Bremen Universitätsmusik entdeckt Odysseus-Oratorium neu

Bremen. Fällt der Name Max Bruch, verknüpfen Musikfreunde diesen sofort mit dem berühmten „Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll“.
19.01.2016, 00:00
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Universitätsmusik entdeckt Odysseus-Oratorium neu
Von Iris Hetscher

Fällt der Name Max Bruch, verknüpfen Musikfreunde diesen sofort mit dem berühmten „Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll“. Dieses Werk ist beinahe das einzige Stück des romantischen Komponisten (1838-1920), das noch regelmäßig aufgeführt wird.

Auch Susanne Gläß, Leiterin der Universitätsmusik, hatte zu dem Namen Bruch bis vor einiger Zeit keine wirklich enge Beziehung. Bis sie vor zwei Jahren mit dem Uni-Orchester dessen dritte Sinfonie aufführte und davon völlig verzaubert war: „Das ist ein wunderbar melodisches Werk mit einer beeindruckenden Instrumentierung“.

Ein Musiker, der in dieser Art komponiert hatte, musste einfach auch etwas für die menschliche Stimme geschrieben haben – davon war Gläß überzeugt. Und sie behielt recht. Bei ihren Recherchen entdeckte sie „Odysseus – Szenen aus der Odyssee“, ein weltliches Oratorium, den Text hatte Bruch ebenfalls konzipiert.

Auf dem Titelblatt der Originalpartitur, die sich Gläß aus Dresden besorgte, stand zudem: „Gewidmet der Bremer Singacademie“. Die Professorin wurde stutzig, forschte weiter und fand heraus: Das Oratorium war sogar in Bremen uraufgeführt worden, 1872, dirigiert vom Komponisten selbst.

Danach wurde es noch drei Mal in Bremen und außerdem in weiteren 36 deutschen Städten aufgeführt, feierte Erfolge in England und den USA. Johannes Brahms wählte es aus, um sich 1875 als Dirigent des Wiener Singvereins zu verabschieden. Doch anders als Brahms’ „Ein deutsches Requiem“, das 1868 ebenfalls im Bremer Dom uraufgeführt wurde und seither seinen festen Platz im Repertoire hat, zählt „Odysseus“ heute zu den vergessenen Werken. Dazu dürfte wesentlich der Umstand beigetragen haben, dass Bruch von den Nazis als jüdischer Komponist diffamiert wurde, weil er das jüdische Jom-Kippur-Gebet „Kol Nidrei“ für Orchester und Cello vertont hatte.

Mindestens sein „Odysseus“-Oratorium sollte nun wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen, wünscht sich Susanne Gläß. Chor und Orchester der Universität studieren Teile des Werks seit einigen Wochen ein, am 6. Februar werden sie es in der Glocke aufführen.

Doch Gläß geht es nicht nur um den musikalischen Aspekt des Oratoriums, sie findet auch dessen Inhalt hochaktuell. „Odysseus war damals auf dem Mittelmeers unterwegs, weil er nach Hause zurück wollte. Heute müssen viele Menschen genau diesen Teil des Mittelmeers überqueren, um vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat zu fliehen“, sagt sie. Deshalb gibt es um die Einstudierung des Werks herum ein Seminar, dass sich mit diesen Aspekten befasst; unter anderem haben Studierende Flüchtlinge, die in der Nähe des Uni-Campus untergebracht sind, nach ihrer Definition von „Heimat“ gefragt. Die Ergebnisse sind im Programmheft der Veranstaltung nachzulesen. Den Einführungsvortrag von Susanne Gläß gibt es am 30. Januar, 11 Uhr, im Haus der Wissenschaft. Der Eintritt ist frei.

„Odysseus“

, Orchester und Chor der Universitätsmusik, Sonnabend, 6. Februar, 20 Uhr, Die Glocke. Karten bei Nordwest-Ticket..

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