Videospiel-Test: "Twelve Minutes"

Zwölf Minuten bis zum Neustart

Mit dem Abenteurspiel "Twelve Minutes" schafft Entwickler Luis Antonio eine enge, beklemmende Welt. Gerade durch den minimalistischen Ansatz entfaltet die Handlung besondere inhaltliche Stärke.
06.09.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Niklas Golitschek
Zwölf Minuten bis zum Neustart

Die romantische Augenblick wird in "Twelve Minutes" schnell von einer beklemmenden Atmosphäre abgelöst.

Annapurna Interactive

Drei Räume, ein Rätsel und zwölf Minuten Zeit, um es zu lösen: Das Abenteuerspiel "Twelve Minutes" lässt nur wenig Zeit für Pausen. Dabei beginnt alles so harmonisch und entschleunigt. Ein langer Arbeitstag ist vorüber, zu Hause hat die Frau ein Dessert vorbereitet – und eine besonders schöne Botschaft zu verkünden.

Kaum sind zwölf Minuten vergangen, ist diese Harmonie dahin. Zuerst das Klingeln der Fahrstuhltür, dann das Klopfen an der Tür. Ein Mann, der sich als Polizist ausgibt und die Frau beschuldigt, ihren Vater ermordet zu haben. Wenig später ermordet er selbst den Ehemann – und dann beginnt alles wieder von vorn.

Ähnlich wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" ist der Spieler in einer Zeitschleife gefangen. Zwölf Minuten bleiben dem Protagonisten, um in der Wohnung neue Hinweise zu finden. Zwölf Minuten, um neue Handlungsoptionen abzuwägen. Zwölf Minuten, um die zuvor gewonnen Erkenntnisse für das eigene Überleben zu nutzen. Bis es wieder an der Tür klopft.

Mit dieser Zeitschleife ist "Twelve Minutes" gnadenlos. Entwickler Luis Antonio, der zuvor an "The Witness" mitgewirkt hatte, hat dieses Szenario erstellt und mit einem größeren Team umgesetzt. Inspiriert von Filmklassikern wie "Shining" und "Das Fenster zum Hof" schafft er eine beklemmende wie unbehagliche Atmosphäre. Stets das Zeitfenster im Nacken, den eigenen Tod vor Augen, gilt es, den Bann zu brechen.

Die enge, spärlich ausgestattete Wohnung verstärkt diesen Eindruck. Aus der Vogelperspektive betrachtet sind weitgehend fehlende Gestik und Mimik der Figuren gar nicht tragende Elemente dieser düsteren Grundstimmung. Die entsteht viel mehr aus der trüben Farbgebung, dem kratzenden Radioton und einer starken akustischen Interpretation. Mit James McAvoy, Daisy Ridley und Willem Dafoe tragen auch Hollywood-Größen mit ihrer Stimme in der rein englischen Fassung dazu bei.

Getragen wird "Twelve Minutes" von vielschichtigen Dialogen, die mit den neuen Erkenntnissen auch weitere Optionen bieten. Hier verlangt das Spiel auch einiges an Detektivarbeit: Kleine Details erweisen sich manchmal als entscheidend, um im nächsten Durchlauf einen Fortschritt zu erzielen. Angesichts der permanenten Zeitdrucks und der wenigen Hilfen kann es durchaus nervenaufreibend sein, die Hinweise zu entdecken.

Trotz der monotonen Umgebung und der starren Grundstruktur ergibt sich daraus ein abwechslungsreiches Abenteuer, das über mehrere Stunden zu beschäftigen weiß. Einzig die Point-and-Click-Steuerung wirkt etwas aus der Zeit gefallen und offenbart bei den Raumwechseln Ungenauigkeiten. Dafür haben diese zwölf Minuten inhaltlich eine Menge zu bieten.

Info

Story: 6/7
Grafik: 3/7
Sound: 6/7
Steuerung: 3/7

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