Wie Horror-Clowns die USA und das Netz in Hysterie versetzen Unheimliche Begegnungen

Minneapolis. Es ist Nacht, die Landstraße verlassen und nur spärlich beleuchtet. In der Ferne huscht ein diffuses Etwas, wahrscheinlich ein Tier, womöglich ein Reh, über die Straße und streift den Lichtkegel des Autos.
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Unheimliche Begegnungen
Von Nico Schnurr

Minneapolis. Es ist Nacht, die Landstraße verlassen und nur spärlich beleuchtet. In der Ferne huscht ein diffuses Etwas, wahrscheinlich ein Tier, womöglich ein Reh, über die Straße und streift den Lichtkegel des Autos. Der Wagen fährt langsamer. Dann hämmert es an der Scheibe. Das milchig blasse Gesicht eines Clowns, die Haut vernarbt und in tiefe Falten gelegt, die Augen schwarz unterlaufene Krater, der Mund blutrot, blickt durch das Fenster.

Was klingt wie das Setting einer ziemlich gewöhnlichen Szene irgendeines beliebigen Horror-Films, ist tatsächlich so passiert. Und es passiert in diesen Tagen wieder und wieder. Und zwar nicht nur in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, sondern überall in den USA. Clowns, die auf einsamen Feldwegen auftauchen, Passanten verfolgen, sie mit Messern oder Baseballschlägern bedrohen. Clowns, die, auf dem Motorrad fahrend, andere Autos bedrängen, regungslos am Straßenrand stehen, durch Vorgärten von Wohnsiedlungen streifen.

Konserviert sind diese Schreckmomente auf oft nur wenige Sekunden dauernden, verwackelten Handyvideos und unscharfen Fotos. „Clown Sightings“ heißt das Phänomen, das momentan im Internet kursiert und längst nicht mehr nur in den USA für Gruseln und mancherorts sogar für Hysterie sorgt.

Angefangen haben die unheimlichen Clown-Begegnungen Ende August im US-Bundesstaat South Carolina. Ein Junge hatte berichtet, dass ihn zwei Clowns in den Wald locken wollten. Inzwischen soll es in 39 US-Bundesstaaten zu „Clown Sightings“ gekommen sein. Stündlich kommen auf dem Twitter-Account „Clown Sightings“ neue Fälle dazu. In Ohio sind zum Schutz vor den Clowns bereits Schulen geschlossen worden, und auch in Großbritannien, in England, Irland und Wales häufen sich die Begegnungen mit Clowns.

Wer hinter dem Phänomen steckt, ist noch unklar. „Wir glauben, das ist Teil eines größeren Streichs, der gerade in den USA und Teilen des Vereinigten Königreichs seine Kreise zieht“, sagte ein Polizeivertreter aus Nordengland. Weil bisher noch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist, wird hinter den Clown-Begegnungen so kurz vor Halloween aber auch ein Marketing-Gag vermutet. Verbindungen zum Gruselstreifen „31“ von Regisseur Rob Zombie, der seit August in den amerikanischen Kinos läuft und sich um eine Gang sadistischer Clowns dreht, wurden gemutmaßt. Auch ein möglicher Zusammenhang zur Neuauflage des Horror-Klassikers „Es“, der 2017 erscheinen soll, steht im Raum.

Stephen King, der popkulturelle Vater der Horror-Clown-Figur und Autor von „Es“, rief auf Twitter indes zu mehr Gelassenheit auf. „Hey Leute, es ist Zeit, die Clown-Hysterie ein wenig zurückzuschrauben“, schrieb King. „Die meisten von ihnen sind gut, muntern die Kinder auf, bringen die Menschen zum Lachen.“ Besonders in den USA scheinen das immer weniger Menschen so zu sehen. Inzwischen müssen sich die Clowns dort – ganz gleich ob friedlich oder nicht – auf heftige Gegenwehr einstellen: In Pennsylvania sollen 500 Studenten auf Clown-Jagd gegangen sein und in Videos aus Texas, die auf Twitter kursieren, werden Clowns mit Baseballschlägern verprügelt.

Warum Clowns auf viele Menschen so gruselig wirken, haben Psychologen des Knox College in Illinois untersucht. Ergebnis ihrer Studie ist, dass vor allem die Maskerade und das Fehlen von Mimik Unbehagen auslösen und Clowns unberechbar erscheinen lassen. Noch vor Leichenbestattern wurden Clowns von den Befragten als unheimlichste Berufsgruppe bewertet.

Die aktuellen „Clown Sightings“ dürften das kaum ändern. Die ersten US-Berufsclowns, die ihren Unterhalt mit Clownerie verdienen, fürchten deswegen darum, beim nächsten öffentlichen Auftritt attackiert zu werden. Sie wollen sich am 15. Oktober in Tucson im US-Bundesstaat Arizona zu einem #ClownLivesMatter-Marsch versammeln und so für ein besseres Image sorgen

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