla Meinecke.

Volker Kölling coast communication

Ulla Meinecke hält ihr Publikum durch ihre pure lächelnde Präsenz zwei Stunden im Bann. Von vornherein steht die unausgesprochene Verabredung im Raum, dass man sich einen gemütlichen Sonnabend miteinander machen werde. Wären Kerzen im vollen Vegesacker Kulturbahnhof erlaubt, hätte sich jeder Zuhörer eine angezündet.

„Schlendern ist Luxus“ und „Wenn zwei zueinander passen“– die Stücke kommen ganz vorne. Wer Angst gehabt hat, dass Ulla Meineckes Stücke mit nur zwei Musikern zu dünn instrumentiert daher kommen, kann entspannt aufatmen. Dass Ingo York mit den Händen Gitarre und mit den Füßen Schlagzeug spielt, sieht zwar ein bisschen nach Fußgängerzone aus, erfüllt aber tatsächlich voll seinen Zweck. Mit ihm und Reinmar Henschke an Bass und Tasteninstrumenten stehen zwei Vollprofis auf der Bühne, die ihrer Chefin einen perfekten Klangteppich zaubern. Und dann erweist sich die Stimme der 60jährigen Künstlerin als immer noch vollwertiges Instrument – das Timbre ist voll da, wenn Ulla Meinecke will. Mal schnurrt sie samtig, mal rockt sie los.

Inhaltlich geht es am Anfang des Programms um das vielleicht in Wirklichkeit größte Problem des Lebens: Wie findet man einen Partner, der wirklich zu einem passt? Gibt es so etwas wie die eine einzige Zwillingsseele und wie findet man die? So fragt Ulla Meinecke und stellt gleich einmal im Stile einer Kabarettistin infrage, ob als Hilfsmittel für diese Suche tatsächlich Internetpartnerbörsen geeignet sind. Sie sah für sich hingegen beim Meditieren plötzlich einen mongolischen Tierfilmer als perfekten Partner vor sich: „Wer im Schlamm mit seiner Kamera tagelang ausharrt, um dann glücklich ein kleines Fellwesen an sich vorbeiflitzen zu sehen, der weiß, was echte Hingabe ist.“

Gerade heraus redet und singt sie auch über das Alter. Fünfzig sei ja heute das neue dreißig, so Ulla Meinecke: „Da müssen dann doch alle Dreißigjährigen aufhorchen. Was sollen die dann sein? Das neue Zwölf?“ So pointiert sie textet, so redet die Entertainerin auch auf der Bühne. Nach einem Marlene Dietrich gewidmeten Susann-Vega-Cover erzählt sie von ihren erfolgreichen Ausflügen in die Theaterwelt und rockt plötzlich ein dreckiges „You’re so vain“ auf die Bühne.

Nach der Pause gibt sie „Wenn wir Glück haben“ und dann „50 Tipps“ ihn zu verlassen und fragt „Lieb ich dich zu leise?“. „Ein Schritt vor und zwei zurück“ folgt und danach stellt sie lakonisch fest, dass 90 Prozent aller Musiktitel schon seit der Antike Liebeslieder sind. Bei Ulla Meinecke könnten das auch einhundert Prozent sein.

Mit einem schönen „Schlaf“ endet der offizielle Teil des Programm. Eine neu arrangierte „Tänzerin“ begeistert dann vor dem Rio-Reiser-Stück „Draußen auf dem Meer“ als Zugabe. Es ist eine melancholische Erinnerung von Ulla Meinecke an ihren lange verstorbenen Freund. Die Menschen gehen berührt von dieser Frau aus dem Kulturbahnhof und nach Hause.

Wer Ulla Meinecke am Wochenende in Vegesack verpasst hat, hat am 31. Oktober noch einmal die Chance, die Künstlerin im TiF in Bremerhaven zu sehen.

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